Herr Schmal, Sie halten selbst Milchkühe. Welchen Preis erzielen Sie aktuell für einen Liter Milch?
Die Auszahlungspreise unterscheiden sich je nach Molkerei und Region. Derzeit bewegen sich die Erzeugerpreise der Molkereien bundesweit in einer Größenordnung von rund 31 bis 40 Cent je Kilogramm Milch.
Das ist weit weniger als in der Vergangenheit, oder?
Vor einem Jahr lagen die Milchpreise noch deutlich höher. In vielen Regionen wurden 2025 noch Preise von mehr als 50 Cent je Kilogramm Milch erzielt. Seitdem hat sich der Markt spürbar abgeschwächt.
Ausschlaggebend sind vor allem gestiegene Milchmengen in Deutschland, aber auch in Europa und weltweit. Die Blauzungenkrankheit hat im vergangenen Jahr dazu geführt, dass es weniger Kälber und damit auch weniger Milch gab, das war ab dem Herbst dann umgekehrt. Das größere Angebot trifft nun jedoch auf eine eher verhaltene Nachfrage. Dadurch geraten die Märkte für Milch und Milchprodukte unter Druck. Das spiegelt sich letztlich in sinkenden Erzeugerpreisen wider.

Was bedeutet das für die wirtschaftliche Lage der Betriebe?
Die Entwicklung belastet viele Milchviehbetriebe. Die Produktionskosten bleiben hoch, etwa für Arbeit, Gebäude, Technik und Tierhaltung. Sinkende Milchpreise schmälern die Einkommen und reduzieren die Spielräume für Investitionen. Es gibt aber große Unterschiede zwischen den Betrieben, abhängig von Kostenstruktur, Flächenausstattung und Vermarktungswegen.
Wie wirkt sich der lange heiße Sommer auf die Milchproduktion aus?
Hohe Temperaturen belasten die Kühe und führen häufig zu geringeren Milchleistungen. Seit der ersten Hitzeperiode im Juni dieses Jahres ist die Milchmenge in Deutschland erheblich gesunken.
Wird durch die Hitze auch das Futter knapper?
In einzelnen Regionen berichten Betriebe schon jetzt von akuter Futterknappheit. Das kann sich längerfristig auf die Milchmengen auswirken.
Noch gibt es aber eher zu viel Milch. Der Chef der Schwälbchen-Molkerei beispielsweise sagte kürzlich im Hessischen Rundfunk, dass er verpflichtet sei, den Bauern die komplette Milchmenge abzunehmen, und kaum wisse, wohin damit. Ist das bei anderen Molkereien auch so?
Viele Molkereien sind genossenschaftlich organisiert. Dort gehört die vollständige Abnahme der Milch der Mitglieder zum Grundprinzip. Die konkreten Regelungen unterscheiden sich allerdings zwischen den Unternehmen und den jeweiligen Lieferverträgen.
Profitieren die Verbraucher davon durch günstigere Butter, Sahne und Joghurts?
Teilweise sind die Verbraucherpreise etwas niedriger als im Vorjahr, abhängig vom jeweiligen Produkt. Hierbei ist es jedoch wichtig zu betonen, dass weder Landwirte noch Molkereien Einfluss auf die Verkaufspreise im Lebensmitteleinzelhandel haben. Der legt die Preise fest.
Welche Rolle spielt die wachsende Bedeutung von Milchersatzprodukten wie Hafermilch?
Pflanzliche Alternativen haben sich als zusätzliches Marktsegment etabliert und sprechen bestimmte Verbrauchergruppen an. Die Absätze sind im Vergleich zu Milchprodukten jedoch deutlich geringer und stagnieren derzeit. Der klassische Milchmarkt wird jedoch weiterhin deutlich von Kuhmilch und daraus hergestellten Produkten geprägt. Für die meisten Milchviehbetriebe in Hessen stellen Milchersatzprodukte derzeit keinen entscheidenden Faktor für die Preisentwicklung dar.
Hilft der Export bei zu hohen Milchmengen?
Das hängt von der Situation in anderen Ländern und dem Weltmarkt ab. In Zeiten, in denen exportorientierte Länder, beispielsweise durch ungünstige Wetterbedingungen, weniger Milch produzieren, kann der Export den Milchabsatz aus Deutschland heraus unterstützen. Das hängt ganz von der Versorgungssituation auf dem Weltmarkt ab.
Was geschieht mit der überschüssigen Milch?
Überschüssige Mengen werden häufig zu haltbaren Produkten wie Käse, Butter, Milchpulver oder weiteren Milchprodukten verarbeitet. Insbesondere Milchpulver kann über längere Zeit gelagert und auf internationalen Märkten vermarktet werden. Dadurch lässt sich ein Teil der Mengenschwankungen ausgleichen.
Zur Person
Karsten Schmal bewirtschaftet mit seinem Sohn in Waldeck-Sachsenhausen, in der Nähe des Edersees, einen Milchviehbetrieb mit 220 Kühen und 240 Hektar landwirtschaftlicher Fläche für Futterbau. Seit 2015 ist er Präsident des Hessischen Bauernverbands. Außerdem ist der Landwirt seit 2018 Vizepräsident des Deutschen Bauernverbands und Vorsitzender des Fachausschusses Milch.
