
Der Thüringer Technologiekonzern Jenoptik hat wegen der gestiegenen Nachfrage von Ausrüstern der Halbleiterindustrie im zweiten Quartal deutlich mehr verdient als erwartet. Auch der Auftragseingang überraschte positiv. Der Umsatz blieb leicht unter dem Durchschnitt der Analystenschätzungen. Mit Blick nach vorne wird der M-Dax-Konzern optimistischer.
Die bisherige Prognose für ein prozentual einstelliges Umsatzwachstum im Gesamtjahr grenzte das Unternehmen ebenso auf die obere Hälfte des Korridors ein wie die Erwartungen an die operative Marge, die bisher bei 19 bis 21 Prozent lagen. Die Aktie stieg zeitweise mehr als sieben Prozent. Die Marktkapitalisierung des ostdeutschen Vorzeigeunternehmens, das nach der Wende aus Teilen des ehemaligen Kombinats Carl Zeiss entstanden ist und 1998 den Sprung an die Börse wagte, beträgt etwas mehr als zwei Milliarden Euro und ist damit ungefähr doppelt so hoch wie vor zwölf Monaten.
„Rechenzentren brauchen Chips, und Chips brauchen Optik“, sagte Dominic Dorfner, der neue Vorstandsvorsitzende von Jenoptik, anlässlich seines Amtsantritts Anfang August der F.A.Z. über die Bedeutung des KI-Booms für das Unternehmen. Der Optik- und Photonikspezialist aus Jena liefert Komponenten an Unternehmen wie ASML, dessen Maschinen in der Produktion von Chips zum Einsatz kommen, die für die Rechenoperationen der Künstlichen Intelligenzen benötigt werden.
Kein Update zum Strategieprozess
Wachstumschancen sieht Dorfner auch im Segment Biophotonik, im Geschäft mit Medizintechnik und mit Komponenten für die Rüstungsindustrie. Die Präsentation der Halbjahreszahlen überließ Dorfner am Mittwoch seinen Vorstandskollegen Ralf Kuschnereit und Prisca Havranek-Kosicek, die das Geschäft seit dem Ausscheiden des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Stefan Traeger Mitte Februar bis zum Amtsantritt Dorfners verantworteten.
Zum derzeitigen Strategieprozess ließ der neue Vorstandsvorsitzende sich noch nicht in die Karten schauen. „Mein Fokus in den nächsten Wochen wird sein, zuzuhören“, sagte Dorfner in einer Telefonkonferenz mit Analysten. „Ich gehe davon aus, dass wir erste Ergebnisse des Strategieprozesses frühestens zum Jahresende vorstellen werden“, sagte er. Der KI-Boom für Jenoptik dürfte noch über das Jahresende hinaus andauern, auch wenn an den Finanzmärkten immer wieder Unsicherheit um sich greift, ob die Milliardeninvestitionen in KI-Rechenzentren andauern.
Prisca Havranek-Kosicek, die Finanzvorständin von Jenoptik, trat am Mittwoch ebenfalls auf die Euphoriebremse. Der im Vergleich mit dem zweiten Quartal des Vorjahres um ein Drittel auf knapp 370 Millionen Euro gestiegene Auftragseingang sei zwar sehr erfreulich, sagte sie. Einige Aufträge seien aber früher eingegangen als erwartet. „Wir glauben deshalb, dass die sehr starke Auftragsdynamik im zweiten Halbjahr nicht anhalten wird“, sagte Havranek-Kosicek.
Der Umsatz von Jenoptik stieg in den drei Monaten bis Ende Juli im Vorjahresvergleich um drei Prozent auf 262 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte um 28 Prozent auf knapp 55 Millionen Euro zu. Die Marge sprang von 16,7 auf 20,8 Prozent. Unter dem Strich weist Jenoptik für das zweite Quartal 23 Millionen Euro Gewinn aus, das sind zwei Fünftel mehr als vor einem Jahr.
