Die durchschnittliche Arbeitszeit pro Kopf in Deutschland ist leicht gesunken. Nach Berechnungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) haben 2025 Menschen im Alter von 20 bis 64 Jahren 0,3 Stunden pro Woche weniger gearbeitet als 2023 – das war das Jahr mit der höchsten wöchentlichen Arbeitszeit, seitdem dieser Wert erfasst wird. Insgesamt lag die durchschnittliche Arbeitszeit 2025 bei 28,5 Wochenstunden, 2023 waren es noch 28,8 Wochenstunden.
Laut BiB bezeichnet die Arbeitszeit pro Kopf, die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit aller 20- bis 64-Jährigen, nicht nur der Erwerbstätigen. Sie ist eine wichtige Messgröße für das Arbeitskräfteangebot. Der Rückgang der Arbeitszeit pro Kopf im vergangenen Jahr entspricht rechnerisch rund 460.000 Vollzeitstellen. Besonders deutlich sank die Arbeitszeit bei Männern sowie bei jüngeren und mittleren Altersgruppen (25- bis 54-Jährige), während sie bei älteren Menschen weiter zulegte.
Bei den über 60-Jährigen nahm die Arbeitszeit pro Kopf nach den Berechnungen weiter zu, unter anderem wegen der schrittweisen Anhebung des Renteneintrittsalters. »Die Arbeitszeit pro Kopf macht sichtbar, in welchem Umfang wir die vorhandenen Erwerbspotenziale tatsächlich ausschöpfen«, sagte BiB-Forschungsdirektor Sebastian Klüsener. »Sie wird künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Denn in den nächsten Jahrzehnten wird die Zahl der Erwerbspersonen durch die Alterung weiter zurückgehen.«
Frauen arbeiten wöchentlich genauso viel wie in Vorjahren
Bei Frauen sei die Arbeitszeit mit gut 24 Stunden pro Woche weitgehend stabil geblieben, sagten die BiB-Forscher. Das hänge auch damit zusammen, dass es weiterhin Fachkräftelücken etwa in Bildung und Kinderbetreuung sowie im Gesundheitswesen gebe, in denen Frauen besonders häufig arbeiten. Die Auswertung zeigt auch Unterschiede nach Bildungsniveau: Bei Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss fällt die Arbeitszeit pro Kopf am stärksten zurück, bei höher Qualifizierten fällt der Rückgang geringer aus.
Der Rückgang der Arbeitszeit pro Kopf hängt auch mit der konjunkturellen Lage zusammen. »Wirtschaftliche Schwächephasen gehen typischerweise mit einem Rückgang der Arbeitszeit pro Kopf einher. Das ist derzeit auch zu beobachten«, sagte der BiB-Forscher Harun Sulak.
Die Berechnungen des BiB basieren auf Daten des Mikrozensus. Die Werte wurden zudem unter Berücksichtigung der Altersstruktur der Bevölkerung im Jahr 2025 altersstandardisiert, um demografische Verschiebungen als Einflussfaktor herauszurechnen.
