An der Konrad-Adenauer-Anlage gräbt ein Bagger seine Schaufel wieder und wieder in den Boden, um das Loch für die Tiefgarage auszuheben. Die nahe Adelheidstraße ist gesperrt. Dort haben Bauarbeiter das Rohr eines unterirdischen Bachs ausgebessert. Beides ist nötig, damit die Innenstadt grüner, schöner, ruhiger, klimaresilienter und klüger bewässert wird als bisher. Wenn alles klappt, wird der erste Bauabschnitt für die Tiefgarage Ende der Woche erledigt sein und die Straßensperrung aufgehoben. Wenige Meter entfernt, im Kurpark hinter der Häuserzeile nämlich, geht es dann erst richtig los.
Deshalb hat die Stadt jetzt dorthin zu einem Ortstermin eingeladen. Mit dabei ist der Gartenarchitekt Johannes Wolf, dessen Kronberger Büro die Arbeiten im Kurpark geplant hat. Im Frühjahr sind dort 16 Bäume gefällt worden, weitere werden weichen müssen. Wolf zeigt auf eine Buche. „Die ist zur Hälfte tot“, sagt der Planer. „Dieses Drama zieht sich durch den ganzen Park.“ Der Grund ist die Trockenheit: Die Rinde bekommt Sonnenbrand, darunter siedeln sich Pilze an. Deshalb soll der Kurpark rund 120 neue Bäume erhalten, wofür von nächster Woche an immer wieder Teile der Anlage gesperrt werden, zunächst am Herzogseck. Idealerweise werden dort in Zukunft Arten wachsen, „die nicht einmal mehr gewässert werden müssen“, sagt Wolf.
Siesmayers Eklektizismus nutzt den Planern
Dabei müssen die Gartenplaner aber berücksichtigen, dass sie in einer historischen Anlage arbeiten. Ein anderer Gartenarchitekt, Heinrich Siesmayer nämlich, hat sie um 1860 entworfen. Zum Glück für die Stadt und das Kronberger Büro ging er dabei eklektisch vor, das heißt: ohne eindeutigen Stil. „Das gibt uns mehr Möglichkeiten, mit Baumarten frei zu arbeiten“, sagt Wolf. Entgegen kommt den Planern auch, dass der Denkmalschutz in diesem Fall Vorgaben des Naturschutzes schlägt: So darf die Stadt auch Arten setzen, die nicht heimisch sind. Dafür aber besser mit dem Klimawandel klarkommen. Und so werden im neuen alten Kurpark bald womöglich Eichen, Eschen und Ahornbäume wachsen, die ursprünglich in südlicheren Gefilden anzutreffen waren. Die neuen Pflanzen sind übrigens unterschiedlich groß, die größten bringen es auf mehr als 40 Meter.

Auch Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko schaut kurz beim Termin vorbei und sagt: „Ich freue mich darauf, dass es jetzt auch hier losgeht.“ Die CDU-Politikerin weist außerdem darauf hin, dass die Veränderungen im Kurpark maßgeblich vom Fördergeld des Bundes gedeckt werden. Die Stadt erhält etwa fünf Millionen Euro, um ihre Mitte dem Klimawandel anzupassen und ein besseres Mikroklima in der Innenstadt zu schaffen.
Dazu gehört auch, dass Königstein sein Brauchwasser klüger nutzt, vor allem das aus dem Kurbad. Bisher fließt es in die Kanalisation. Künftig will die Kommune es reinigen und in eine Zisterne leiten. Die Gruppe steht jetzt schräg vor dem Brunnenhäuschen in der Nähe des Kur- und Stadtinformationszentrums. Darunter befindet sich eine Zisterne, die etwa sieben Kubikmeter Wasser fasst, wie Bauamtsleiter Gerd Böhmig sagt. Jetzt braucht das Häuschen einen neuen Ort, denn unter dem Platz ist die neue Zisterne vorgesehen, die 400 Kubikmeter Wasser vor allem aus dem Kurbad fassen soll. Damit will die Stadt die Bäume dann unterirdisch speisen. Von oben ließe sich mit einer Pumpe notfalls auch Löschwasser entnehmen. Dafür wird, wie Architekt Wolf sagt, von Mitte Oktober an ein „riesengroßes Loch“ ausgehoben.
Auch am eingerüsteten Kurhaus, der Villa Borgnis, gehen die Arbeiten weiter. Mit einem neuen Pächter wird laut Böhmig gerade ein Vertrag vorbereitet, zum 1. Juli 2027 könnten die Königsteiner dort wohl wieder essen, trinken – und im Standesamt heiraten.
