In Prishtinë hat der Prozess gegen 21 frühere serbische Amtsträger wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen im Kosovo begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem Mord, Folter, unmenschliche Behandlung und die Vertreibung von Zivilisten nach Albanien vor. Keiner der Angeklagten erschien vor Gericht.
Die Vorsitzende Richterin Violeta Namani Hajra sagte, das Verfahren werde auch in Abwesenheit der Beschuldigten eröffnet. Die Männer werden durch Verteidiger vertreten, die der Anwaltsverband bestellt hat. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden internationale Haftbefehle gegen sie erlassen.
Zu den Beschuldigten gehören der frühere serbische Polizeichef Obrad Stevanović, der damalige Geheimdienstchef Radomir Marković und der für Sondereinsätze zuständige Polizeigeneral Goran Radosavljević. Die Anklage wirft ihnen vor, an der Planung oder Ausführung des Angriffs auf das Dorf Reçak beteiligt gewesen zu sein.
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft beschossen serbische Kräfte das Dorf im Januar 1999. Danach sollen sie Häuser durchsucht und 42 unbewaffnete Zivilisten aus nächster Nähe erschossen haben. Die Anklage stuft die Tötungen als vorsätzliche, geplante und systematische Hinrichtungen ein. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa hatte die Opfer damals als Zivilisten identifiziert.
Serbien leugnet Massaker bis heute
Serbien leugnet bis heute, dass in Reçak ein Massaker an Zivilisten verübt wurde. Der serbische Präsident Aleksandar Vučić bezeichnete die Getöteten wiederholt als Kämpfer der Kosovo-Befreiungsarmee UÇK. Die internationale Empörung über die Tötungen trug 1999 zur Entscheidung der Nato für Luftangriffe gegen Serbien bei. Nach dem Abzug serbischer Truppen wurde eine internationale Friedenstruppe im Kosovo stationiert.
Im Juni waren fünf weitere Kosovo-Serben wegen mutmaßlicher Beteiligung an den Tötungen festgenommen worden. Gegen sie ist ein gesondertes Verfahren geplant. Im Kosovokrieg wurden mehr als 13.000 Menschen getötet, die meisten von ihnen Kosovo-Albaner. Kosovo erklärte 2008 seine Unabhängigkeit, die serbische Regierung in Belgrad erkennt diese jedoch nicht an.
