
Gegen den Massenansturm an der Grenze der Nordafrika-Exklave Ceuta setzt Spanien Soldaten ein. Sie sollen dort die völlig überforderte Polizei unterstützen, hieß es am Donnerstagabend aus dem Büro des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez, der am Freitag nach Ceuta fliegen will. Nachdem in der vorigen Woche schon mehr als tausend Menschen schwimmend auf die spanische Seite gelangt waren, sollen es laut Presseberichten am Donnerstag mehrere Tausend gewesen sein. Der Fernsehsender RTVE meldete zwischen 2000 und 3000 Personen. Die Nachrichtenagentur EFE berichtete, dass Migranten auch über den Grenzzaun geklettert seien. Laut Pressberichten wurden innerhalb von 24 Stunden zehn Ertrunkene geborgen.
Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas, hatte neben dem Einsatz der Armee gefordert, den nationalen Notstand zu verhängen und Soldaten zu entsenden. Der konservative Oppositionsführer Alberto Nuñez Feijóo (PP) sprach von einer „Krise der nationalen Sicherheit“ und verlangte ein Eingreifen der Regierung. Die EU bot die Unterstützung durch die Grenzschutzagentur Frontex an.
Migranten sollen schnell zurückgeschickt werden
Marokko machte „kriminelle Organisationen“ verantwortlich und betonte, dass die Zusammenarbeit mit Spanien in Migrationsfragen „vorbildlich“ sei, wie die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf diplomatische Quellen in Madrid meldete. Die Regierungen beider Länder vereinbarten demnach, die illegal in Spanien eingedrungenen Migranten so schnell wie möglich zurückzuschicken.
Aus dem spanischen Innenministerium hieß es, dass man aus Madrid engen Kontakt zu den Behörden in Marokko halte. In der Vergangenheit hatte Marokko Migranten als politisches Druckmittel gegen Spanien eingesetzt. Im Mai 2021 ließ die marokkanische Grenzpolizei zu, dass mehr als 8000 Marokkaner nach Ceuta strömten. Dieses Mal hatten jedoch marokkanische Sicherheitskräfte versucht, Migranten zu stoppen.
Als ein möglicher Auslöser des jüngsten Ansturms gilt ein Urteil des Obersten Gerichtshofs Spaniens. Es untersagt den Sicherheitskräften, Migranten sofort wieder nach Marokko zurückzuschicken, wenn sie übers Meer in die beiden Exklaven Ceuta und Melilla gekommen sind. Solche „heißen“ Abschiebungen ohne Verfahren, wie sie in Spanien genannt werden, sind nur erlaubt, wenn Migranten die Absperrungen an der Grenze überwunden haben, die aus meterhohen Zäunen bestehen. Das hatten in den vergangenen Jahren immer wieder große Gruppen afrikanischer Migranten versucht.
Das einzige Aufnahmelager der spanischen Stadt mit gut 80.000 Einwohnern ist schon seit Tagen hoffnungslos überfüllt. Migranten irrten durchnässt durch die Straßen, wo sie auch schliefen. Auf Fotos waren Menschen im Wasser mit Schwimmringen und Autoreifen zu sehen, unter ihnen auch Frauen und Kinder. Drei bis vier Stunden sind die Migranten oft im Meer, bis sie gerettet werden oder es mit letzter Kraft nach Ceuta schaffen. Das gelingt nicht allen. Am Donnerstag stieg die Zahl der 2026 an der Grenze Ertrunkenen auf 38.
