
Als Oliver Baumann auf verlorenem Posten stand
Nagelsmanns Griff in die Mottenkiste der Nationalmannschaft schien auch Oliver Baumanns Namen in die lange Liste der deutschen WM-Verlierer zu drängen. Auf einmal klebte die „1“ wieder auf Manuel Neuers Klamotten, Baumann bekam zu seiner „1“ eine „2“ hinzu. Als zuvor alle Fußballwelt schon von der Rückkehr des alten Neuer zu wissen schien, stand der degradierte Baumann vor einer Fernsehkamera auf verlorenem Posten.
Baumanns Reaktion macht ihn jedoch zu einem deutschen WM-Gewinner, womöglich gar zum größten unter wenigen. Trotz der großen persönlichen Enttäuschung über die Rückversetzung inklusive Kommunikationsdesaster bekannte sich der Torwart sofort zur Mannschaft. In zwei Testspielen, als Neuers Wade die Lage verzwickt machte, und im Training, soweit von außen zu beobachten, blieb er tadellos. Wer seinen Einsatz an der Seitenlinie gegen Paraguay sah, erkannte, dass sich da einer, obwohl er einigen Grund gehabt hätte, keineswegs in den tiefsten Schmollwinkel zurückzog.
Diesen Eindruck bestätigte Baumann nach der Rückkehr aus dem Urlaub. Er sprach im Hoffenheimer Trainingslager über ein Telefonat mit Nagelsmann. Dass es geführt wurde, war ihm wichtig, dass es in aller Ruhe geführt wurde, auch. Schon das sagt viel über Baumann, genau wie die Tatsache, dass er kaum Details aus dem vertraulichen Gespräch verriet.
Aber er ließ durchblicken, dass das Thema für ihn „sauber erledigt“ sei. Das Verhalten von Sportsmann Baumann ist auch ein Signal: allgemein an alle, die Fußball viel zu oft als Einzelsportart sehen. Und an Bundestrainer Jürgen Klopp. Ganz gleich, für welche Nummer eins er sich nun entscheidet: Auf einen Charakter wie Oliver Baumann kann er bauen, egal in welcher Rolle.
