
Das Deutsche Meeresmuseum geht davon aus, dass der Buckelwal ertrunken ist. „Da sich der Wal in einem extrem geschwächten Zustand befand und nach früheren Rettungsversuchen innerhalb kurzer Zeit immer wieder strandete, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er nicht genug Kraft besaß, um längerfristig im tiefen Wasser zu schwimmen, und nicht mehr lebt“, teilte das Museum am Dienstag mit. Wenn es keine Daten zu dem Tier gebe, sei die Rettungsmission als gescheitert anzusehen, sagte eine Sprecherin des Meeresmuseums der F.A.Z.
Weder dem Meeresmuseum noch dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern liegen bisher Daten des Trackers vor, der nach Angaben der Walhelfer angeblich an dem Tier angebracht worden war. Eine Sprecherin des Umweltministeriums konnte daher die Frage, ob der Wal noch lebt, zunächst nicht beantworten. „Frühestens“ für diesen Dienstag stellte die Sprecherin gegenüber der F.A.Z. eine Stellungnahme der Initiative zum Peilsender in Aussicht.
Zu dem Sender beziehungsweise zu den Daten, die dieser angeblich sendete, gibt es widersprüchliche Informationen. So hieß es etwa, der Sender sende „Vitaldaten“, aber keine GPS-Daten. Allerdings müssten nach Angaben von Wissenschaftlern Tracker, die Vitaldaten senden, per Saugnapf an dem Wal angebracht werden – was angesichts von dessen stark angegriffener Haut als unmöglich gilt. Einen GPS-Tracker wiederum hätte man an der Finne anbringen müssen, dieser wird dafür durch das Fleisch des Tiers gebohrt. Ob das erfolgte, ist unklar.
Letzte Lebenszeichen am 2. Mai
Aus Sicht des Meeresmuseums sind die letzten verifizierbaren Lebenszeichen des Wales Drohnenaufnahmen vom 2. Mai, denen zufolge das Tier blies und tauchte, nachdem es mitten im vielbefahrenen Skagerrak aus der Barge rausgelassen wurde. Allerdings ist die darauf zu sehende Aktivität des Tieres laut dem Meeresmuseum kein Zeichen für dessen guten Zustand. Das Tier habe nach dem Transport vermutlich unter Adrenalin gestanden, sagte eine Sprecherin des Meeresmuseums. In der Barge habe das Tier nicht versucht, den Seegang auszugleichen. Offenkundig sei es sehr geschwächt gewesen, auch durch die lange Liegezeit. Der Transport sei zusätzlicher Stress gewesen, wiederholt sei der Wal an die Wand der Barge gedrückt worden.
Fachleute des Meeresmuseums wie auch andere Meeresbiologen hatten vielfach davor gewarnt, den Wal ins offene Meer zu transportieren. Demnach stand eine mögliche Rettung nicht im Verhältnis zu dem Stress, den der Transport für das Tier bedeuten würde. Zudem gingen sie davon aus, dass der Wal im offenen Wasser wohl nicht überlebensfähig ist.
Wurde der Wal vor seiner Freilassung verletzt?
Der Buckelwal war an deutschen Ostseeküsten mindestens fünf Mal gestrandet. Aus Sicht von Fachleuten hatte er gezielt flaches Wasser aufgesucht, um nicht zu ertrinken. Ein Gutachten unter anderem des Meersmuseums, das diese Einschätzung wiedergibt, war vom Umweltministerium in Auftrag gestellt worden. Trotzdem hatte der zuständige Minister Till Backhaus (SPD) die Aktion der privaten Rettungsinitiative geduldet, die den Wal dann ins offene Meer brachte. Dafür wurde das Tier mit Gurten gezogen; kurz vor der Freilassung wurde es zudem an der Fluke gezogen – was aus Sicht von Wissenschaftlern ein erhebliches Verletzungsrisiko darstellt.
Backhaus hatte die Rettung aus der Bucht von Wismar als Erfolg gepriesen. Am Tag, an dem der Wal in die Barge kam, regte Backhaus sogar eine Bronzefigur als Mahnmal für den Wal an. Dem Tier schrieb er eine „Symbolkraft für ganz Deutschland, nein für Europa und die ganze Welt“ zu.
Das Meeresmuseum ruft nun dazu auf, dass das exakte Modell des Trackers, der Ort und die Art der Befestigung am Wal mit Fotonachweis transparent offengelegt werden, weiterhin die kompletten übertragenen Rohdaten. Auch soll falls möglich Zugriff auf die Live-Übertragung der Daten für eine unabhängige Organisation erfolgen. „Verifizierbare Informationen über den Zustand des Wales sind nicht nur von großem wissenschaftlichen und öffentlichen Interesse, sondern sollten im Eigeninteresse der privaten Initiative erfolgen, um nachweisen zu können, ob die Rettungsmission für den Buckelwal Erfolg hatte.“
Auch für künftige Walstrandungen sei es wichtig zu wissen, welches Ergebnis die Mission habe, so eine Sprecherin des Meeresmuseums. Wobei man auch dann davon ausgehen müsse, dass sich ein gesundes Tier kaum in eine Barge bringen lass – ein krankes Tier wiederum müsse man eher sterben lassen, als es derartigem zusätzlichen Stress auszusetzen.
