Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) rechnet nicht mit einer baldigen Erholung der niedrigen Wasserstände im Bodensee. Nach Einschätzung der Behörde müssten die Niederschläge im Herbst und Winter »deutlich über dem für diese Jahreszeit üblichen Niveau liegen«, damit sich die Wasserstände nachhaltig erholen können.
Der Bodensee hat in diesem Jahr außergewöhnlich wenig Wasser bekommen. Aktuell liegt der Pegelstand in Konstanz bei 248 Zentimetern – rund 89 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel für diesen Zeitpunkt, wie es im Lagebericht des Niedrigwasser-Informationszentrums hieß.
Grund für die angespannte Lage sind laut LUBW mehrere Faktoren. Im vergangenen Winter sei in den Alpen vergleichsweise wenig Schnee gefallen. Damit fehlte im Frühjahr Schmelzwasser, das über den Alpenrhein in den Bodensee gelangt. Hinzu kamen geringe Niederschläge und eine hohe Verdunstung in den warmen Monaten. Auch der September war in Baden-Württemberg ungewöhnlich trocken. Nach vorläufigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes fielen in dem Bundesland lediglich rund 19 Liter Regen pro Quadratmeter – nur etwa 27 Prozent des langjährigen Septembermittels.
Die niedrigsten Wasserstände erreicht der Bodensee üblicherweise erst im Winter. In der zweiten Jahreshälfte gelangt weniger Wasser in den See. Im Spätsommer gehen die Zuflüsse zurück. Ein großer Teil des Niederschlags fällt im Herbst und Winter als Schnee.
Klimawandel beeinflusst den Bodensee
Laut aktuellen Vorhersagen werde der Wasserstand in den kommenden Tagen leicht ansteigen. Es bleibe insgesamt aber zu trocken. Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldete Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes. An der deutsch-schweizerischen Grenze wurde die Schifffahrt wegen des niedrigen Pegelstands in der vergangenen Woche teilweise eingestellt.
Wie schnell sich der Bodensee wieder füllt, lässt sich laut LUBW derzeit nicht vorhersagen. Viel Regen könne kurzfristig für Entspannung sorgen. Für das kommende Frühjahr sei zusätzlich entscheidend, wie viel Niederschlag im Winter im alpinen Einzugsgebiet als Schnee gespeichert werde und später als Schmelzwasser in den Bodensee gelange.
Sicher ist jedoch laut LUBW, dass der Klimawandel langfristig die Bedingungen im Bodenseeraum verändert. Steigende Temperaturen beeinflussen unter anderem Schnee- und Schmelzprozesse im alpinen Einzugsgebiet. Die LUBW betont aber, dass Extremwasserstände in beide Richtungen möglich sind – von Hochwasser bis zu extremem Niedrigwasser. Dass der See derzeit außergewöhnlich wenig Wasser führt, bedeutet demnach nicht, dass der Bodensee künftig austrocknen wird.
