
Am Sonntag sind zwei amerikanische Militärflugzeuge vom Typ EA-18G Growler bei einer Vorführung im Rahmen der Gunfighter Airshow auf der Mountain Home Air Force Basis im Bundesstaat Idaho zusammengestoßen. Beide Flugzeuge stürzten ab. Den Piloten und den weiteren Crewmitgliedern an Bord der Jets gelang es, sich nach der Kollision mit den Schleudersitzen zu retten. Nach ersten Informationen überlebten alle vier Beteiligten den Crash und die Landung am Fallschirm.
Die EA-18G ist eine spezielle Version des zweistrahligen Kampfjets F/A-18. Sie dient der elektronischen Kriegsführung und ist mit speziellen elektronischen Störsystemen ausgerüstet. Die Crews der beiden Flugzeuge treten unter dem Namen „Vikings“ bei Airshows in den Vereinigten Staaten auf.
Erst im Dezember 2025 war bei einer Trainingseinheit des Kunstflugteams der amerikanischen Air Force ein einsitziger Lockheed-Martin F-16C-Jet abgestürzt. Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten. Da bei einem derartigen Ausschuss mutmaßlich bei mehr als 400 Kilometern pro Stunde etwa das 15-fache des Körpergewichts auf einen Piloten einwirkt, wird er anschließend vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht.
Der Absturz der beiden Flugzeuge in Idaho ist der vierte Unfall von Militärjetformationen innerhalb von drei Jahren. Im Mai 2025 berührten sich drei Flugzeuge der italienischen Formation „Frecce Tricolori“ in der Luft. Alle konnten landen, eines der Flugzeuge rutschte aber nach der Landung auf Sizilien von der Landebahn und wurde schwer beschädigt. Bereits am 16. September 2023 war ebenfalls ein Militärjet der „Frecce Tricolori“ nahe Turin abgestürzt. Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz befreien. Am Boden wurde aber eine Fünfjährige getötet, und ihr Bruder und die Eltern wurden schwer verletzt, als sie, im Auto fahrend, vom Wrack des Flugzeugs getroffen wurden.
Formationsmanöver bergen immer ein Risiko
Das Risiko fliegt bei derartigen Formationskunstflugmanövern mit Jets immer mit. Dabei werden ohnehin nur die jeweils talentiertesten Militärpiloten eines Landes in deren nationale Jet-Kunstflugstaffeln aufgenommen. Das sind etwa die französische „Patrouille de France“, die italienischen „Frecce Tricolori“, die amerikanischen „Blue Angels“ und „Thunderbirds“, in der Schweiz die „Patrouille Suisse“ und in England die „Red Arrows“. Deutschland hat seit der Katastrophe von Ramstein 1988 bei einer Flugshow der „Frecce Tricolori“ mit 70 Toten sowie Hunderten Verletzten keine militärische Kunstflugstaffel mehr.
Wetter, Sichtverhältnisse, Turbulenz, Topographie des Fluggebiets, Wolkenuntergrenze, möglicher Vogelschlag, persönliche Verfassung des Piloten – all das lässt sich bei solchen Formationskunstflügen nicht zu 100 Prozent vorausbestimmen. Dazu kommt die hohe Anspannung bei allen Piloten, denn sie fliegen in minimalem Abstand bei hohen Geschwindigkeiten von 600 Kilometern pro Stunde und mehr. Und das nicht geradeaus, sondern in gemeinsamen Loopings, Rollen und steilen Kurven, oft verbunden mit Positionswechseln. Als Pilot einer Jetformation im Kunstflug spielen Multitaskingfähigkeit, Belastbarkeit und gute Nerven eine wichtige Rolle. Was für die Zuschauer am Boden leicht und elegant aussieht, ist mit viel Arbeit und intensivem Training verbunden, um eine sichere und dennoch spannende Show zu bieten.
Trotz bestem Trainingsstand, perfektem Flugwetter und größten Sicherheitsvorkehrungen kommt es daher immer wieder zu Unfällen. Das britische Kunstflugteam der Royal Air Force etwa, die „Red Arrows“, besteht bereits seit 1965. Seither kam es zu einigen Unfällen, bei denen insgesamt 17 Flugzeuge verunglückten. Acht Piloten und ein mitfliegender Mechaniker kamen ums Leben. Knapp die Hälfte der verunglückten Piloten konnte sich mit dem Schleudersitz retten. Allein fünf der Unfälle waren Zusammenstöße von Teammitgliedern in der Luft. Dabei gelten die „Red Arrows“ als eines der besten Jetformationsteams der Welt.
Beim 1946 gegründeten Jetkunstflugteam der U.S. Navy, den „Blue Angels“, kamen im Laufe der Jahrzehnte ebenfalls schon mehrere Piloten bei Unfällen ums Leben – wie auch beim seit 1953 fliegenden Jetteam der U.S. Air Force, den „Thunderbirds“.
