
Nach der Wahl ist vor der Wahl: Was für ein Trugschluss! Am Samstag wird der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zwar seine Fachverbände in Baden-Baden bitten, sich für einen der drei deutschen Bewerber um Olympische Sommerspiele und Paralympics in Deutschland zu entscheiden. Aber Berlin scheint aus dem Rennen.
Mit dem Erfolg der Linken am Sonntag beim Kampf um die Plätze im Abgeordnetenhaus verliert das Projekt seine Verlässlichkeit. Der Wahlsieger will ausdrücklich keine Sommerspiele in der Hauptstadt, er weist auf Dringenderes hin und unterstützt die „NOlympia“-Kampagne. Auch die Grünen bekräftigten am Montag ihre Ablehnung.
Selbst wenn es bis zum Samstag keine Regierungsbildung gäbe, wären die Olympiafreunde im DOSB schlecht beraten, gegen Mittag in einem Vabanquespiel auf Berlin zu setzen, auf den Bestand einer Zustimmung des Abgeordnetenhauses vom Mai, das nun Geschichte ist. Das hieße gleichzeitig, München so wie die Rhein-Ruhr-Kampagne mit Köln durchfallen zu lassen, ein für alle Mal. Beide Kandidaten wissen nicht nur die Landesregierungen hinter sich, eine quasi überparteiliche Unterstützung. Auch die Bürger wollen die Spiele, jeweils rund 66 Prozent.
Schnitten die Konkurrenten besser ab?
Die Berliner Spitzensportler werden trotz der miesen Lage nicht aufgeben und sich dem Votum am Samstag stellen. Das nennt man Sportsgeist. Schließlich hat das Konzept einen guten Eindruck hinterlassen. Das Management bewies seine Kompetenz auf hohem Niveau. Und doch schnitten die Konkurrenten nach Informationen der F.A.Z. besser ab.
Das ist zumindest das Ergebnis einer komplexen Evaluierung des DOSB, die am Dienstagabend veröffentlicht werden soll. Ob sich die Delegierten der Spitzenverbände bei der Abstimmung überwiegend daran stören würden? Das ist fraglich, weil Berlin Aspekte zu bieten hat, die über eine Bewertung in Detailfragen hinausreicht.
Wer, wie Sport und Politik, Sommerspiele in Deutschland (frühestens) 2036 als „nationale Sache“ verkauft, käme mit Berlin als Einigungsfaktor besser an als mit Köln oder München. Wer zudem das eigentliche Endspiel im Blick hat, die Chance der Deutschen, den Zuschlag für die Sommerspiele von den Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zu bekommen, hätte Berlin in die Poleposition stellen müssen.
Auch das ist ein – keineswegs überraschendes – Resultat der Evaluierung: Die größte internationale Strahlkraft geht von der Hauptstadt aus. Am Sonntag ist also etwas verloren gegangen in Berlin, das Olympiafans im Land trifft. Und weder München noch Rhein-Ruhr mit Köln haben deshalb etwas gewonnen.
