
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und die Stadt Halle haben die Ankündigung eines Strandbads in der Stadt in Sachsen-Anhalt kritisiert, Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse nicht mehr einzulassen.
Der Geschäftsführer des Heidebades, Mathias Nobel, hatte den Schritt Anfang der Woche damit begründet, dass jeder Gast die Baderegeln verstehen müsse. Der Heidesee, ein geflutetes Tagebaurestloch mit zum Teil sehr steilem Ufer, sei bis zu 13 Meter tief, und es sei gefährlich, wenn Besucher die Rettungsschwimmer nicht verstünden, sagte Nobel. Er selbst habe am Wochenende ein Kleinkind ohne Schwimmflügel aus viel zu tiefem Wasser retten müssen.
Die Antidiskriminierungsstelle teilte daraufhin auf Anfrage des Rechtsmagazins LTO mit, dass ein solches „Anknüpfen an die Sprache“ rechtlich eine „Benachteiligung aus rassistischen Gründen“ darstellen könne. „Man stelle sich vor, wie groß die Aufregung wäre, wenn deutschsprachige Reisende in Mallorca künftig Spanisch- oder Katalanischkenntnisse oder am Roten Meer Arabischkenntnisse nachweisen müssten, bevor sie baden gehen“, sagte ein Sprecher demnach.
„Das ist kein Problem einer Sprachbarriere“
Ähnlich argumentierte der DLRG-Sprecher Martin Holzhause am Mittwoch im Gespräch mit der F.A.Z.: „Wir alle wollen jetzt im Sommerurlaub in anderen Ländern ja auch nicht ausgeschlossen werden, nur weil wir die Sprache nicht sprechen.“ Es sei der falsche Weg, Menschen pauschal abzuweisen. „Wir haben seit jeher Menschen aus anderen Ländern an unseren Badestellen“, sagte Holzhause.
Es gebe Wege und Mittel, auch sie über Regeln und Gefahren aufzuklären, zum Beispiel mit Piktogrammen – oder eben mit Händen und Füßen. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Es komme zwar häufig vor, dass sich über solche Hinweise hinweggesetzt werde. „Das ist dann aber kein Problem einer Sprachbarriere.“ In so einem Fall könne ein Badbetreiber aber natürlich von seinem Hausrecht Gebrauch machen und Gäste wegschicken.
Die Stadt Halle hatte den Chef des Heidebades bereits am Dienstag dazu aufgefordert, die Regeländerung zurückzunehmen. Die Stadt verpachtet das Gelände an Geschäftsführer Nobel, die Haus- und Badeordnung haben beide Parteien gemeinsam ausgearbeitet. „Die Pächterin hat zu berücksichtigen, dass ein Zugang zum Bad für die Allgemeinheit gewährleistet sein muss“, teilte ein Sprecher der Stadt am Mittwoch mit. Die Ausgestaltung des Hausrechts dürfe diesen öffentlichen Charakter nicht durch pauschale Einlassverbote für ganze Bevölkerungsgruppen aushebeln.
Geschäftsführer des Schwimmbads verteidigt sich
Der parteilose Oberbürgermeister der Stadt, Alexander Vogt, teilte mit, dass „die Pächterin“ mit der Maßnahme gegen den Betreibervertrag verstoße: „Dieser setzt bei Änderungen der Badeordnung oder einer einseitigen Verschärfung durch die Pächterin ein Einvernehmen mit der Stadt voraus.“ Der Eindruck der Ausländerfeindlichkeit dürfe nicht entstehen. „Genau das geschieht aber, wenn pauschale Einlassverbote ausgesprochen werden, die ganze Bevölkerungsgruppen ausschließen“, sagte Vogt. Die Stadt habe deswegen „unverzüglich mit der Pächterin Kontakt aufgenommen, ein Gesprächsangebot gemacht und Hilfe bei der Abwendung von Gefahren vorgeschlagen“. Das könnten Piktogramme, Übersetzungen oder QR-Codes mit mehrsprachigen Angeboten sein.
Nobel selbst verteidigte seine Maßnahme am Mittwoch zwar, ruderte gleichzeitig aber etwas zurück: Es sei gar keine neue Regel eingeführt worden, hieß es in einem Beitrag des Schwimmbads auf Instagram. „Wir setzen lediglich unsere bestehende Bade- und Hausordnung konsequenter um.“ Im Heidebad sei weiter jeder Mensch willkommen – unabhängig von Herkunft oder Muttersprache. Alles Weitere soll nun in einem Gespräch zwischen Nobel und der Stadt geklärt werden, das laut der Stadt „noch in dieser Woche“ stattfinden soll.
Es ist möglich, dass sich am Ende alles als Kommunikationsproblem herausstellt: Nach der Rettung am Wochenende hatte sich Nobel laut Interviews vor allem darüber geärgert, dass die Eltern des Kindes sich gar nicht für die gefährliche Situation interessiert hätten.
Auch seine Schilderung, in welchem Fall er Menschen abweisen würde, klingt weniger nach Badegästen, die kein Deutsch sprechen, als nach Gästen, die ihn nicht verstehen wollten: An der Kasse würden Familien gefragt, wie alt die Kinder seien, sagte Nobel. „Wenn da beim zweiten Mal keine Antwort kommt, sondern die Kinder einfach durchrennen und ein jahrmarktähnliches Verhältnis entsteht, merke ich, dass hier gar keine Akzeptanz ist und ich keinen Dialog führen kann.“
