
Noch steht die endgültige Entscheidung aus. Die Stadtverordneten von Nidda müssen erst noch ihren Beschluss fassen. Die Frage lautet: Soll die Stadt die vertragliche Zusammenarbeit mit dem Investor Interspa zum Bau einer neuen Therme und eines Hotels im Stadtteil Bad Salzhausen aufkündigen? Wenn die ehrenamtlichen Stadtpolitiker dem Magistrat folgen, werden sie diese Frage mindestens mehrheitlich bejahen. Mit einem solchen Votum ist zu rechnen. Es käme in jedem Fall einem Rückschlag für Hessens kleinsten Kurort gleich.
Die Spitze der Stadtverwaltung beruft sich für ihren Beschluss auf nicht eingehaltene Vorgaben. Die sich aus dem Vertrag mit Interspa ergebende Frist für eine Baugenehmigung sei nicht eingehalten worden. Auch habe sich keine tragfähige Lösung abgezeichnet, die ohne eine weitere Kostenbeteiligung der Stadt verwirklicht werden könnte. Mit der Notbremse will der Magistrat nach eigenen Angaben die Interessen der Stadt und ihrer Bürger wahren. Dazu gehöre, Bad Salzhausen als Gesundheits-, Kur- und Erholungsstandort nachhaltig weiterzuentwickeln.
Baulicher Stillstand auf einem Filetstück in Bad Salzhausen
In der Sache geht es schon seit Monaten nicht voran. Projektentwickler und die zuständige Bauaufsicht in Büdingen haben sich ineinander verhakt. Beide Seiten haben sich wechselseitig die Verantwortung für den ärgerlichen Stillstand zugeschoben. Wer von beiden recht hat, ist von außen nicht zu beurteilen. Letztlich sitzt die Behörde am längeren Hebel: Ohne sie wird in Bad Salzhausen in Nachbarschaft des Kurhaushotels nichts gebaut.
Der Stillstand auf der Thermen-Baustelle ist aus mehreren Gründen ärgerlich. So bauen Arbeiter den 52 Hektar großen Kurpark um und werten ihn auf. Bald erscheint etwa die Trinkkuranlage buchstäblich in neuem Glanz. Grund ist die Landesgartenschau Oberhessen 2027. Sie wird am 22. April eröffnet. Doch von der Idee, bis dahin eine neue Therme nebst Hotel zu haben, musste sich der Kurort schon im Winter verabschieden. Nun droht für längere Zeit eine hässliche Baustelle auf einem Filetstück.
Dessen ungeachtet ist das Kurhaushotel in neue Hände übergegangen. Mit frischen Ideen auch rund um Gesundheitsangebote wollen die Inhaber neue Gäste in den Ort in der Wetterau locken. Teils gelingt das schon. Die alte Minigolf-Anlage weicht einem Kneipp-Erlebnispark. Zudem ist von einem neuen Wohnprojekt in einer seit Längerem leer stehenden Immobilie die Rede. Einiges geht in Bad Salzhausen also in die richtige Richtung.
Dazu gehören die Vorgänge um die Liebig-Therme eindeutig nicht. Dies ist besonders misslich. Denn dieses Gesundheitsbad ist für viele Gäste in der Vergangenheit der wesentliche Grund für einen Besuch des Orts gewesen. Längst nicht jedem Besucher genügt ein Spaziergang durch den Kurpark mit anschließender Visite im sehenswerten Skulpturenpark hinter dem Kurhaushotel. Anders gesagt: Bad Salzhausen braucht auf Dauer einen Nachfolgebau für die Therme mit einem verlockenden Angebot. Die Stadt muss ihr Versprechen einlösen, den Gesundheits-, Kur- und Erholungsstandort nachhaltig weiterzuentwickeln. Und zwar möglichst bald.
