München sollte es eigentlich sein, es gab schon erste Pläne von Gottfried Semper, dem bedeutendsten deutschen Opernarchitekten überhaupt. Auch Zürich war im Gespräch als Standort für das ersehnte Opernhaus. Und Weimar. Stattdessen wurde es Bayreuth, im Frühjahr 1870 fiel die Entscheidung. Es war eine gute Idee, so viel steht fest. Zuallererst für Richard Wagner, das Selbstvermarktungsgenie. Der Komponist schuf mit dem Bau seines Festspielhauses einen schon bald weltberühmten Wallfahrtsort, der sich mit seinem Namen verband. Günstig gelegen zwischen München, wo sein Gönner Ludwig II. saß, und Berlin, wo sich Geld und Macht und Prominenz des aufziehenden Kaiserreichs ballen sollten. Für solche Dinge besaß Wagner ein untrügliches Gespür, im Werk wie im Leben.
Gelohnt hat sich die Sache auch für Bayreuth, das seit dem Bau des Festspielhauses auf der Weltkarte der bedeutenden Musikstädte zu finden ist. Und davon auch ganz handfest profitiert, vor allem in Gestalt von fast 60.000 Besuchern, die jeden Sommer in die Stadt kommen und viel Geld dalassen, in den Hotels und in den Gaststätten. Im herrlichen Antiquariat von Rainer Schlicht, das nur in der Festspielzeit aufmacht und sich trotzdem trägt. Und bei den Juwelieren und Goldschmieden, von denen es in der Innenstadt so viele gibt wie andernorts Ein-Euro-Läden. Die Investition der Stadtväter, die Wagner damals ein Grundstück auf einem Hügel am nördlichen Stadtrand unentgeltlich zur Verfügung stellten, um sein finanziell auf wackligen Füßen stehendes Projekt zu fördern, hat sich wahrlich bezahlt gemacht.
Einen Preis zahlen die Bayreuther allerdings schon. Sie müssen damit leben, dass ihre Stadt regelmäßig als Provinz herabgesetzt wird, in die einmal im Jahr die große Welt einfällt. Die Pointe ist zu naheliegend, um sie auszulassen. Wagner selbst hatte den Ton gesetzt, als ihm für sein Festspielhaus eine „schöne Einöde“ vorschwebte, „fern von dem Qualm und dem Industrie-Pestgeruche unsrer städtischen Civilisation“. Das war zwar noch gar nicht auf Bayreuth gemünzt, aber es passt halt gut und wird deshalb gern zitiert.
Drei Ohrfeigen für die Bayreuther
Der Komponist ließ sich immerhin ganz auf die Sache ein und zog nach Bayreuth. So entstand Haus Wahnfried, eine noble, aber keineswegs protzige Villa, die der Hausherr so nannte, weil dort sein „Wähnen Frieden fand“. Soll heißen: weil mit dem Einzug innere und äußerliche Ruhe in sein bis dahin rastloses Leben einkehrten. Was ihn nicht davon abhielt, gelegentlich im privaten Kreis über die Enge seiner Umgebung zu lästern.
Der jetzige Herr von Haus Wahnfried steht ihm darin nicht nach, im Gegenteil. Sven Friedrich, seit mittlerweile 33 Jahren Direktor des Richard-Wagner-Museums, kommen Sottisen auf Kosten der Stadt ziemlich leicht über die Lippen: „Der Hügel ist sowohl geographisch wie intellektuell extraterritoriales Gebiet“, sagt er während eines Gesprächs im Siegfried-Wagner-Haus, einem Nebengebäude von Haus Wahnfried, in dem er sein Büro hat. Friedrich ist jetzt 63, ein Alter, in dem andere milde werden. Er aber schaut sein Gegenüber immer noch kampfeslustig an. Er denkt schnell, spricht druckreif, spitzt gern zu und steht zu dem, was er gesagt hat. Es ist das reinste, selten gewordene Vergnügen.

Extraterritorial also. Man könnte es auch so formulieren: Bayreuth gibt es zweimal. Zum einen ist da die oberfränkische Siedlung mit etwa 73.000 Einwohnern und zum Zweiten das, was die Wagnerianer und die Antiwagnerianer und alle dazwischen meinen, wenn sie „Bayreuth“ sagen. Darin fließt vieles zusammen, die Figur Richard Wagner, sein Werk, sein Festspielhaus, seine Nachfahren, die von ihnen geleiteten Festspiele, das jährliche Prominentendefilee zur Eröffnungspremiere und einiges andere, was noch daran hängt, Hitler etwa. Kurz: der Mythos Bayreuth.
Diese doppelte Bedeutung eines Ortsnamens gibt es in der kulturdeutschen Champions League kein zweites Mal, mit Ausnahme von Weimar vielleicht. Aber Weimar steht für mehr als Goethe und mehr als Schiller und für mehr als beide zusammen. Das zweite Bayreuth dagegen ist Wagner und sonst niemand.
Stellt sich die Frage, wie groß die Schnittmenge zwischen dem ersten und dem zweiten Bayreuth ist. Für Friedrich, den gebürtigen Norddeutschen, der den fränkischen Dialekt ziemlich gut nachahmen kann, denkbar klein. Das macht er mit drei Sätzen deutlich, die sich wie Ohrfeigen anhören: „Bayreuth ist an sich keine Kulturstadt.“ Und: „Alle, die hier etwas bewegen, sind nicht hier geboren.“ Und: „Bayreuth ohne Festspiele wäre eine Stadt wie Weiden in der Oberpfalz.“ Auf den Goldenen Ehrenring der Stadt Bayreuth, nach der Ehrenbürgerwürde die höchste Auszeichnung der Stadt, scheint es der furchtlose Friedrich nicht abgesehen zu haben, so viel ist sicher.
Stadtgründerin Wilhelmine von Preußen
Bleibt die Frage, inwieweit Friedrich recht hat. Die Antwort ist etwas kompliziert. Das hat mit Wilhelmine von Preußen zu tun. Die 1709 geborene Schwester von Friedrich dem Großen war eigentlich ausersehen, englische Königin zu werden, doch das zerschlug sich. Stattdessen heiratete sie Markgraf Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth. Oberfranken statt London also, 1732 kam sie in dem Städtchen an. Entsetzt von der ärmlichen Provinzialität ihrer neuen Heimat machte sich die musisch Viel- und Hochbegabte gemeinsam mit ihrem Mann, mit dem sie wider Erwarten zumindest für ein paar Jahre glücklich war, daran, Stadtbild und Kulturleben auf ein ganz neues Niveau zu heben.
Das gelang: Das Markgräfliche Opernhaus, heute Weltkulturerbe, war ihr Werk. Der prachtvolle Rokoko-Theaterbau wurde im September 1748 anlässlich der Vermählung der Tochter des Markgrafenpaares, die Casanova als schönste Frau Deutschlands bezeichnete, eingeweiht. Es war nur eines unter vielen Gebäuden, deren Bau Wilhelmine angestoßen hat. Auch das Neue Schloss mit dem Hofgarten, die Spitalkirche und die Prachtmeile namens Friedrichstraße, eine Art Miniaturausgabe von Unter den Linden, gehen auf sie zurück. Dazu das Haus, das seit bald 200 Jahren als Hotel Goldener Anker firmiert und in dessen Gästebuch sich einige der glanzvollsten und schrecklichsten deutschen Namen des 20. Jahrhunderts finden. Alles gebaut in einem Sandstein, der melancholisch stimmt, vor allem, weil er sich im Laufe der Jahre auch noch dunkel verfärbt hat. Zudem ließ sie die Eremitage erweitern, eine prächtige Parkanlage im Osten der Stadt.

Bayreuth erhielt durch Wilhelmines Wirken eine neue Gestalt, man kann von einer zweiten Stadtgründung sprechen. Und es ist fast alles noch da, ansehnlich und gepflegt präsentiert sich Wilhelmines Bayreuth heute noch, ohne geleckt auszusehen. Die Stadt hat allein schon dank Wilhelmine Weiden in der Oberpfalz einiges voraus. Und ohne sie wäre Wagner nicht nach Bayreuth gekommen, denn ihn zog der Ruf ihres Opernhauses, das dann für seine Festspielzwecke doch nicht geeignet war, überhaupt erst in die Stadt.
Wenn das Provinz ist, dann ist man gern dabei
Wer nach Bayreuthern sucht, die etwas in der Stadt bewegen, sollte das Palais mit der Adresse Friedrichstraße 2 aufsuchen, das vier Jahre vor Wilhelmines Tod 1758 errichtet wurde. Es ist Stammsitz der Klaviermanufaktur Steingraeber & Söhne, die zu den angesehensten ihrer Art in der Welt gehört. Wobei das „Söhne“ vor Kurzem verschwunden ist, denn an die Spitze des Unternehmens ist jüngst Fanny Steingraeber getreten, in der siebten Generation, gemeinsam mit ihrem Bruder.
Anlässlich der Festspiele haben die Steingraebers zu einer Vernissage geladen. Grund für die kleine Feier um die Mittagszeit ist die Präsentation von vier Klavieren und einem Flügel. Der Künstler Antoine Wagner hat sie bemalt, ihnen Motive eingebrannt oder sie mit einer bunten Mischung aus Furnierhölzern von unterschiedlichen Kontinenten versehen. Fanny Steingraeber begrüßt die Gäste, sie spricht frei, ein Hauch Nervosität macht ihre Begeisterung noch sympathischer. Entspannt geht es hier zu, im kleinen Barockgarten hinterm Haus wird Wein ausgeschenkt.

Antoine Wagner, ein zugewandter Mann Mitte vierzig, ist der Sohn von Eva Wagner-Pasquier, die von 2008 bis 2015 gemeinsam mit ihrer Halbschwester Katharina Wagner die Festspiele geleitet hat. Der Ururenkel Richard Wagners mit seinen Christoph-Schlingensief-mäßig verwuschelten Haaren ist in Paris aufgewachsen und lebt in New York, aber weil er jeden Sommer nach Bayreuth kommt, spricht er sehr gut Deutsch. Auch er schnappt sich das Mikrofon und erzählt, wie er im Gewächshaus des Botanischen Gartens von Bayreuth den Flügel mit japanischer Tinte bemalte, nach der Natur der dort wachsenden Pflanzen. Dann setzt sich eine junge Frau mit osteuropäischem Akzent spontan an die Klaviere und spielt jeweils ein paar Takte. Wenn das Provinz ist, dann ist man sehr gern dabei.
In den Berichten der Lokalmedien über die Vernissage gehen die Meinungen anschließend diametral auseinander, was das Aussehen des Künstlers angeht: Antoines Ähnlichkeit mit dem berühmten Ahnherrn sei verblüffend, heißt es im Beitrag von TV Oberfranken. Die scharfkantigen Züge von Richard und Cosima hätten sich über die Generationen hinweg verloren, heißt es dagegen im „Kulturbrief“, einem Bayreuther Onlinemagazin.
Auch die Familie Wagner gibt es zweimal
Wer ein Wagner ist, muss sich daran gewöhnen, dass die Leute genau hinschauen. Und auch, dass sie sehr eigenwillig deuten, was sie sehen. Wie Bayreuth existiert auch der Wagner-Clan zweimal. Einmal, als Idole, für die Wagnerianer: „Es gibt diesen Dynastie-Wahn“, meint Friedrich, „Wolfgang Wagner sagte mir einmal, er müsse sich Wagnerianern erwehren, die ihn nur berühren wollen.“ Und auf der anderen Seite für die Bayreuther. Sie kennen das Alltagsgesicht der Familie.
Beim Rundgang durch die Stadt weiß Fremdenführerin Anne Schmidt davon zu berichten: Richard Wagner ging oft mit seinen Hunden durch den Hofgarten spazieren und kehrte dann in einem seiner Lieblingsgasthöfe ein; sein charismatischer Enkel Wieland hauste nach dem Krieg mit seiner Familie in der nach einem Bombenschaden notdürftig hergerichteten Ruine von Haus Wahnfried, während dessen bodenständiger Bruder Wolfgang mit einem Nebengebäude vorliebnehmen musste.
Winifred fuhr gern mit offenem Wagen durch die Stadt
Und dann ist da noch die Mutter von Wieland und Wolfgang und Schwiegertochter von Richard, Winifred Wagner, die gern mit dem offenen Wagen durch die Stadt fuhr. Und die eng mit Adolf Hitler befreundet war. Onkel Wolf sagten Wieland und Wolfgang zum ihm. Schmidt berichtet davon anschaulich, aber ohne in einen unangemessenen Anekdotenton zu verfallen. Die Familie Wagner, der Antisemitismus und die Nazis, das ist ein Stoff, mit dem man sich hier schon lange auseinandergesetzt hat.
Allen voran Sven Friedrich. Bei diesem Thema verzichtet er auf jede Provokation, nicht aber auf Deutlichkeit. „Wir haben in den letzten zwanzig Jahren viel zum Thema Antisemitismus gemacht; dass Wagner ein Antisemit war, ist eine Binse“, sagt er. Und deshalb leidet er gerade doppelt. Im vergangenen Jahr hat der Bayreuther Stadtrat die Einrichtung eines Dokumentationszentrums überraschend abgelehnt. Es war ein Herzensprojekt von Friedrich, in dem untersucht werden sollte, wie Bayreuth zu einer Kultstätte der Nationalsozialisten werden konnte, mit Wagners Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain als zentraler intellektueller Figur. In dessen neben Haus Wahnfried gelegener Villa sollte das Zentrum unterkommen.
Der Mythos Hitler wabert weiter durch Bayreuth
Und andererseits musste Friedrich anlässlich der Feier zum hundertfünfzigjährigen Jubiläum der Festspiele und der Aufregung um die Ausladung von Michel Friedman erleben, dass selbst von der bayerischen Staatsregierung unterstellt wurde, man stehe in Bayreuth quasi noch am Anfang der Aufarbeitung. Eine Zumutung nicht nur für Friedrich, der schon lange darauf hinweist, dass der Antisemitismus integraler Bestandteil von Richard Wagners Kunsttheorie ist. Die einen ignorieren die geleisteten wissenschaftlichen und künstlerischen Auseinandersetzungen, die anderen boykottieren ihre Vertiefung. Fast könnte man zu dem zynischen Schluss kommen, dass es manchem recht ist, wenn Hitler weiter als Mythos durch Bayreuth wabern darf.
Katharina Wagner reagierte auf die Vorhaltungen souverän, indem sie darauf hinwies, dass die Auseinandersetzung längst geschehen sei und weiter betrieben werde. Wer sie bei den Jubiläumsfeierlichkeiten beobachtet hat, sah in ihr die unangefochtene Herrin des Hügels. Katharina Wagner ist Jahrgang 1978, Amtsmüdigkeit hat sie bisher nicht erkennen lassen. Aber irgendwann wird sich die Nachfolgefrage stellen. Sven Friedrich hat auch hier eine klare Meinung: „Wenn die Eignung gegeben ist, sollte ein Familienmitglied die Festspiele leiten.“

Damit dürfte er sich ausnahmsweise im Bayreuther Mainstream bewegen, in der Stadt wie unter den Wagnerianern. Die Familie Wagner ist ein elementarer Bestandteil des Mythos; ihn in die Hand von jemandem legen zu wollen, der in einem transparenten Ausschreibungsverfahren unter politischer Gremienaufsicht bestimmt wurde, wäre für die Aura der Festspiele riskant.
Es ist Zeit, den Hügel hinaufzufahren, auf dem wir mit Tim Decker verabredet sind. Er ist ein Geistesverwandter von Sven Friedrich, Insider und Outsider zugleich, nahe dran, aber mit kritischem Blick. Wir setzen uns auf eine Bank vor dem Festspielshop mit Blick auf das Festspielhaus, diesen eigenartigen Bau, in dem sich Fabrik- und Repräsentationsarchitektur in einem heiter-bescheidenen Historismus auf einzigartige Weise vermengen.
In seinem Shop, in dem sich Wagnerianer mit CDs, Zitate-T-Shirts und Devotionalien versorgen können, hat Decker, selbst ein Opernkenner von Gnaden, beobachten können, wie sich das Publikum über die Jahrzehnte verändert hat. Von anspruchsvollen Büchern über Wagner, die früher stapelweise weggingen, verkauft er heute nur noch einzelne Exemplare. Auch sonst verschieben sich Dinge. „Die Stadt hat die Festspiele früher stärker gelebt“, sagt Decker. Bäcker, Fleischer, Bestatter – alle hätten ihr Schaufenster anlässlich der Festspiele dekoriert. Das sei vorbei.
Wagner, rasiert und geföhnt
Der Augenschein bestätigt seine Diagnose: Beim Bummel durch die Stadt ist nur die Aktion der Friseurkette „Cutting Crew“ ins Auge gestochen. Die ist allerdings ziemlich lustig: KI-generierte Bilder zeigen, wie Wagner sich rasieren und föhnen lässt. Etwas, was man ihm beim Blick auf seine Porträtaufnahmen unausgesprochen schon immer gewünscht hat.
Die Standorttreue der Künstler habe gelitten, sagt Decker. Wolfgang Wagner konnte noch durchsetzen, dass die Sänger während der Festspiele in der Werkstatt Bayreuth blieben, viele brachten ihre Familien mit. Heute entschwinden Sänger zwischendurch zu Auftritten bei den Festspielen in München und Salzburg. Das Business sei härter geworden, sagt Decker, seit die Einnahmen aus den Plattenverkäufen weitgehend weggefallen seien.
Die Restaurants haben weniger Gäste
Auch das Publikum ist mobiler geworden. Immer mehr Festspielgäste fahren nach den Vorstellungen nach Hause, selbst wenn die Fahrtzeit zwei, drei Stunden beträgt. Das macht sich in der Stadt bemerkbar, in den Restaurants, die weniger Gäste haben als früher. Hinzu kommt, dass immer mehr Hotels ihren Gästen einen Shuttleservice zum Festspielhaus anbieten; damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie das hoteleigene Dinner buchen. Er könne seinen Laden nicht spätabends für eine Handvoll Gäste geöffnet lassen, habe ihm ein Wirt gesagt, berichtet Decker: „Und die bestellen dann einen kleinen Salat und ein Glas Wasser.“ Kurz, früher war mehr Hojotojo in der Bayreuther Gastronomie.
Das alles hat Auswirkungen auf die Stimmung in der Stadt. Und auf den Mythos, der von Ritualen lebt. Die Festspiele, die nicht mehr so überbucht sind wie einst, versuchen gegenzusteuern, mit populären Angeboten. Decker beobachtet das mit Verständnis und Skepsis. Aber dann fügt er hinzu, wie schön es immer noch sei, die Festspiele zu erleben, und sei es nur von außen, wenn man wie er darauf wartet, dass die Kundschaft in den Pausen vorbeikommt. Er schwärmt von der besonderen Atmosphäre, die sich einstellt, wenn an heißen Tagen die Fenster des Festspielhauses offen bleiben und die Musik hinausweht über den Hügel. Ganz zu schweigen davon, wie herrlich es erst drinnen sein kann, dort, wo die eigentliche Arbeit am Mythos Bayreuth geleistet wird.
Wer nach der Vorstellung nicht nach Hause fährt oder ins Hotel, dem sei empfohlen, die paar Schritte den Hügel hinauf zu machen zum Restaurant „Bürgerreuth“. Wenn man Glück hat, ist es ein lauer Sommerabend und im Biergarten ist noch ein Tisch frei. Dort sitzt man an der schönsten Schnittstelle der beiden Bayreuth, denn man wird nicht lange warten müssen, bis die ersten Sänger auftauchen. Sie bekommen ihren Sonderapplaus, kurz und herzlich. Darüber freuen sie sich. Und dann werden sie in Ruhe gelassen.
Bisher erschienen: Neuschwanstein (25. Juni), Heidelberg (9. Juli), Loreley (23. Juli).
