Tatonka hat ein umfängliches Outdoor-Kochset mit Spiritusbrenner im Programm, das wir seit einiger Zeit sporadisch mit auf Reisen nehmen. Hier sind unsere Erfahrungen vom Kochen mit Alkohol. Gleich vorab: Wer hungerbedingt zu übler Laune neigt, sollte jetzt nicht weiterlesen. Denn die spontane Kaltverformung des Tatonka-Alkohol-Kochsets könnte eine mögliche Folge zeitlich ausufernder Freiluft-Koch-Experimente sein. Freunden der langsamen Outdoor-Küche können wir im Folgenden von den Freuden mit der Spirituskochstelle des bayerischen Herstellers berichten.
Zwei skalierte Töpfe mit 1,4 und 1,6 Liter Volumen, eine Pfanne mit 21,5 Zentimeter Durchmesser, die gleichermaßen als Topfdeckel dient, Windschutz, Kochgestell, Alkohol-Brenner samt zweier Deckel und ein Zangen-Handgriff beheimatet der Beutel, in dem das Kochset ausgeliefert wird. Knapp unter 1200 Gramm bringt alles zusammen auf die Waage, der flüssige Brennstoff ist dabei noch nicht eingerechnet. Auffällig ist die hohe Verarbeitungsqualität der Edelstahl-Teile, aber auch des aus Alu gefertigten Kochgestells samt Windschutz. Tatonka unterhält unter anderem für solches Kochgeschirr eine eigene Fabrik in Vietnam und hat damit Arbeitsbedingungen und Güte nach eigenen Angaben maßgeblich in der Hand.
Für längere Abenteuer benutzen wir Benzinflaschen
Das „Multi Set + Alcohol Burner“ – so die offizielle Bezeichnung – lehnt sich in der Machart an das namhafte Trangia-System an, das als Inbegriff für Alkohol-Kocher gilt. Alles passt perfekt ineinander und ist schnell aufgebaut. Kochgestell und Windschutz greifen per Bajonettverschluss ineinander, der befüllte Brenner wird einfach eingesetzt, drei ausklappbare Bügel sorgen für sicheren Stand für Pfannen und Töpfe unterschiedlicher Durchmesser. Die Konstruktion ist so simpel wie stabil.

Wir betreiben den Brenner mit Spiritus. Damit die Flüssigkeit beim Transport nicht ausläuft oder verdampft, liegt ein Deckel mit Dichtung bei. Für längere Abenteuer nutzen wir entweder eine Benzinflasche von Primus oder das mit einem praktischen Ausguss versehene Trangia-Pendant. Eine Brenner-Füllung reicht für etwa 30 bis 40 Minuten Kochzeit. Ein großer Vorteil des Brennstoffs ist, dass man in aller Welt leicht Nachschub bekommt. Ein Nachteil ist der im Vergleich zu Gas oder Benzin relativ niedrige Brennwert.
Warum man Zeit mitbringen muss
Damit wären wir bei dem eingangs erwähnten Problem, das – wenn klar ist, worauf man sich einlässt – eigentlich keines ist: Zum Kochen muss man Zeit mitbringen. Was sich während der Benutzung in der Natur abzeichnet, manifestiert die Stoppuhr in Zahlen. Für einen Liter Wasser braucht der Kocher bei leicht windigen Bedingungen und Temperaturen im unteren zweistelligen Bereich bis zum Siedepunkt satte 20 Minuten. Anfänglich machten sich häufig Zweifel breit, ob der Spiritus noch brennt. Doch mit zunehmender Erfahrung wurde klar, dass solche Bedenken unbegründet sind, denn der effektive Windschutz lässt die Flamme auch unter widrigen Bedingungen lautlos und beinah unsichtbar züngeln. So ruhig haben wir draußen selten gekocht. Selbst akustisch dezente Gaskocher wirken im direkten Vergleich wie eine Turbine.
Die entstehende Hitze ist, wie die Spuren an den Topfböden zeigen, recht punktuell, was gerade beim Anbraten Fingerspitzengefühl erfordert. Bei kleinen Mengen kann man die Mitte wie bei einem Wok frei halten und mehr die Ränder nutzen. Hilfreich ist dabei, dass die Böden leicht nach oben gewölbt sind. Das Material selbst ist unbeschichtet. Das ist gut für die Langlebigkeit, erfordert aber mitunter erhöhten mechanischen Einsatz bei der Reinigung.
Mit dem sogenannten Flame-Adjuster sind wir nicht warm geworden und benutzen den Deckel eher zum Löschen der Flamme als zur Regulierung. Einmal auf dem Brenner platziert, gelingt die Einstellung hitzebedingt nur mit Handschuhen oder geschickter Improvisation mittels Zeltnägeln oder Stöckchen. Wunderbar an kühlen Tagen: Kalte Hände lassen sich ganz vorzüglich an der Alu-Form wärmen, denn die Hitzeentwicklung ist dort moderat.
Wer sich über die konzeptionellen Eigenheiten eines Alkohol-Kochers im Klaren ist, bekommt bei Tatonka gute Qualität fürs Geld. Der Listenpreis für das umfängliche Set liegt bei 120 Euro.
