
Zuckerberg beklagt auch „Schwarzmalerei“ unter vielen KI-Entwicklern. Und er suggeriert, dies geschehe mit der Absicht, den Wettbewerb zu behindern. „Der Gedanke, KI sei so gefährlich, dass extreme Machtkonzentration den einzigen sicheren Weg darstelle, erscheint von Natur aus problematisch.“
In seinem Manifest versucht Zuckerberg allgemein, Optimismus zu verbreiten. Er beschreibt seine Ausführungen als „Weg in eine positive KI-Zukunft“. Und mit Blick auf zunehmende Sorgen über Kehrseiten von KI stellt er Meta als positive Kraft dar. Er kündigt zum Beispiel die Gründung eines Fonds an, der Kommunen zugutekommen soll, in denen Meta KI-Rechenzentren baut.
In den USA und auch anderswo mehrt sich der Widerstand gegen solche Projekte. Der neue Meta-Fonds soll mit einer Milliarde Dollar dotiert sein. Und Zuckerberg hebt in seinem Aufsatz positive Auswirkungen von KI-Projekten auf Regionen hervor. Etwa dass zusätzliche Steuereinnahmen durch ein von Meta geplantes Rechenzentrum im US-Bundesstaat Louisiana eine Bonuszahlung von 50.000 Dollar für dortige Lehrer ermöglicht hätten.
„Die wettbewerbsintensivste Industrie in der Geschichte“
Zuckerberg schreibt, ein erheblicher Nachteil der USA im KI-Rennen mit Ländern wie China sei es, dass es hier schwieriger sei, die erforderliche Infrastruktur zu bauen. KI sei wahrscheinlich „die wettbewerbsintensivste Industrie in der Geschichte“. Es sei daher wichtig, Innovation in den USA zu beschleunigen und „geopolitische Rivalen“ zu bremsen.
Mit seinem Aufsatz befeuert Zuckerberg die Debatte um offene und geschlossene KI-Modelle weiter. Offene Modelle sind weitgehend frei für die Allgemeinheit zugänglich. Sie können heruntergeladen und verändert werden, während geschlossene Modelle strengerer Kontrolle ihrer Entwickler unterliegen.
Zuckerberg argumentiert jetzt, unter Sicherheitsaspekten hätten sich offene Modelle als besser erwiesen. Als Indiz dafür zieht er die kürzlich publik gewordenen Cyberangriffe von Open-AI-Modellen auf die KI-Plattform Hugging Face heran. Hugging Face habe sich offener Modelle bedient, um die Attacke abzuwehren.
Der Meta-Chef hat sich auch in der Vergangenheit öfter als Verfechter offener Modelle positioniert, aber in jüngster Zeit mit Meta stärker auf geschlossene Modelle gesetzt. Jetzt schreibt er, das Unternehmen werde die Einführung offener Modelle „wiederaufnehmen“. Das erste von ihnen soll Muse Glimmer sein, eine Variante des Modells Muse Spark.
Mit offenen Modellen haben zuletzt vor allem chinesische Unternehmen wie Moonshot AI aufhorchen lassen. Zuckerberg beschreibt es nun als wichtig, dass die USA und ihre Verbündeten das offene KI-Ökosystem anführen, da es künftig für einen großen Teil der KI-Nutzung stehen werde.
Heute seien ausländische KI-Spezialisten im Vorteil, weil es in den USA strengere Restriktionen für die KI-Entwicklung gebe. Dies müsse die US-Regierung zu ändern versuchen. Dagegen sei es keine „effektive Lösung“, den Zugang zu ausländischen offenen Modellen zu beschränken. US-Finanzminister Scott Bessent hat unlängst mit Sanktionen gegen chinesische KI-Modelle gedroht.
Zuckerberg spricht sich auch gegen jede Art der Regulierung aus, die die Veröffentlichung amerikanischer Modelle verzögert, „und sei es nur um einen Monat“. Damit würde die Führungsposition der USA aufs Spiel gesetzt. Anstelle eines „rigiden“ Prozesses und Zeitrahmens schlägt er eine „enge proaktive Zusammenarbeit“ zwischen Regierung und KI-Entwicklern vor.
US-Präsident Donald Trump hat unlängst ein Dekret herausgegeben, das eine stärkere staatliche Aufsicht über die KI-Branche vorsieht, wenn auch an recht langer Leine. Unter anderem ist darin von einer Prüfung neuer KI-Modelle auf freiwilliger Basis über einen Zeitraum von bis zu 30 Tagen vor ihrer Veröffentlichung die Rede.
