
Neues Modell, neues Glück: Der baden-württembergische Lufttaxi-Entwickler Volocopter präsentiert ein neues Fluggerät. Es ist die Weiterentwicklung des Modells „Volo2x“, mit dem das Unternehmen bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris eigentlich erstmals Passagiere transportieren wollte; am Ende ist es aber nur zu Demonstrationsflügen am Schloss Versailles abgehoben. Das neue Luftfahrzeug „VoloXPro“ ist ein elektrisch angetriebener Ultraleicht-Multikopter mit 18 Rotoren, der neben dem Piloten einen Passagier befördern kann. Zielgruppen in Europa sind nach Unternehmensangaben vor allem Privatflieger, aber auch Betreiber von Rundflügen und Flugschulen, die mit dem Fluggerät Multikopter-Ausbildungen anbieten sollen.
Volocopter hofft, dass der deutsche Ultraleichtflugverband dem Multikopter bis Ende dieses Jahres die Erlaubnis zum Flugbetrieb gibt – parallel zu weiteren Zulassungsverfahren in anderen europäischen Ländern. Das Unternehmen hat wie andere Unternehmen vor allem aus China die Vision, dass solche Fluggeräte in naher Zukunft den Verkehr in Großstädten emissionsfrei entlasten.
Vor eineinhalb Jahren in Paris wollte Volocopter gemeinsam mit der Pariser Flughafengesellschaft ADP als Betreiber den Beweis liefern, dass das kein Science-Fiction-Traum ist: Geplant waren ein regelmäßiger Shuttleverkehr und touristische Rundflüge. Geklappt hat das nicht, weil die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) das Vorgängermodell der nun präsentierten Version nicht zertifiziert hat.
Volocopter strebt nun eine Lizenz für Ultraleicht-Flugeräte an
Nun soll das Fluggerät als Ultraleicht-Fluggerät die Lizenz erhalten. „Mit dem Ultraleicht‑VoloXPro wird elektrisches Multicopter‑Fliegen auf dem Sicherheitsniveau eines Passagierflugzeugs für Privatkunden und gewerbliche Betreiber möglich“, sagt Volocopter-Technikchef David Bausek. Die Zulassung für asiatische Märkte wie China und Saudi-Arabien ist für 2027 geplant; dort soll der Multikopter dann auch zur gewerblichen Beförderung von Passagieren eingesetzt werden, etwa von außer der Stadt liegenden Flughäfen in die Innenstädte großer Metropolen. Das Fluggerät hat ohne Aufladen eine Reichweite von 40 Kilometern bei einer Reisegeschwindigkeit von 70 Kilometern in der Stunde.
Das Unternehmen hat das neue Modell zur Luftfahrtmesse Aero in Friedrichshafen am Bodensee vorgestellt, ist dort aber nicht zu sehen gewesen. Nach Unternehmensangaben ist der Prototyp am Stammsitz von Volocopter im badischen Bruchsal andauernd für Testflüge in der Luft, um die Zertifizierung nicht zu gefährden. Gezeigt hat Volocopter auf der Aero das größere Modell Volocity, das bei höherer Zuladung ebenfalls einen Passagier befördern kann. Dieser Multikopter ist seit mehr als zwei Jahren in der Luft und soll bis Ende 2027 von der Easa zertifiziert werden.
Starten sollen die Multikopter in den Innenstädten großer Metropolen von sogenannten Vertiports, also speziell auf Flugtaxis ausgerichteten Start- und Landeplätzen. „Die Lautstärke ist dabei auch in dicht bevölkerten Städten kein Problem, die Lufttaxis sind nicht lauter als 65 Dezibel“, erläutert Entwicklungsingenieur Dilli Babu Mohan am Volocopter-Stand in Friedrichshafen. Die Kosten belaufen sich nach Angaben des Ingenieurs auf rund eine Million Euro für das Volocity-Modell und auf rund eine halbe Modell für das Modell „VoloXPro“.
Das baden-württembergische Start-up gehört seit gut einem Jahr zum Autozulieferer Wanfeng. Nachdem Volocopter Ende 2024 in die Insolvenz gerutscht war, übernahm der chinesische Autozulieferer Volocopter über seine österreichische Tochtergesellschaft Diamond Aircraft. Auch der chinesische Staat ist an Volocopter beteiligt: Während Wanfeng die Mehrheit an dem Flugzeughersteller Diamond Aircraft gehört, halten Investmentfonds der Volksrepublik rund 45 Prozent.
