Sie bieten einen kleinen Wissens- und Geschichtenschatz – und das frei zugänglich, ohne Bezahlung, Leihausweis, und Öffnungszeiten: Zahlreiche Bücherschränke in Hessen laden zum Entdecken und Schmökern ein. Sie können auch das soziale Leben in Dörfern und Städten bereichern. Wie findet man die Schränke, wie rege werden sie genutzt und welche Regeln gibt es zu beachten?
Dutzende Bücherschränke in Hessens Städten
In Hessens größter Stadt Frankfurt wurde 2009 auf dem Merianplatz die erste Mini-Bibliothek dieser Art aufgestellt. Seither sind auch in anderen Stadtteilen Dutzende weitere Bücherschränke hinzugekommen, die beliebte Treffpunkte und Orte der Begegnung sind, wie es auf der Homepage der Stadt heißt. Dort findet man auch eine Übersicht mit Standorten.
Wiesbaden, Kassel, Hanau und andere Städte bieten ebenfalls die Möglichkeit, Bücher auf diesem unkomplizierten Weg auszutauschen – mal über umfunktionierte Telefonzellen, mal über fröhlich-bunt bemalte Schränke mit Glasfenstern oder ganz schlicht als einfache Regale in öffentlichen Gebäuden.
Über die Standorte können sich die Lesefans auf städtischen Webseiten, aber auch auf verschiedenen Internetplattformen informieren. Dort finden sich auch Karten, auf denen Bücherschränke in der Umgebung vermerkt sind. Ein Plätzchen zum Lesen lässt sich dann ganz nach eigenem Geschmack suchen – ob im Café, auf einer Bank im Grünen oder einfach zu Hause auf dem Sofa.
Lesekultur fördern – auch auf dem Dorf
Doch nicht nur in Städten funktioniert das Prinzip Bücherschrank: Erst kürzlich hatte der Wetteraukreis dem Verein Dorfgemeinschaft Burgbracht des gleichnamigen Ortsteils von Kefenrod einen Zuschuss von 6.000 Euro für ein Bücherschrank-Projekt zugesagt.
«Lesen hat zahlreiche positive Effekte: Diese reichen von der Wissensvermittlung über Unterhaltung und Freizeitgestaltung bis hin zur Förderung der Gesundheit», erklärte die Wetterauer Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Marion Götz. Das kostenlose Leseangebot sei niederschwellig, wohnortnah und stehe rund um die Uhr zur Verfügung.
Rege Nutzung in Gießen
Das macht auch für Lisa Wächter, Geschäftsführerin des Vereins Literarisches Zentrum Gießen, den besonderen Charme der Bücherschränke aus. Ziel dabei: Menschen den Zugang ermöglichen, die sich vielleicht nicht ohne weiteres selbst Bücher leisten können.
Zwei Bücherschränke unterhält das Zentrum selbst und freut sich über eine rege Nutzung des Angebots, wie Wächter sagt. Natürlich enthalte praktisch jeder Bücherschrank weit verbreitete Bestseller-Krimis und auch manchen «Schinken» – doch habe auch sie selbst beim Stöbern schon manche Buch-Entdeckung gemacht. In einer davon habe sie einen Zettel mit einer kleinen Botschaft des Buchspenders oder der -spenderin gefunden: Er oder sie wünschte sich demnach, dass das Buch durch möglichst viele Hände gehen solle, erzählt Wächter.
Die Regeln – Fairness ist Trumpf
Weil Bücherschränke von ganz unterschiedlichen Paten betreut werden, gibt es zwar keine einheitlichen Vorgaben für ihre Benutzung, doch ähneln sich die Regeln, die teils als Aushang an den Schränken zu finden sind. Vor allem Fairness ist dabei erwünscht, wie sich an den einzelnen Punkten ablesen lässt:
- Die Nutzer dürfen Bücher aus dem jeweiligen Schrank einfach mitnehmen und sind gebeten, dafür möglichst mitgebrachte Bücher einzustellen.
- Besonders willkommen sind Bücher, die ein breites Publikum ansprechen.
- Die Bücher sollten pfleglich behandelt und möglichst gut erhalten eingestellt werden.
- Erwünscht ist ein echter Austausch – und nicht, dass die Schränke leergeräumt oder mit solchen Büchern zugestellt werden, die ihre Besitzer eigentlich entsorgen möchten.
- In den Schränken soll Ordnung gehalten werden.
- Teils wird auch darauf hingewiesen, was nicht in die Bücherschränke soll – etwa Bücher mit pornografischen, rassistischen oder gewaltverherrlichenden Inhalten.
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