
Als britischer König ist Charles III. zu politischer Neutralität verpflichtet. Donald Trump hielt sich an dieses Protokoll und verzichtete in seiner Rede zur Begrüßung des Königspaars im Weißen Haus auffällig auf politische Bemerkungen und Seitenhiebe. Stattdessen pries der amerikanische Präsident die historische Beziehung beider Nationen.
Charles tat es ihm wenige Stunden später in seiner Rede vor dem versammelten Kongress nach. Doch der König machte seine Standpunkte klar: Er sprach auch über die Bedeutung der NATO und der Gewaltenteilung, die nötige Hilfe für die Ukraine, die Gefahr des Klimawandels und die Vorteile einer diversen Gesellschaft. Allesamt Themen, über die Trump sich häufig kritisch äußert.
Es gelang Charles trotzdem, seine Rede leicht zu halten. Seine Mutter Königin Elisabeth II. war 1991 der erste und bis Dienstag auch letzte britische Monarch gewesen, der vor allen Kongressabgeordneten gesprochen hatte. Gleich zu Beginn merkte Charles unter Verweis auf Oscar Wilde an, man habe „dieser Tage wirklich so ziemlich alles gemeinsam mit Amerika, außer natürlich der Sprache“. Es war der erste von vielen Lachern in der folgenden halben Stunde.
„Laute Rufe ignorieren, uns mehr nach innen zu wenden“
Charles’ und Königin Camillas viertägiger Staatsbesuch in den Vereinigten Staaten hat offiziell zum Ziel, mit den Amerikanern das 250. Jubiläum ihrer Unabhängigkeit zu feiern. In Zeiten angespannter Beziehungen wegen des Irankriegs war die Rede im Kongress jedoch auch eine Aufforderung an Trump, dem historischen Bündnis beider Nationen nicht den Rücken zu kehren. Er bete aus ganzem Herzen dafür, dass das Bündnis „mit unseren Partnern in Europa, im Commonwealth und auf der ganzen Welt“ weiterhin die gemeinsamen Werte verteidige, sagte Charles. „Und dass wir die lauten Rufe ignorieren, uns immer mehr nach innen zu wenden.“
Es war sicherlich kein Zufall, dass der König an den ersten Bündnisfall der NATO nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erinnerte. Man habe damals wie heute an der Seite der Vereinigten Staaten gestanden, „Schulter an Schulter in zwei Weltkriegen, im Kalten Krieg, in Afghanistan“ und anderen entscheidenden Momenten. Genau diese „unerschütterliche Entschlossenheit“ brauche es dieser Tage für die Verteidigung der Ukraine und ihres Volkes, hob Charles hervor. Es folgte Applaus.
Trump wirft den Verbündeten der NATO im Zuge des Ukrainekriegs und jüngst auch in der Debatte um den Irankrieg vor, Washington immer wieder im Stich zu lassen. Im Januar hatte er gar behauptet, NATO-Soldaten hätten sich in Afghanistan immer „etwas abseits der Frontlinien“ gehalten. Der britische Premierminister Keir Starmer, mit dem Trump sich über die britische Unterstützung im Nahen Osten überworfen hat, sprach das damals beim Präsidenten an. Daraufhin ruderte Trump zurück und schrieb auf seiner Plattform Truth Social, die „großartigen und sehr mutigen“ britischen Soldaten stünden immer an der Seite der Vereinigten Staaten.
König nennt im politischen Kontext keinerlei Namen
Charles verzichtete im Kongress auf jegliche Namensnennungen im politischen Kontext, doch er zitierte seinen „Premierminister“ mit den Worten, die amerikanisch-britische Partnerschaft sei unverzichtbar. In diesen unvorhersehbaren Zeiten dürfe das Bündnis sich jedoch nicht auf „vergangenen Errungenschaften ausruhen“, sondern müsse darauf aufbauen. Als einen Schritt nannte der König die im vergangenen Jahr angekündigte Erhöhung der britischen Verteidigungsausgaben.
Mit seinem Lob für den Kongress als Ort, der den „Geist der Freiheit und das Versprechen der amerikanischen Gründervater“ atme, verband Charles auch eine sanfte Mahnung. Hier zähle „nicht der Wille eines Einzelnen“, sondern es werde das „lebendige Mosaik“ der Vereinigten Staaten repräsentiert. Dann verwies der König auf die Historische Gesellschaft des Obersten Gerichtshofs, die unter anderem die Geschichte des Gerichts sammelt.
Sie habe ermittelt, die Magna Carta sei seit 1789 in mindestens 160 Urteilen zitiert worden. „Nicht zuletzt als Grundlage für den Grundsatz, dass die Exekutivgewalt einem System der gegenseitigen Kontrolle unterliegt“. Das englische Dokument von 1215 schrieb zum ersten Mal fest, dass ein König nicht über dem Gesetz steht, und wurde später eine Grundlage für die amerikanische Gewaltenteilung.
Trump: War sehr neidisch auf Rede von Charles
Sollte Trump, dessen Laune sich schnell ändern kann, sich stellenweise über Charles’ Rede geärgert haben, ließ er sich das nicht anmerken. Vor dem Staatsbankett am Dienstagabend sagte er in dessen Beisein, der König habe eine großartige Rede gehalten, er sei „sehr neidisch“ gewesen. Während die Rede im Kongress lief, veröffentlichte das Weiße Haus ein Foto der beiden Männer auf X und schrieb dazu: „Zwei Könige“, mit Kronen-Emoji. Am Vormittag hatte sich Trump entgegen seiner Gewohnheit weitgehend ans Skript gehalten, historische Anekdoten eingestreut und die tiefe Verbundenheit der beiden Nationen hervorgehoben.
Anlässlich des feierlichen Empfangs auf dem Südrasen sagte er, es möge ironisch erscheinen, dass man ausgerechnet zum Beginn der 250-Jahr-Feierlichkeiten den britischen König ehre. Schließlich hatten die Kolonien ihren Bruch mit der britischen Krone mit der Unabhängigkeitserklärung von 1776 besiegeltet. Doch nichts sei passender als dieser Staatsbesuch, hob Trump hervor. Lange vor der Nationswerdung und der Verabschiedung einer Verfassung hätten die Amerikaner „das seltenste aller Geschenke“ in sich getragen: Zivilcourage. Die habe aus einem „kleinen, aber mächtigen Königreich jenseits des Meeres“ gestammt, schon zweihundert Jahre vor der Revolution.
Der Präsident verwies auf ein „lebendiges Symbol“ der Beziehung beider Nationen im Garten des Weißen Hauses – eine Winterlinde, die Elisabeth II. während ihres Besuch 1991 gepflanzt hatte. Die sei seither genauso gewachsen wie das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten. Der Baum sei „von britischen Händen gepflanzt“ worden, aber in amerikanischer Erde gewachsen. Wie die mächtigsten Bäume brauchten auch die größten Nationen starke, tiefe Wurzeln.
In den Jahrhunderten seit der Unabhängigkeit, hob Trump hervor, habe man „keinen engeren Freund“ als die Briten gehabt. Er sei zuversichtlich, dass das auch in Zukunft so sein werde. Charles’ „Intellekt, Leidenschaft und Hingabe“ seien ein Segen, nicht nur für die eigene Nation, sondern auch für die Beziehung mit den Vereinigten Staaten.
Im heitereren Teil seiner Rede erwähnte der Präsident seine in Schottland geborene Mutter Mary Anne MacLeod Trump, die nach ihrem Umzug in die Vereinigten Staaten 63 Jahre lang mit seinem Vater Fred verheiratet gewesen sei. Der 79 Jahre alte Trump scherzte an First Lady Melania Trump gewandt: „Das ist ein Rekord, den wir nicht brechen werden, Darling. Tut mir leid. Wir werden es gut machen, aber das schaffen wir nicht.“ Die beiden sind seit 21 Jahren verheiratet. Dann wandte Trump sich an den König: Seine Mutter sei ein großer Fan des „jungen Charles“ gewesen. „Sie hat für ihn geschwärmt, könnt ihr euch das vorstellen?“
Der König wiederum erlaubte sich in seiner Rede während des Staatsbanketts am Abend einige Scherze in Richtung Trumps. So merkte er an, ihm seien die „Umgestaltungen“ am East Wing nicht entgangen. Er müsse leider sagen, dass auch die Briten 1814 einen „eigenen kleinen Versuch einer Immobilien-Neuentwicklung des Weißen Hauses“ unternommen hätten. Im August 1814 hatten britische Truppen Washington eingenommen und das Weiße Haus in Brand gesteckt. Trump hatte den Ostflügel des Gebäudes jüngst abreißen lassen, um Platz für einen größeren Ballsaal zu machen.
