
Nicht auszudenken, Theo Müller hätte den Eilantrag gegen die Kampagnenorganisation Campact im Februar dieses Jahres durchgesetzt. Dann dürfte diese jetzt nicht mehr behaupten, der Molkereiunternehmer unterstütze die AfD. Sie dürfte keine Plakate mit dem Satz „Jetzt mit AfD-Geschmack: Konzerngründer Theo Müller unterstützt die rechtsextreme AfD“ aufhängen und müsste Slogans wie „Alles AfD oder was? Konzerngründer Theo Müller unterstützt die rechtsextreme AfD“ unterlassen.
Er sei kein AfD-Mitglied und wolle auch keines werden, er habe die Partei zu keinem Zeitpunkt unterstützt und niemals Geld gespendet, trug Müllers Anwalt in dessen Namen vor und forderte per einstweiliger Verfügung Unterlassung. Das Landgericht Hamburg meinte indes, man dürfe Müller sehr wohl als AfD-Unterstützer bezeichnen (Az. 324 O 81/26). Es reiche aus, „dass der als ,Unterstützer‘ Bezeichnete“ der Partei gegenüber „eine nicht ablehnende Haltung“ aufweist.
„Gratuliere zum sensationellen Erfolg!“
Und siehe da: Das Landgericht behält recht (und Campact auch). Denn wie glühend hat sich Theo Müller doch jetzt im Interview mit der „Welt am Sonntag“ über den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt gefreut. „Gratuliere zum sensationellen Erfolg!“, schrieb er seiner Freundin Alice (Weidel). Die Bürger von Sachsen-Anhalt hätten „ein Signal an das ganze Land gesendet: Mit der bisherigen Politik kann es so nicht weitergehen“. Nicht mit der Schuldenmacherei, nicht mit den Migranten, nicht mit der Unterstützung der Ukraine („Es ist nicht unser Krieg“), nicht mit der Koalition mit der SPD. Stattdessen brauche es eine Minderheitsregierung der Union mit Unterstützung der AfD: „Schwarz und Blau. Dann wäre Deutschland bald saniert.“
So stellt sich der Milchmogul, der nicht als Unterstützer der AfD bezeichnet werden will und in der Schweiz am Zürichsee lebt, die Zukunft Deutschlands vor. Hat die Kampagne von Campact, hat seine, sagen wir mal, intime Nähe zur AfD seinem Konzern geschadet? „2025 war unser bestes Jahr“, sagt Müller im Gespräch mit der WamS. Da fiel ein Jahresumsatz von (nach eigenen Angaben) 10,3 Milliarden Euro an. „2026 wird voraussichtlich noch besser.“ Protestaktionen wie die von Campact scheinen sich erschöpft zu haben. Für Milch „mit AfD-Geschmack“ gibt es offenbar einen wachsenden Markt.
