Durch den Druck aus dem Handel sei mit vielen landwirtschaftlichen Erzeugnissen kaum noch etwas zu verdienen. So sei beispielsweise der Milchpreis um 15 Cent gefallen – und jeder Cent weniger bedeute für einen Betrieb, wie seine Familie ihn führt, weniger Einnahmen in Höhe von 30.000 Euro im Jahr. Nur noch mit Rindfleischproduktion lasse sich derzeit Geld verdienen. „Niedrige Preise treffen auf hohe Produktionskosten. Selbst dort, wo ordentliche Erträge erzielt werden, ist die Wirtschaftlichkeit nicht automatisch gesichert“, erklärt Schmal.
Angesichts dieser Lage und der sich häufenden Bedrohungen durch Seuchen wie Schweine- oder Geflügelpest sieht Schmal auch die hessischen Tierhalter unter großem Druck und warnt, dass noch mehr Betriebe aufgeben könnten, wie er am Freitag beim Erntegespräch in Groß-Bieberau sagte. „Wir müssen uns fragen, ob die Gesellschaft sich das leisten kann“, so Schmal. Denn die in Deutschland in den vergangenen Jahren um zehn Millionen Tiere zurückgegangene Haltung von Mastschweinen sei im gleichen Umfang in Spanien aufgebaut worden.
Regional große Unterschiede
Den bisherigen Verlauf der Getreideernte beschreibt der Bauernpräsident als sehr unterschiedlich. Während in Südhessen die Wintergerstenernte schon weitgehend abgeschlossen sei, beginne sie im nördlichen Teil des Landes, wo er selbst seinen Milchviehbetrieb hat, erst jetzt. Nach einem zunächst günstigen Vegetationsverlauf hätten die Trocken- und Hitzeperioden im Juni in vielen Regionen ihre Spuren hinterlassen.
In der Region Limburg hätten heftige Hagelstürme große Schäden angerichtet. Insgesamt liege die Ernte bislang auf einem durchschnittlichen bis leicht überdurchschnittlichen Niveau. Beim Winterweizen zeigten sich allerdings schon deutlicher die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit. „Während einige Regionen bislang zufriedenstellende Ergebnisse erzielen, haben Trockenheit und Hitze andernorts deutliche Spuren hinterlassen“, sagte Schmal.
Auch bei Mais und Zuckerrüben bleiben die Ertragserwartungen nach Darstellung des Bauernpräsidenten aufgrund der sehr unterschiedlichen Niederschlagsverteilung in Hessen unsicher. „Wie stark sich die Witterung der vergangenen Wochen am Ende auf die Ernteergebnisse auswirken wird, lässt sich derzeit vielerorts noch nicht abschließend beurteilen“, sagte er.
Zikaden bedrohen Kartoffel- und Zuckerrübenernte
Doch nicht nur die Auswirkungen der durch den Klimawandel bedingten Witterung machten den Landwirten zu schaffen, sondern auch die damit einhergehende Zunahme von Schädlingen, insbesondere die Schilf-Glasflügelzikade. Sie bedroht vor allem Kartoffel- und Zuckerrübenbestände, wie Landwirt Johannes Böhm erläuterte. Die seit fünf Jahren vermehrt auftretenden winzigen Insekten vernichteten die Ernten zum Teil komplett und bedrohen den gesamten Gemüseanbau. Er forderte Anstrengungen für die Zulassung von neuen Insektiziden, die nicht, wie die bisherigen, den kompletten Bestand an Insekten, darunter auch Bienen und Marienkäfer, vernichteten.

Der hessische Bauernverband fordert von der Politik angesichts seiner schwierigen Lage verlässliche Rahmenbedingungen. Dazu gehörten niedrigere Energiekosten sowie eine bezahlbare und verlässliche Versorgung mit Stickstoffdünger, hob Schmal hervor. Damit die Betriebe auch künftig wirtschaftlich arbeiten und die Versorgung mit regional erzeugten Lebensmitteln sichern könnten, müssten die politischen Entscheidungen die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft stärken, statt zusätzliche Belastungen zu schaffen, hierzu zählte Schmal auch die weitere Verteuerung von Minijobs. Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität der Betriebe sowie eine Weiterentwicklung der Mehrgefahrenversicherung seien wichtige Bausteine, um die Folgen zunehmender Wetterextreme besser abzufedern. „Wer auch künftig eine verlässliche Versorgung mit regional erzeugten Lebensmitteln will, muss den Betrieben wirtschaftliche Perspektiven geben“, sagte der Bauernpräsident.
