Hubschrauber starteten weiter im Akkord zu Löschflügen – aber immerhin: Dichte Rauchwolken wie an den Vortagen sind am Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen nicht mehr zu sehen. Der Waldbrand an dem 1.270 Meter hohen Berg bei Ruhpolding hat sich nicht weiter ausgebreitet.
Die Lage habe sich weiter stabilisiert, teilte das Landratsamt am Abend mit. Entwarnung gebe es aber nicht. Der Schwerpunkt der Maßnahmen bleibt darauf gerichtet, eine Ausbreitung des Feuers insbesondere in Richtung Süden zu verhindern. Das Feuer war am Sonntagabend entdeckt worden, seit Montag gilt in dem Gebiet der Katastrophenfall.
Kampf gegen die Flammen geht auch nachts weiter
An die 300 Einsatzkräfte waren auch am Mittwoch mit dem Kampf gegen die Flammen beschäftigt, darunter etwa 215 Feuerwehrleute sowie Kräfte unter anderem von Bundespolizei, Landespolizei, Bergwacht, Rotem Kreuz, Malteser Hilfsdienst, Technischem Hilfswerk und Bundeswehr.
Nach Einschätzung aus dem Kreis der Einsatzkräfte richten sich die Helfer darauf ein, dass der Einsatz noch mindestens zwei Tage weitergeht.
Nachts können die Hubschrauber aus Sicherheitsgründen keine Löscheinsätze fliegen. Tagsüber starteten aber rund neun Hubschrauber in Dauerschleife und holten Wasser in nahegelegenen Seen, um es über dem Berg abzuwerfen. Auch am Donnerstag sollen wieder Helikopter den Brand aus der Luft bekämpfen.
Erneut soll der Einsatz ohne Helikopter auch nachts weitergehen, soweit dies in dem unwegsamen und steilen Gelände gefahrlos möglich ist, wie das Landratsamt mitteilte. Unter anderem kommen demnach handgeführte Strahlrohre und Tanklöschfahrzeuge zum Einsatz. Im südlichen Bereich seien nun zudem Bodeneinheiten gemeinsam mit der Bergwacht im Hang im Einsatz.
150 Feuerwehrleute hatten bereits in der vergangenen Nacht im unwegsamen Gelände gegen die Flammen gekämpft.
Gewitter könnten Löscheinsatz beeinflussen
Ziel ist es unter anderem, betroffene Bereiche zu kühlen, Hänge zu bewässern und ein erneutes Aufflammen beziehungsweise Überspringen des Feuers zu verhindern. «Die Lage bleibt weiterhin stark von Witterung und Wind abhängig. Gewitter können eine Gefahr für die Einsatzkräfte darstellen und den Löscheinsatz beeinflussen», erläuterte das Landratsamt. Auch Wind könne problematisch sein, da er ein erneutes Aufflammen von Glutnestern begünstigen könne.
Der Brand ist besonders brisant, weil er ein Trinkwasserschutzgebiet bedrohen könnte. Eine Quelle versorgt laut dem Traunsteiner Landrat Andreas Danzer (Freie Wähler) rund 30.000 Menschen mit Wasser. Ihr Schutz sei das wichtigste Ziel, betonte das Landratsamt. Es bestehe aber keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung und keine akute Gefährdung der Trinkwasserversorgung.
Einer der größten Waldbrände der vergangenen Jahrzehnte
«Der Waldbrand ist mittlerweile einer der größten Waldbrände, die wir in Bayern in den vergangenen Jahrzehnten erlebt haben», sagte Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber (CSU). Sie kündigte Unterstützung des Freistaats bei der Wiederaufforstung an.
«Ein Waldbrand ist immer eine Katastrophe, besonders auch wenn es um Schutzwald für Trinkwasser und Lawinenschutz geht», sagte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW), der auch Aufsichtsratschef der Bayerischen Staatsforsten ist und sich ein Bild vor Ort machte. «Gottseidank ist der Wald nicht großflächig völlig zerstört, viele Bäume haben in dem zerklüfteten Gelände zwischen den Felsen überlebt.» Wie viele Bäume dauerhaft geschädigt seien, werde sich aber erst nach den Löscharbeiten und teils erst im nächsten Jahr zeigen.
Passanten hatten am Sonntagabend den Rauch am Saurüsselkopf entdeckt und die Feuerwehr alarmiert. Das Gebiet insbesondere am Gipfel, von wo aus sich die Flammen ausbreiteten, ist für Fahrzeuge nicht zugänglich.
Dem Vernehmen nach waren noch an dem besagten Abend und in der Nacht Feuerwehrleute und Kräfte der Bergwacht unterwegs gewesen, um die Lage zu erkunden. Sofort sei zudem Hilfe durch Helikopter organisiert worden, die mit dem nötigen Equipment bereits am Morgen im Anflug und einsatzbereit gewesen seien – noch bevor Landrat Danzer am Montagvormittag den Katastrophenfall ausrief.
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