Konrad Kröterich von Keks ist eine gutmütige, aber ichbezogene Figur. Er meint es nicht böse, doch gegenüber dem Hahn, der die wöchentlichen Treffen der „Anonymen Amigophagen“ leitet, einer Selbsthilfegruppe für Tiere, die genau jene Tiere zu ihren besten Freunden zählen, die zugleich ihre Leibspeisen sind, kann er sich nicht zurückhalten: „Du hast leicht reden! Du frisst ja auch keine Fliegen!“, herrscht er ihn an, bevor er die Versammlung polternd verlässt. Der Kröterich möchte sich nicht belehren lassen. Er muss seine eigenen Erfahrungen machen.

Was könnte noch besser schmecken als eine Fliege? Das ist die Frage, mit der Konrad Kröterich von Keks der Reihe nach alle seine Freunde aufsucht – genauso wie er es bereits im ersten Abenteuer getan hat, das der in Tel Aviv geborene Musiker und Autor Oren Lavie dem Kröterich auf den Leib schrieb. Für „Konrad Kröterich und die Suche nach der allerschönsten Umarmung“ wurde Lavie gemeinsam mit der Illustratorin Anke Kuhl vor zwei Jahren für den deutschen Kinder- und Jugendbuchpreis in der Sparte Kinderbuch nominiert. Der nun erschienene, zweite Band ist analog zum Vorgänger aufgebaut. Die Suche nach der „allerleckersten Mahlzeit“ führt Konrad Kröterich auch diesmal als Erstes zu seiner Freundin, der Giraffe, deren Salat aus trockenen Blättern er „grässlich“ findet. Bei Ratte, Pferd und Bücherlaus schmeckt es nicht besser.
Dass Oren Lavie und Anke Kuhl nicht zum ersten Mal miteinander arbeiten, legt die dramaturgisch geschickt aufgebaute Text-Bild-Komposition nahe. Lavie schreibt immer wieder und offenkundig mit Absicht so, dass Kuhl den Raum bekommt, durch ihre, wie üblich mit dunkler Tusche vorgezeichneten und am Computer colorierten Zeichnungen, eigene Bildgeschichten zu erzählen. Diese ganzseitigen, manchmal wie Comics in kleine Panels unterteilten Bilder zeigen Konrad Kröterich auf einer Suche, die alles andere als eine Vergnügungsreise ist. Missmutig sieht er aus, als er in die Höhle des Maulwurfs hinabsteigt, von der leeren Küche über den Fitnessraum und das Schlafzimmer bis in die Kellerwerkstatt; schreiend läuft er vor den grimmigen Eichhörnchen davon, die ihn mit ihren Nüssen bewerfen; die Wolfsmutter knurrt ihn zum Teufel; die elegante Storchenfamilie verspeist seine Artgenossen.
Am Ende und auch in dieser Dramaturgie bildet „Konrad Kröterich und die Suche nach der allerleckersten Mahlzeit“ eine Fortsetzung, die nahelegt, dass die Bilderbücher über dieses Tier mit seiner ganzen, sehr menschlich anmutenden Obsessivität das Potential haben, sich zu einer Buchreihe auszuwachsen, findet er sein Glück natürlich dort, wo er es nicht gesucht hat. Und er versteht es sogar zu teilen. Nicht nur mit Freddie, der Fliege.
Oren Lavie, Anke Kuhl: „Konrad Kröterich und die Suche nach der allerleckersten Mahlzeit“. Aus dem Englischen von Mathias Jeschke. FischerSauerländer, Frankfurt 2026. 40 S., geb., 17,- €. Ab 4 J.
