
Das Wort Crack hat viele Bedeutungen, die mühelos mit der aktuellen amerikanischen Geldpolitik in Zusammenhang gebracht werden können. Crack steht für den Spitzensportler, den ausgewiesenen Spezialisten und manchmal für das erfolgreiche Rennpferd. Nach knapp vier Monaten Amtszeit ist nicht klar, ob sich Kevin Warsh dafür die Sporen verdient hat, aber Abbitte schuldet man ihm. Er zeigt Statur, indem er sich Präsident Donald Trump widersetzte. Er stimmte nicht nur für höhere Zinsen, er macht die Inflationsbekämpfung zum Kernanliegen.
Crack ist Teil des Fachbegriffs Crack-Spread, der die Aufmerksamkeit der Märkte und von Kevin Warsh gefunden hat. Crack-Spread bezeichnet die Rohmarge von Raffinerien, die sie bei der Umwandlung von Rohöl in Benzin und Diesel erzielen. Sie ist dramatisch gestiegen, weil die Verarbeitungskapazitäten knapp geworden sind. Russland liefert nicht mehr ins Ausland, Lieferungen aus dem Mittleren Osten stocken. Amerikas Raffinerien laufen rund um die Uhr, während Lagervorräte schwinden.
Der vom Crack-Spread bestimmte Dieselpreis arbeitet sich durch die Wertschöpfung. Beim Transport von allen Gütern auf Land und See, bei Bauarbeiten und in der Landwirtschaft wird er schmerzlich spürbar und droht auf alle möglichen Preise aufgeschlagen zu werden. Das droht die Inflationserwartungen nach oben zu treiben. Das aber will Warsh unbedingt verhindern, aus besten Gründen. Parallelen zu den Ölkrisen der Siebzigerjahre, die die Inflation befeuerten, drängen sich auf.
Crack bezeichnet den Bruch. Noch hat Trump ihn nicht vollzogen. Er lobte Warsh nach der Zinsentscheidung und sagte, dieser habe einen schweren Stand unter Notenbankern, die der Trump-Regierung feindselig gesonnen seien. Dass Trump diese Toleranz aufbringt, wenn Warsh kurz vor den Zwischenwahlen abermals für eine Leitzinserhöhung stimmt, darf bezweifelt werden.
Crack steht schließlich für eine Droge. Wer fragt, was Trump geraucht hat, als er mit der Eliminierung des internationalen Handels drohte, sollte die Fed die Leitzinsen nicht senken, dem ist zu antworten: Der große Abstinenzler braucht keine Drogen, um Unsinn zu verbreiten.
