Israel und der Libanon haben sich den USA zufolge auf die Umsetzung der bisher faktisch kaum wirksamen Waffenruhe geeinigt. Voraussetzung sei, dass die proiranische Hisbollah-Miliz ihre Angriffe vollständig einstelle und sich aus dem Gebiet südlich des Litani-Flusses zurückziehe, teilte das US-Außenministerium mit. Die gemeinsame Erklärung sieht vor, dass sogenannte Pilotzonen im Libanon eingerichtet werden, in denen ausschließlich die regulären libanesischen Streitkräfte die Kontrolle ausüben sollen.
»Diese Schritte werden Fortschritte hin zu einem umfassenden Friedens- und Sicherheitsabkommen ermöglichen«, heißt es in der Erklärung. Wie die Sicherheitszonen eingerichtet werden sollen, ist noch unklar. Offen ist auch, ob die Hisbollah ihre Angriffe einstellen wird.
Im aktuellen Konflikt stehen sich Israel und die vom Iran unterstütze Hisbollah gegenüber. Die libanesische Regierung ist selbst keine Kriegspartei und hat auch nur begrenzt Einfluss auf die Miliz.
Die Zukunft der Beziehungen zwischen Israel und dem Libanon müsse von den beiden Regierungen selbst entschieden werden, hieß es in der Erklärung. Jeder Versuch »staatlicher oder nicht staatlicher Akteure«, die »Zukunft des Libanons als Geisel zu nehmen«, werde zurückgewiesen. Dies schien ein deutlicher Bezug auf den Iran zu sein, der die Hisbollah unterstützt. Die Miliz ist nicht Teil der israelisch-libanesischen Gespräche.
Libanon und Israel hatten bisher keine diplomatischen Beziehungen
Israel und die Hisbollah standen bereits infolge des Gazakriegs in einem offenen Konflikt. Eine im November 2024 geschlossenen Waffenruhe war schon damals äußerst brüchig. Israel griff weiter Hisbollah-Ziele im Libanon an und warf der Schiitenmiliz vor, sich entgegen einer Vereinbarung neu zu bewaffnen. Im Zuge des Irankriegs, den Israel und die USA im Februar begonnen hatten, begann auch die Hisbollah erneut Raketen in Richtung Israel abzufeuern. Es kam zu einer erneuten Eskalation.
Mitte April war im Rahmen der Gespräche zwischen Israel und dem Libanon erstmals wieder eine Waffenruhe verkündet worden. Sie wurde seitdem mehrere Male verlängert. In der Realität ging der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah jedoch weiter. Die Hisbollah setzte ihren Beschuss auf Israel fort, genauso wie Israel seine Angriffe auf angebliche Hisbollah-Stellungen, insbesondere im Südlibanon. Das israelische Militär drang auch immer weiter in das Landesinnere des Libanons vor.
Bei den aktuellen Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA spielt auch die Eskalation im Libanon eine Rolle. Der Iran hat immer wieder eine Waffenruhe im Libanon zu einer der Bedingungen für ein Kriegsende gemacht. US-Präsident Donald Trump teilte zuletzt mit, er wolle die Konflikte gesondert voneinander betrachten.
Der Libanon und Israel pflegen keine diplomatischen Beziehungen und haben nie ein Friedensabkommen geschlossen. Seit April sprechen israelische und libanesische Regierungsvertreter zum ersten Mal seit 1983 auf politischer Ebene direkt miteinander. Aktuell handelt es sich um die vierte Gesprächsrunde. In der Woche vom 22. Juni wollen beide Seiten ihre direkten Gespräche fortsetzen, um ein umfassendes Abkommen zu erzielen und weitere offene Fragen zu klären.
