Netzwerken ist angesagt bei „Various Others“, dem „internationalen Format der Münchner Kunstszene“, das zum sechsten Mal mit einem attraktiven Programm auffährt. Siebzehn Galerien der Stadt legen sich gemeinsam mit auswärtigen Kollegen ins Zeug. Neu hinzugekommen sind die „Special Vectors“, eine Kollaboration mit Unternehmen, die internationalen Kuratoren Räume für Kunstprojekte öffnen, darunter Apple, BMW, der Bayerische Rundfunk und mehr. Außerdem machen viele Institutionen mit, bieten Sonderveranstaltungen oder legten Eröffnungen auf den Various-Others-Termin – etwa das Museum Villa Stuck, das nach abgeschlossenen Sanierungen jetzt mit frisch bepflanztem Künstlergarten und mehreren Schauen in die Vollen geht.
Jede Schau eine Einladung zur Begegnungen
Während Ilit Azoulay dort der Geschichte des Museums nachspürt, zeigt die Künstlerin, die 2022 den israelischen Pavillon der Venedig-Biennale bespielte, in der Galerie Lohaus Sominsky die neue Fotoserie „Future Ancestors“. Antike und außereuropäische Kunstwerke, gefundene Fotos und anderes Material der Menschheitsgeschichte sind poetisch zu Weltraumaufnahmen der NASA arrangiert (Auflage je zwei; ab 16.000 Euro). Damit harmoniert Alicja Kwades von der Pariser Galerie Mennour beigesteuerte Skulptur „Silent Matter“, ein gespaltener Obsidian-Brocken (80.000).

Sechs „Artist Run Spaces“, also von Künstlern geführte Ausstellungsräume, runden den Parcours ab. Im Durchgang zur Walter Storms Galerie bespielt die Künstlerin Caro Jost die Vitrine „Eyes Only“. In Zusammenarbeit mit der Galerie Esther Schipper steht auf der Fensterscheibe eine Zahlenkolonne, eine der „Coordinates“ von Karin Sander. Das radikal ortsspezifische Konzept zeigt die exakte geographische Position an, ist also nur an einem Ort wahr und doch unendlich wandelbar. Walter Storms und Dirimart aus Istanbul zeigen Anselm Reyles erste größere Einzelausstellung in München. Wie Storms hat auch Max Goelitz gerade erst das Gallery Weekend in seiner Berliner Niederlassung absolviert. In München zeigt der Galerist jetzt Arbeiten von Lukas Heerich und Rindon Johnson. Deren anspruchsvollen Wunsch, mit Werken Eva Hesses in Dialog zu treten, erfüllt die Kooperation mit Hauser & Wirth (Preise auf Anfrage).

Eva Hesse kultivierte Durchlässigkeit und Instabilität. Die jungen Künstler haben das auf den Ausstellungsraum übertragen, in dem Wände entfernt und Kabel sowie Rohre freigelegt wurden. Heerichs Stützkonstruktion aus Altbalken in einer Fensteröffnung und Johnsons Halbrund einer ohne Mörtel gebauten Ziegelmauer greifen das Thema der Fragilität auf. Für andere Arbeiten wurden Isolierschaum oder Tierdärme eingesetzt: Auch Eva Hesse experimentierte mit ungewöhnlichen Materialien.

Unter der Regie des Gastkurators Matthew James Holman kommt es auch bei Jahn & Jahn zur Zwiesprache junger Kunst mit einem alten Helden. Der abstrakte Expressionist Willem de Kooning lässt in malerischen und zeichnerischen Gesten Körper zwischen Figuration und Abstraktion driften. Das betreibt auf ganz eigene Weise auch Jana Schröder. Die 1983 geborene Schülerin Albert Oehlens füllt mit großformatigen, vor Energie sprühenden Gemälden (je 40.000) die Nachbarsäle.
Man kann das Gastgeber-Konzept auch umdeuten
Zu denjenigen, die das vor allem auf Gastgalerien ausgerichtete Various- Others-Konzept uminterpretieren, gehört Johannes Sperling. Bei ihm wirken „mancherlei andere“ direkt in Anousha Paynes Installation eines Hauses mit, die für den patriarchalischen Bereich steht. Innen spürt zarte Malerei weiblicher Existenz nach, die sich durch Metamorphose zu Faltern aus der häuslichen Routine löst (ab 1700). Inspiriert wurde die Arbeit von Kitty Dohertys Dichtung. Eine Klang-Performance von Ushara untermalt sie atmosphärisch.

Bei Various Others kann nicht jeder mitmachen; nur Abgrenzung schafft ein Eliten-Image. Erstmals hat die Behncke Gallery Aufnahme in den illustren Kreis gefunden. Auch die Münchner Filiale der Galerie Friese debütiert und stellt neue Bilder vor, die Cornelius Völker malerisch prächtig in Transparenzfolie eingeschlagenen Blumensträußen widmet (ab 14.000). Parallel dazu stellt das Berliner Bildlabor Kleistpark das spannende Konzept für seinen 2027 eröffnenden Neubau vor. Neu im Münchner Programm ist schließlich noch ein Preis für die beste Ausstellung. Die Museen ausgenommen, gehen alle Teilnehmer ins Rennen.
Various Others, Programm bis 24. Mai, Galerienausstellungen darüber hinaus
