Der Krieg im Iran sorgt in Teilen der deutschen Chemieindustrie kurzfristig für eine zusätzliche Nachfrage. Wie der Branchenverband VCI mitteilte, legten Produktion und Umsatz der Chemieindustrie im ersten Quartal im Vergleich zum Schlussquartal 2025 jeweils um zwei Prozent zu. Viele Industriekunden bestellen demnach vorsorglich mehr, da sie aufgrund des Krieges im Iran und der blockierten Straße von Hormus mit Lieferengpässen rechnen.
Nach Angaben des Verbands stiegen die Erlöse in sämtlichen Sparten, darunter bei Grund- und Spezialchemikalien, in der Petrochemie sowie bei Körperpflegemitteln. Von einer echten Trendwende will der Verband dennoch nicht sprechen. Das moderate Wachstum in einigen Sparten im ersten Quartal sei kein Zeichen der Stärke, sondern Ausdruck von »geopolitischem Hamstern«, sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. »Wir sehen keine Spur von Aufbruch.« Die Branche stehe unter Dauerstress.
Das spiegelt auch der Vorjahresvergleich wider: Die Produktion in der chemisch-pharmazeutischen Industrie schrumpfte im ersten Quartal um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz fiel um 5,4 Prozent, wie der VCI mitteilte.
Wettbewerbsdruck könnte nach dem Irankrieg wieder zunehmen
Die Branche leidet seit Jahren unter hohen Energiekosten, schwacher Konjunktur, Überkapazitäten und starkem Wettbewerbsdruck aus Asien. Allerdings trifft der Irankrieg viele Konkurrenten in China härter, weil sie stärker von Rohstoffen aus dem Nahen Osten abhängig sind. Dadurch hat der Importdruck aus Asien zuletzt etwas nachgelassen.
Nach Angaben des VCI spürt mehr als ein Viertel der Unternehmen positive Nachfrageeffekte, vor allem große Hersteller im Grundstoffbereich. So konnte beispielsweise BASF nach eigenen Angaben zuletzt spürbare Preiserhöhungen durchsetzen. Auch Evonik rechnet mit einem starken zweiten Quartal. Der VCI geht jedoch davon aus, dass der Wettbewerbsdruck nach einem Ende des Krieges wieder zunehmen wird. Gleichzeitig werden einzelne Vorprodukte wie Lösemittel und Harze knapper.
