
Die Bestellung von 16 neuen militärischen Transportflugzeugen vom Typ A400M für die Bundeswehr rückt näher. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) teilte am Dienstag in Bremen mit, derzeit „sehr konkret“ darüber nachzudenken, logistische Flugzeuge durch neue taktische zu ersetzen. Es gebe dazu „sehr gute“ Gespräche mit Airbus, dem Hersteller des A400M.
Die Militärtransporter würden jenen Teil der insgesamt 53 Maschinen in der Bundeswehr-Flotte ersetzen, die nicht auf dem neuesten taktischen Einsatzstandard bestellt worden waren. Die neuen A400M sollen darüber verfügen und somit mehr sein als logistische Flugzeuge. Das schließt Infrarot-Störsender zur Abwehr gegnerischer Lenkflugkörper ein.
Laut Airbus verbindet der viermotorige A400M die Fähigkeiten eines taktischen und eines strategischen Transportflugzeugs. Er könne mit schwerer und sperriger Fracht auf kurzen, unbefestigten Behelfspisten landen, im Tiefflug operieren sowie bis zu 116 Fallschirmjäger oder 25 Tonnen Fracht über Zielgebieten absetzen. Größere Bekanntheit erlangte der A400M, als er in Frankreich diesen Sommer erstmals als Löschflugzeug eingesetzt wurde. Airbus hat dafür ein herausnehmbares Löschmodul entwickelt.
Ein wichtiger Fertigungsanteil entfällt auf Bremen
Auch die militärischen Fähigkeiten sollen erweitert werden. So teilte Airbus vor wenigen Monaten mit, an der Umrüstung des Flugzeugs zu einem Träger- und Startsystem für Marschflugkörper und Drohnen zu arbeiten. Schon heute kann der A400M auch andere Flugzeuge in der Luft betanken oder selbst betankt werden.
Für Airbus wäre die Bestellung ein wichtiges Signal, profitiert der Konzern mit seiner in Bayern sitzenden Rüstungssparte doch bislang nicht übermäßig von der Aufstockung des deutschen Wehretats. Das Auftragsvolumen für die neuen A400M wird inklusive weiterer Vereinbarungen auf rund 3,6 Milliarden Euro geschätzt.
Die Auslieferung würde voraussichtlich in den Jahren 2029 bis 2032 erfolgen. Endmontiert wird der A400M in Sevilla, die Produktion ist aber über viele Länder verteilt. Ein wichtiger Fertigungsanteil entfällt auf Bremen. Dort wird nicht zuletzt der Rumpf entwickelt und zu großen Teilen montiert.
Die im Frühjahr ausgelieferte 53. Maschine hat die ursprüngliche Bestellung für die Bundeswehr komplettiert. Frankreich hatte im Jahr 2013 den ersten A400M erhalten, Deutschland Ende 2014. Insgesamt hat Airbus bislang 140 Stück an zehn Staaten ausgeliefert. Der A400M war unter anderem an Evakuierungsmissionen in Afghanistan, Sudan und Niger beteiligt und hat in Deutschland alte Transall-Maschinen abgelöst. Pistorius nannte ihn am Dienstag das „beste Flugzeug seiner Art“.
Bis ins Jahr 2032 ausgelastet
Dabei war seine Entwicklung alles andere als glanzvoll. Mehrfach verzögerte sich die Indienststellung und stiegen die Kosten. Immer wieder gab es technische Pannen, vor allem bei den Triebwerken wurden neue Mängel bekannt. Der Absturz eines A400M bei einem Testflug nahe Sevilla kostete vier der sechs Besatzungsmitglieder das Leben. Noch vor dem Erstflug wäre das im Jahr 2003 gestartete Programm gar fast eingestellt worden, da Airbus die Produktion zu den vereinbarten Kosten nicht garantieren konnte.
Zuletzt war es dann ruhiger geworden um den A400M. Airbus hat gleichwohl wiederholt angemahnt, dass die Produktion nach dem Abarbeiten des bestehenden Auftragsbestands auslaufen könnte. Mit anderen Worten: Ohne ausreichend neue Bestellungen könnte das Programm enden.
„Wir müssen in Sevilla eine Produktionsrate von acht Flugzeugen pro Jahr aufrechterhalten, damit das industrielle System des A400M bestehen bleibt“, hatte Jean-Brice Dumont, Leiter des Geschäftsbereichs Militärflugzeuge bei Airbus, vergangenes Jahr der französischen Zeitung „La Tribune“ gesagt. Frankreich und Spanien haben sich kurz darauf mit Airbus darauf verständigt, die Auslieferung von sieben bestellten Maschinen vorzuziehen.
Mit den weiteren 16 A400M für die Bundeswehr wäre die Produktion bis ins Jahr 2032 ausgelastet. Gespräche mit weiteren möglichen Kunden laufen, darunter Italien. Die italienische Luftwaffe möchte dem Vernehmen nach bis zu 14 Exemplare erwerben, um ältere C-130J des amerikanischen Herstellers Lockheed Martin zu ersetzen. Auch in Polen, Dänemark und im Nahen Osten gibt es Interesse an dem Militärtransporter, dessen Entwicklung auch damit begründet wurde, die Abhängigkeit von Amerika zu verringern.
