
Mehr als 2,5 Millionen Besucher hat es seit der Eröffnung vor gut zwei Jahrzehnten ins Gießener Mathematikum gezogen, womit sich die Einrichtung zu einem der meist frequentierten Wissens- und Mitmachzentren dieser Art entwickelt hat. Schulklassen, Studentengruppen, Familien und Touristen aus dem In- und Ausland zählt das Mathematikum zu seinen Gästen, die dort mehr als 200 Exponate und Experimente vorfinden, um sich einen anderen Zugang zu einer ansonsten als abstrakt verpönten Wissenschaft zu verschaffen. Dass diese Einrichtung zustande gekommen ist, hat eine Vorgeschichte.
Der Gießener Mathematikprofessor und Direktor des Mathematikums, Albrecht Beutelspacher, hatte seinen Studenten die Aufgabe gestellt, Modelle zu entwickeln, mit denen sie die dahintersteckende Mathematik erläutern können. Wie sich herausstellte, konnte keiner Theorie und Anschauung miteinander verbinden. Was den Professor nicht ruhen ließ.
Er entwarf mit Studenten und Institutsmitarbeitern immer wieder andere Modelle, um den Zugang zur Mathematik auf neuen Wegen zu ermöglichen. Daraus stellten sie schließlich eine Ausstellung zusammen, die schon bald so viel Zuspruch bekam, dass sie an immer mehr Orten für immer mehr Besucher gezeigt wurde. Was Beutelspacher ermutigte, in Zusammenarbeit mit Stadt, Land, Universität und privaten Unterstützern das erste Mitmachmuseum für Mathematik einzurichten.
Tausendste Ausstellung kommt nach Hagen
Die Wanderausstellungen schufen also sozusagen das Fundament für das Mathematikum und tragen bis heute zum Erfolg des Projekts „Mathematik anschaulich“ bei. Sie sind sogar so gefragt, dass das Mathematikum nunmehr die tausendste Wanderausstellung zusammengestellt hat. Konzipiert wurde die Jubiläumsausstellung für das Freilichtmuseum im nordrhein-westfälischen Hagen, wo sie sogar zwei Jahre lang zu sehen sein wird.
Dafür hat das Team des Mathematikums noch eine Reihe neuer Exponate entwickelt, die speziell zu einer solchen Einrichtung passen. So rechnet das Team damit, dass sich in Hagen mehr als zehntausend Besucher mit den Gießener Exponaten und Experimenten beschäftigen werden. Beutelspacher und seine Mitstreiter berichten ohnehin, dass die Wanderausstellungen im Laufe der Jahre genauso gut besucht wurden wie die Ausstellung in Gießen selbst.
Bei Auswahl und Zusammenstellung der Exponate geht es vor allem darum, dass sie sicher transportiert sowie gut auf- und abgebaut werden können. Nach einem speziellen Konzept und mit handwerklichem Geschick wurde so neben dem Klassiker der Wanderausstellung „Mathematik zum Anfassen“ eine Auswahl der in Gießen besonders goutierten 30 Exponate unter dem Motto „Best of“ versandfähig gemacht. So touren auch beliebte Stücke aus erfolgreichen Sonderausstellungen des Mathematikums zu den Themen „Zufall“, „Virtuelles Wasser“, „Unendlichkeit“ und „Leonardo da Vinci“ durch Deutschland und ins benachbarte Ausland.
Zum Anschauen und Selbst-Experimentieren sind die Exponate jeweils zwischen zwei Wochen und mehr als einem Jahr in Schulen, Museen und Science Centern aufgebaut. Auch das Mini-Mathematikum, eine Abteilung, die Kindern im Vorschulalter mathematische und naturwissenschaftliche Phänomene vermittelt, ist in die Wanderausstellungen mit eigenen Beiträgen eingebunden. Für Erläuterungen und Wissensvermittlung begleiten eigens geschulte Mitarbeiter des Mathematikums die Wanderausstellungen. Die Wanderausstellungen tragen mit all dem nicht nur das Mathematikum in die Welt, sondern fungieren auch als Botschafter für die Stadt Gießen.
