
Einen weiteren Beleg dafür lieferten jetzt zwei der wichtigsten Hersteller von Speicherchips mit dem Erreichen von Meilensteinen an der Börse. Am Dienstag überquerte zunächst der US-Anbieter Micron mit seinem Börsenwert die Marke von einer Billion Dollar, am Mittwoch folgte ihm der koreanische Wettbewerber Hynix über die Billionengrenze. Dies kommt, nur wenige Wochen nachdem schon der koreanische Samsung-Konzern, der neben elektronischen Geräten wie Fernsehern auch Speicherchips verkauft, erstmals mit umgerechnet mehr als einer Billion Dollar bewertet wurde.
Aktienwert verdreifacht
Die Kursentwicklung dieser Unternehmen war in den vergangenen Monaten rasant. Die Aktien von Micron und SK Hynix haben sich seit Jahresbeginn im Wert verdreifacht. Micron brauchte weniger als 50 Tage, um seine Marktkapitalisierung von 500 Milliarden auf eine Billion Dollar zu steigern. Allein am Dienstag stieg der Aktienkurs um fast 20 Prozent. Dazu trug bei, dass Analysten der Bank UBS ihr Kursziel für die Micron-Aktie von 535 auf 1625 Dollar anhoben. Sollte das Unternehmen diesen Wert erreichen, wäre es 1,8 Billionen Dollar wert. Die Bank sieht also trotz des schon stattlichen Kursanstiegs noch viel Luft nach oben.
Speicherchips sind im Moment sehr begehrt und knapp. Die Anbieter kommen mit der Belieferung nicht nach und rechnen auch nicht damit, dass sich dies in naher Zukunft ändern wird. Die Preise für diese Halbleiter sind dramatisch gestiegen, nach Angaben der Marktforschungsgruppe Trendforce haben sie sich im ersten Quartal dieses Jahres gegenüber den vorangegangenen drei Monaten fast verdoppelt.
Trump: „Micron ist großartig“
Das schlägt sich in den Geschäftszahlen nieder. Micron meldete in seinem jüngsten Quartalsbericht fast eine Verdreifachung des Umsatzes gegenüber dem Vorjahr und sagte für das nächste Quartal sogar fast eine Vervierfachung voraus. Der Nettogewinn hat sich im abgelaufenen Quartal sogar fast verneunfacht. Die gute Entwicklung von Micron ist auch dem US-Präsidenten Donald Trump nicht entgangen. Er sagte vor wenigen Tagen bei einer Veranstaltung: „Micron ist großartig.“
SK Hynix wies für das vergangene Quartal eine Verdreifachung des Umsatzes und eine Verfünffachung des Gewinns aus. Das Unternehmen will seine Aktien bald neben seinem Heimatmarkt auch an der New Yorker Börse handeln lassen, in der Hoffnung, damit einen zusätzlichen Investorenkreis zu erschließen.
Micron und seine Wettbewerber stellen verschiedene Arten von Speicherchips her, die in Computern und anderen elektronischen Geräten zum Einsatz kommen. Dazu gehören DRAM-Chips für kurzfristige und NAND-Chips für dauerhafte Speicherung von Daten. In jüngster Zeit haben sie ihr Geschäft verstärkt auf besonders leistungsfähige HBM-Chips verlagert (High Bandwidth Memory), bei denen DRAM-Bausteine gestapelt werden. Sie eignen sich gut für KI-Anwendungen und kommen zum Beispiel in Kombination mit KI-Chips von Nvidia zum Einsatz.
Produktion für dieses Jahr schon ausverkauft
Nach Angaben der Marktforschungsgruppe Counterpoint ist SK Hynix Marktführer im Geschäft mit diesen HBM-Chips und hatte im ersten Quartal einen Anteil von 57 Prozent. Dahinter folgten Samsung mit 22 Prozent und Micron mit 21 Prozent. SK Hynix und Micron haben bekundet, ihre gesamte Produktionskapazität für HBM-Chips in diesem Jahr sei schon ausverkauft. Micron-Vorstandschef Sanjay Mehrotra sagte bei der Vorlage der jüngsten Geschäftszahlen, die Produkte seines Unternehmens stünden „im Mittelpunkt dieser KI-Revolution“.
Speicherchips galten lange Zeit als eher glanzloses Segment im Chipmarkt, das stark von konjunkturellen Schwankungen abhängt. Die Chips wurden oft als austauschbare Massenware wahrgenommen. Insofern ist es für die Hersteller etwas ungewohnt, plötzlich zu Börsenlieblingen geworden zu sein. In den Kursgewinnen kommt die Hoffnung zum Ausdruck, dass dank KI eine Ära dauerhaft hoher Nachfrage nach Speicherchips angebrochen ist.
Die Unternehmen bauen ihre Produktionskapazitäten derzeit massiv und mit einem sehr langfristigen Planungshorizont aus. Micron zum Beispiel hat angekündigt, auf seinem Heimatmarkt 200 Milliarden Dollar in Produktionsanlagen sowie in Forschung und Entwicklung investieren zu wollen. Ein großer Teil davon soll in Kapazitäten für HBM-Chips fließen. Allein im Bundesstaat New York will Micron im Laufe der nächsten 20 Jahre 100 Milliarden Dollar in eine neue „Megafab“ investieren. Dies ist nach Angaben des Unternehmens die größte Privatinvestition in der Geschichte des Bundesstaats, und es soll die größte Produktionsanlage für Chips in den USA werden.
Auch viele andere Chipanbieter haben sich in jüngster Zeit an der Börse gut geschlagen. Der Kurs von Intel zum Beispiel hat sich seit Jahresbeginn ebenfalls mehr als verdreifacht. Das Unternehmen blickt auf krisenreiche Jahre zurück, hat sich aber zuletzt etwas erholt und Hoffnung darauf gemacht, dass es stärker von KI-Anwendungen profitieren kann als bisher gedacht. Intels Börsenwert liegt heute bei rund 620 Milliarden Dollar, im vergangenen Jahr waren es zeitweise nur noch rund 100 Milliarden Dollar.
