Rund zwei Tage nach dem dramatischen Hauseinsturz in der sächsischen Stadt Görlitz ist in den Trümmern die Leiche einer Frau gefunden worden. Es handle sich um die zuvor vermisste 25 Jahre alte rumänische Touristin, sagte eine Sprecherin der Polizei. Nach den beiden anderen Vermissten werde weiterhin gesucht.
Einsatzkräfte fanden die verschüttete Person mit Hilfe eines Spürhunds am Mittwoch gegen 22.30 Uhr in den Trümmern, wie die Sprecherin in der Nacht schilderte. Daraufhin wurden die Arbeiten zunächst gestoppt. Ein Notarzt stellte den Tod fest, woraufhin die Leiche geborgen wurde. Die Kriminalpolizei habe Spuren gesichert und ermittle.
Die Suche nach beiden weiteren Vermissten ging in der Nacht weiter. Spürhunde sollen helfen, sie zu finden. Sie hätten schon an mehreren Stellen angeschlagen, berichtete die Sprecherin. Seit 4.30 Uhr werde gezielt an zwei Stellen gesucht.
Das Haus, in dem sich laut Polizei Miet- und Ferienwohnungen befanden, war am Montagabend aus bislang ungeklärter Ursache eingestürzt. Daraufhin wurden zunächst fünf Menschen vermisst, bei zwei von ihnen war der Aufenthalt bereits nach wenigen Stunden geklärt – die beiden Feriengäste befanden sich noch auf der Anreise.
Weiterhin zwei Vermisste
Nun gelten noch eine weitere rumänische Touristin im Alter von 26 Jahren und ein 48 Jahre alter Mann mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit als vermisst. Nach ihnen wurde unermüdlich gesucht, teils arbeiteten sich die Einsatzkräfte auch mit Schaufeln und bloßen Händen durch den Trümmerberg.

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Dazu teilte das Technische Hilfswerk (THW) mit: „Die sogenannte „goldene Rettungszeit“ liegt meist in den ersten 24 bis 72 Stunden – in diesem Zeitraum sind die Überlebenschancen am höchsten“, erklärte Andrea Wirth vom THW-Landesverband Sachsen, Thüringen.
Beim Bergen von Trümmerteilen waren auch mehrere Radlader, Bagger und Kräne im Einsatz. Die Belastung für die Einsatzkräfte selbst war hoch. Es gebe viel Staub, die ganze Zeit müsse mit Schutzmasken gearbeitet werden, sagte der Sprecher der THW-Einsatzleitung Daniel Hofmann.
Ursache weiter unklar
Die genaue Ursache des Unglücks steht nach wie vor nicht fest. „Aber es sieht nach einer Gasexplosion aus“, sagte der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU). Wenige Stunden nach dem Zusammensturz des Gründerzeithauses wurde nach Polizeiangaben ein Gasleck gefunden.
Dies erschwerte auch die Arbeit der Einsatzkräfte, weil vermutet wurde, dass unter den Trümmern Gas austrat. In der Nacht zum Mittwoch waren die Gasleitungen rund um die Unglücksstelle vollständig geleert worden. Dadurch sei die Explosionsgefahr geringer, und die Arbeiten seien weniger gefährlich geworden, sagte eine Polizeisprecherin.
Die Suche war währenddessen aus Sicherheitsgründen unterbrochen worden. Trotz der geleerten Gasleitungen kann es der Sprecherin zufolge noch Hohlräume mit Gas geben.
Von dem Haus ist nicht mehr viel zu erkennen. „Die Trümmer stapeln sich ungefähr bis zur zweiten Etage. Und es ist tatsächlich ein Schutthaufen, wie man ihn sich vorstellt auf einem großen Abriss“, sagte Hofmann vom THW.
Östlichste Stadt Deutschlands
Das eingestürzte Gründerzeithaus stand in der James-von-Moltke-Straße in der Nähe des Görlitzer Bahnhofs. Der Bereich um das Haus wurde nach dem Einsturz weiträumig evakuiert und abgesperrt.
