Bei einem russischen Luftangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew sind in der Nacht zum Montag mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen, teilte der Leiter der Militärverwaltung der Stadt, Tymur Tkatschenko, am Montagvormittag mit. Zudem zählten die Behörden bisher 60 Verletzte, darunter fünf Kinder. Es ist der zweite schwere Angriff auf Kiew binnen vier Tagen. Am vergangenen Freitag hatte es nach russischen Luftangriffen 31 Tote in Kiew gegeben.
Wie in der vergangenen Woche wurden auch diesmal Wohngebäude getroffen. Im nördlich des Zentrums gelegenen Stadtteil Podilskyj stürzte ein neunstöckiger Wohnblock nach einem Raketentreffer teilweise ein. Rettungskräfte befreiten Menschen, die wegen demolierter Türen nicht aus dem Gebäude herauskamen. Das Portal „Kyiv Independent“ zitierte eine Frau, deren Mutter im neunten Stock gewohnt habe. „Ihre Wohnung ist jetzt weg.“
Keine einzige ballistische Rakete abgefangen
Der ukrainischen Luftwaffe zufolge griff Russland mit einer Kombination aus 351 Drohnen, 39 Marschflugkörpern und 29 ballistischen Raketen an. Davon hätten 326 Drohnen und 37 Marschflugkörper unschädlich gemacht werden können.
„Unsere Kämpfer haben heute gute Arbeit beim Abfangen von Drohnen und Marschflugkörpern geleistet, leider aber nicht bei russischen ballistischen Raketen“, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Plattform X. „Der Grund liegt in der unzureichenden Versorgung mit Abfangraketen.“ Bereits am Freitag hatte Selenskyj eindringlich darum gebeten, die Ukraine mit mehr Patriot-Abwehrraketen zu versorgen. Nur mit ihnen können ballistische Raketen zuverlässig abgefangen werden.
Die offene Flanke in der ukrainischen Flugabwehr nutzt Russland gnadenlos aus. Es sei von entscheidender Bedeutung, dass die USA und die europäischen Unterstützerländer beim NATO-Gipfel in Ankara starke Entscheidungen träfen, „die unserer Luftverteidigung helfen und damit Menschenleben schützen“, sagte Selenskyj. „Solange Patriot-Raketen in den Beständen unserer Verbündeten lagern, wird Russland nur ermutigt, weiterhin Wohngebäude zu ‚besiegen‘.“
Bereits am Sonntagabend hatte Selenskyj die Bevölkerung vor einem weiteren massiven russischen Luftangriff gewarnt und dieses Verhalten als „typisch für Putin“ bezeichnet. Dieser wolle „direkt nach dem Unabhängigkeitstag der USA und vor dem NATO-Gipfel in Ankara mehr Angst und Schrecken verbreiten und Menschen töten“.
Zehntausende Kiewer verbrachten daraufhin abermals die Nacht in Schutzbunkern und U-Bahn-Stationen. Der Angriff geschah zudem, nachdem US-Präsident Donald Trump mit Putin und Selenskyj telefoniert hatte. Am Mittwoch sollen Trump und Selenskyj beim NATO-Gipfel in der Türkei zusammentreffen.
