
Der Mai beginnt traditionell damit, dass die Gewerkschaften an ihre Existenz erinnern, und so drohte Frankfurts DGB-Chef Philipp Jacks am ersten Tag des zurückliegenden Monats mit einem „heißen Sommer“. So viel können wir an dieser Stelle sagen: Zumindest für heiße Sommer benötigt man künftig keine Gewerkschaften mehr. Und damit herzlich willkommen beim monatlichen Wetterrückblick.
Das Stichwort „heiß“ liefert uns den ersten Rekord: Im Mai gab es sechs heiße Tage, also Tage mit 30 Grad und mehr. Auf den Vergleichszeitraum 1961 bis 1990 blickend, wären 0,1 Tage normal gewesen. Damit wurde der Rekord aus dem Mai 1953 eingestellt, in dem es auch sechs heiße Tage gab. Immerhin mussten Sie vermutlich nicht bei diesen Temperaturen in einem überdimensionalen Bienenkostüm aus Plüsch herumlaufen, es sei denn, Sie sind Waldtraut, das Maskottchen des Frankfurter Wäldchestages. Wie fühlt es sich an, bei 32 Grad in einem dicken Bienenkostüm zu stecken, wollte die Rhein-Main-Zeitung wissen. Waldtraut blieb cool, angesichts der zahlreichen Angebote von Kaltgetränken auf dem Volksfest sei es auszuhalten.
Schnee im Stadion
Kalte Getränke empfahlen sich für die Sommertage, also Tage mit 25 Grad und mehr, und davon gab es zwölf statt erwartbarer vier, was für einen vierten Platz seit Beginn dieser Zählung im Jahr 1949 reicht. Frost, Eis, Schnee, das gab es alles nicht, doch da fällt uns ein, ein bisschen Schnee fiel schon. Die Metalband Metallica trat an zwei Abenden in Frankfurt auf, und die Band spielte „Schwarz-weiß wie Schnee“, der Bassist Robert Trujillo sang. Angeblich soll ihm vereinzelt „Hier regiert der OFC“ geantwortet worden sein. Anyway, wir vermuten ja, dass der Sänger einer Frankfurter Metalband, der nach unseren Informationen in den Achtzigerjahren mal mit den Amis in Frankfurt um die Häuser gezogen war, diesen gesteckt hatte, dass sie mit dieser Hymne die Herzen der Frankfurter Fans gewinnen.
Mit einer Durchschnittstemperatur von 16,5 Grad war der Mai der 57. Monat in Folge, der mit Blick auf den Vergleichszeitraum 1961 bis 1990 zu warm war, wo das Mittel bei 13,7 Grad lag. Der 26. Mai bot dieses Jahr mit 32,4 Grad einen Tagesrekord, das Maximum lieferte aber der 29. Mai 2017 mit 33,2 Grad. Heiß, heiß, heiß, da möchte man schnell in einen kühlenden Brunnen springen, und das tat auch ein Pärchen auf der Zeil, aber wohl nicht, um abzukühlen, sondern eher irgendwie das Gegenteil, also, wie soll man sagen, es endete jedenfalls damit, dass die Polizei an gewisse Regeln des Anstands erinnern musste.
Ausreichend Flüssigkeit gab es nur für ein Maskottchen
Während Waldtraut offensichtlich ausreichend Flüssigkeit angeboten bekam, blieb es insgesamt eher trocken. 36,1 Millimeter Niederschlag fielen statt erwartbarer 61,3 (1961–1990) oder auch der Durchschnittsmenge des Zeitraums 1991 bis 2020 mit 60,4 Millimeter. Es ist nah dran am Wert des Vorjahres mit 33,8 Millimeter, aber weit weg vom trockensten Mai 1991 mit 11,7 Millimetern. Es gab 13 statt erwartbarer 15 Tage mit Niederschlag und nicht einen Tag mit viel Regen, an dem mehr als zehn Millimeter fielen.
Sonne gab es dafür reichlich, nämlich 250,4 Stunden statt der 206,5 des Vergleichszeitraums 1961 bis 1990, und am 25. Mai schien die Sonne mit 15 Stunden am längsten. Dass an allen 31 Tagen die Sonne schien, war nichts Besonderes, das ist bereits 17 Mal vorgekommen. Dass sie nur 22 Mal schien aber nur einmal, nämlich im Mai 1978. Aber die Tendenz ist eindeutig, es wird wärmer, die Zahl der Sonnentage wächst, und da ist es gut, dass es seit dem vergangenen Monat neue Bäume auf dem Merianplatz gibt, in deren Schatten man sich setzen kann. Allerdings wird es wohl noch eine Weile dauern, bis sie so stattlich sind wie ihre Vorgänger, die von einem Unbekannten vergiftet wurden und deswegen gefällt werden mussten.
Ein Frühling mit viel Sonne und sehr wenig Niederschlag
Wie kommen wir jetzt von den Bäumen zur Globalstrahlung? Vielleicht über die Feststellung, dass man schon ziemlich verstrahlt sein muss, wenn man Bäume mit Glyphosat vergiftet. Im Mai jedenfalls gab es 175 Kilowattstunden (kWh) je Quadratmeter, ein Plus von neun Prozent zum Vergleichszeitraum 1991 bis 2020 und Platz zehn seit 1991. Globalstrahlung, wir erklären es gern noch mal, weil die Rubrik vergleichsweise neu ist, bezeichnet die gesamte Sonneneinstrahlung, die an einem bestimmten Punkt auf die Erde trifft. Sie besteht aus der direkten Sonneneinstrahlung, die als Sonnenscheindauer schon immer im monatlichen Wetterrückblick berücksichtigt wurde, und aus der Diffusstrahlung, also der indirekten Strahlung, die etwa durch die Reflexion von Nebel, Wolken, Staubteilchen und Luftmolekülen entsteht.
Das Maximum eines Tages bot im vergangenen Monat der 28. Mai mit 8,31 kWh je Quadratmeter, mit Blick auf einen ganzen Monat liegt der Mai 2011 vorne mit 196 kWh je Quadratmeter. Nimmt man den gesamten Frühling beim Thema Globalstrahlung in den Blick, sieht man, dass er mit 435 kWh auf dem vierten Platz seit 1991 landet. Zum Vergleich nur den Spitzenreiter, das war der Frühling 2020 mit 452 kWh. Auch bei der Sonnenscheindauer landet der Frühling mit 714,2 Stunden weit vorne, nämlich auf Platz fünf seit Beginn dieser Zählung im Jahr 1951. Noch einen Platz weiter vor, also auf Platz vier seit Beginn dieser Zählung im Jahr 1936, rückt der Frühling mit Blick auf die Durchschnittstemperatur, die lag bei 12,3 Grad. Wärmer waren nur die Frühjahre 2007, 2011 und 2018 mit 12,7, 12,6 und 12,4 Grad.
Und immerhin Platz sechs belegt der Frühling bei der Trockenheit, es fielen 77,4 Millimeter Niederschlag statt der aus 1961 bis 1990 erwartbaren 163,9 Milliliter. Platz eins geht an das Frühjahr 2015 mit 52,8 Millilitern, Platz fünf an das Jahr 1990 mit 71,2 Millilitern. Der Sommer, das vermeldet die Rhein-Main-Zeitung am Ende des Monats, macht jetzt erst mal Pause. Wir auch. Wenn es wieder heiß werden sollte, bleiben sie einfach cool wie Waldtraut. Bis in einem Monat.
