Svenja Brunckhorst zögert am Telefon nur kurz mit der Antwort auf die Frage, wie sie die Chancen der deutschen Frauen bei der Basketball-Weltmeisterschaft in Berlin (4.–13. September) einschätzt: „Top vier“, sagt die Olympiasiegerin im 3×3-Basketball bei den Spielen in Paris, langjährige Stammspielerin in Wasserburg sowie Kapitänin der Nationalmannschaft. Seit ihrem Karriereende 2024 ist Brunckhorst zudem bei Alba Berlin als Managerin für Mädchen- und Frauenbasketball tätig. Ihrer Meinung nach kann die WM ein Hebel sein, um den deutschen Frauenbasketball, bei dem in den letzten Jahren schon viel passiert sei, auch medial weiter voranzutreiben.
An Highlights fehlt es nicht, denn neben der olympischen Goldmedaille im 3×3-Basketball gab es im Frauenbasketball auch die erstmalige Teilnahme der Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen, bei der das Team es mit überzeugenden Auftritten ins Viertelfinale schaffte. Bei der Europameisterschaft 2025 belegten die deutschen Frauen den fünften Platz. Hinzu kommt, dass mit Satou und Nyara Sabally, Leonie Fiebich, Luisa Geiselsöder und Frieda Bühner mittlerweile fünf deutsche Frauen in der nordamerikanischen Profiliga (WNBA) spielen. Fiebich und Sabally sind 2024 mit New York Liberty sogar WNBA-Champions geworden.

„Kein Mensch kannte früher die Frauennationalmannschaft. Jetzt machen wir die Uber Arena und die Max-Schmeling-Halle voll“, sagt Brunckhorst. Es habe eine extreme Entwicklung stattgefunden. „International sind wir mit unseren Top-Spielerinnen auf Weltniveau, der Nachwuchs hat sich in den Jugendnationalmannschaften etabliert, die Qualität ist da.“ Aber die größte Herausforderung und ein jahrelanger Prozess sei es, die erste Basketballbundesliga der Frauen (DBBL) auf ein Level zu bekommen, das im internationalen Vergleich mithalten kann.
Verschärfte Lizenzbedingungen für die DBBL
Vor zwei Jahren hat die Liga die Lizenzbedingungen verschärft. Ohne Erfüllung von Auflagen, die sukzessive umzusetzen sind, gibt es keine Teilnahme am Spielbetrieb. Es geht beispielsweise um größere Hallen, Spielfelder, auf denen ausschließlich die Basketballlinien zu sehen sind, LED-Banden, hauptamtliche Trainer und die Förderung des weiblichen Nachwuchses. So muss jeder Verein ab der kommenden Saison mit einer Mannschaft in der weiblichen Nachwuchsbundesliga (WNBL) antreten.
Die Lizenzbedingungen erfordern Investitionen, denen sich Leverkusen, Bochum und Göttingen nicht gewachsen sehen. So erklärt Richard Crowder, Verantwortlicher in Göttingen, gegenüber der F.A.Z., dass die definierten Standards der Liga in finanzieller, organisatorischer und logistischer Hinsicht selbst für ambitionierte Teams kaum zu erfüllen seien. „Hinzu kommt die gesamtwirtschaftliche Lage und die weiterhin fehlende Wertschätzung für den weiblichen Leistungssport.“ Er bezeichnet die Standards der Liga als „völlig überzogen“ und hat kein Verständnis für „Maßnahmen, die unnötig viel Geld kosten“, wie die Anschaffung der LED-Banden.
„LED-Banden haben nichts mit der Professionalisierung zu tun.“
„LED-Banden im Wert von 120.000 Euro haben für mich nichts mit der Professionalisierung für den Frauenbasketball zu tun“, sagte Grit Schneider, Sportdirektorin der Leverkusen Wings, gegenüber dem NDR. Diesen Standpunkt kann Brunckhorst zwar verstehen, weist aber darauf hin, dass jeder Standort seine eigenen Herausforderungen hat und es irgendwann Grundregeln braucht.
Generell sieht sie die Lizenzanforderungen der Liga positiv, gerade die Investitionen in den Nachwuchs. „Für die Weiterentwicklung junger deutscher Spielerinnen ist es wichtig, hauptamtliche Trainerstellen und durchgehende Strukturen von der WNBL bis in die Bundesliga zu haben“, sagt sie. „Das gibt es oft nicht, und dann müssen junge Spielerinnen nach dem Jugendbereich neue Vereine suchen. Daher verlieren wir auch Spielerinnen ins Ausland. Da müssen wir vor unserer eigenen Haustür die Arbeit machen.“
DBBL-Geschäftsführer Anton Hefele bedauerte gegenüber dem NDR, dass die sportlichen Aufsteiger ihre Chance nicht wahrnehmen könnten, sagte aber auch: „Gleichzeitig besteht Profisport immer aus zwei Komponenten: der sportlichen Qualität und der strukturellen Wettbewerbsfähigkeit.“ Und wie könnte man diese gewährleisten?
Brunckhorst sieht Spanien als Vorbild. Die dortige Frauenbasketballliga sei nach außen eine Einheit, es gälten die gleichen Standards für alle. Allerdings ist Basketball in Spanien auch die beliebteste Sportart bei Mädchen. In der vergangenen Saison traten in der spanischen Liga 16 Mannschaften an. Mit Fiebich wurde Valencia Basket in den vergangenen Saisons 2025 und 2026 Meister. Die Deutsche hatte die DBBL bereits mit 21 Jahren verlassen.

Dass Fiebich den Weg in die Spitze über das Ausland gehen, ordnet Brunckhorst so ein: „Es ist nicht so, dass der Weg über die Bundesliga gar nicht infrage kommt. Alexandra Wilke ist das Gesicht der deutschen Liga. Aline Hartmann spielt bei Alba Berlin, Lina Sonntag hat auch wieder in Deutschland gespielt. Spielerinnen, die wir bei der Nationalmannschaft sehen, spielen auch in Deutschland.“ Die Breite sei noch nicht da, angesichts der etwa 70.000 Spielerinnen innerhalb Deutschen Basketball Bunds, auch Strukturen und Professionalität noch nicht, und daran müssten die deutschen Vereine arbeiten, damit Toptalente nicht ins Ausland gingen. Eine Verbesserung der Lage brauche aber Zeit und neue Ansätze.
Brunckhorst zieht einen Vergleich zum Fußball, wo Google Pixel als Sponsor der Frauenbundesliga einstieg. Wenn die Liga über Sponsoren mehr Geld hätte, würden auch die Teams davon profitieren, denn die Liga könnte die Kosten für die einzelnen Teams senken. „Die Liga ist aber abhängig davon, wie gut das Produkt ist. Es ist ein Kreislauf.“
Dyn neuer Medienpartner der DBBL
Mit Beginn der kommenden Saison steigt Dyn als Medienpartner ein und überträgt die Spiele der DBBL. „Es ist wichtig, dass wir bei Dyn sind. Dyn hat eine andere Qualität der Übertragung. Dann hat auch die Videoanalyse für Trainer eine bessere Qualität, wenn sie sich die Spiele im Stream ansehen. Das verbessert die sportliche Qualität und ist für das Sponsoring besser.“
Generell, sagt Brunckhorst, sei die Sponsorensuche im Frauenbasketball ein „hartes Pflaster“, weil es eben kaum Sichtbarkeit und damit auch kaum Umsätze für Sponsoren gebe. Den nötigen Mindestetat für die DBBL gibt Brunckhorst mit 250.000 Euro an. Trotzdem ist sie der Meinung: „Wenn du etwas investierst, kriegst du auch etwas zurück.“
Da nimmt sie besonders in der Außendarstellung auch die Vereine in die Pflicht. „Social Media ist von keinem Verein gut oder groß, weil das Storytelling nicht da ist. Es ist schwierig, die Liga zu verkaufen oder Teams in der Liga zu verkaufen, wenn es so ist, wie es ist. Wenn alle wollen, müssen alle was machen.“ Immerhin sagt Brunckhorst, dass in der vergangenen Saison bereits jede Halle besser aussah. Eben weil es kein Linienwirrwarr mehr gab.
Ein wichtiger Schritt nach vorne. Das gilt auch für das Eröffnungsspiel der WM, das bei Pro7 im Free TV (11.30 Uhr) übertragen wird. Der Sender steigt in die Basketballübertragung bei Männern und Frauen ein, aber der „Kickoff“, wie Brunckhorst sagt, wird die aktuelle Frauen-WM.
„Das sind Welten für uns. Das haben wir uns nicht denken können vor ein paar Jahren. Viele interessiert es nicht, das ist die Realität. Aber wir müssen weiter dran glauben und kämpfen und haben eine große Chance mit diesem Highlight-Turnier.“ Die Ausgangslage sei jedoch schwierig, da die WNBA-Spielerin maximal eine Woche vor Turnierstart zum Team stoßen würden, meint Brunckhorst. Zudem fehlt mit Satou Sabally, die verletzungsbedingt absagen musste, Deutschlands wichtigste Spielerin. Dennoch ist Brunckhorst überzeugt: „Wir sind ready, wir haben eine gute Gruppe, um erst mal ins Turnier zu starten.“
