Nach einem Rechtsstreit von kurzer Dauer in den USA geraten Prognosemärkte wie Kalshi und Polymarket in die Kritik. Die auf den Plattformen angebotenen Wetten geben finanzielle Anreize, Weltereignisse zu manipulieren. Der Flugdatendienst Flightaware hatte die Prognoseplattform Kalshi am Montag vor einem US-Bundesbezirksgericht verklagt und die Klage am Mittwoch zurückgezogen. Seit Juli lassen sich auf Kalshi Wetten auf Verspätungen an allen amerikanischen Flughäfen platzieren. An drei Flughäfen war das gemäß der ursprünglichen Klageschrift schon seit 2022 möglich.
Flightaware hatte der Wettbörse Kalshi vorgeworfen, Daten und Firmenlogo ohne Genehmigung für Glücksspiele zu Flugausfällen zu nutzen. Flightaware forderte Schadenersatz und gerichtliche Verfügungen, die Kalshi untersagen, die Daten und den Firmennamen zu nutzen. Kalshi wertet die Wetten anhand der Daten von Flightaware aus und bewirbt die Wetten mit dem Logo und dem Firmennamen des Dienstleisters. Obwohl es Wettangebote auf Flugausfälle bereits seit vier Jahren gibt, will Flightaware erst jüngst mit der Ausweitung auf alle US-Flughäfen mitbekommen haben, dass die Wetten auf seinen Daten beruhen und samt Logo angeboten werden. In US-Medien gab es Kritik an beiden Plattformen, finanzielle Anreize zu schaffen, den Flugverkehr zu stören oder Sicherheitsmaßnahmen zu missachten, um Geld bei der Wette zu gewinnen. Die Wette zu Flugausfällen für die Woche bis zum 14. August ist am Mittwoch weiterhin auf der Website von Kalshi verfügbar, Flightaware wird hingegen nicht mehr als Quelle genannt.
Ariel Givner berät mit ihrer Kanzlei Givner Law Unternehmen im Wertpapierbereich, sie schreibt am Mittwoch auf der Plattform X: „Wenn ein Kläger eine Klage so schnell zurückzieht, nachdem er eine einstweilige Verfügung beantragt hat, bedeutet dies in der Regel, dass sich die Parteien privat geeinigt haben.“
Kritik an Flightaware und dem Prognosemarkt Kalshi
Auf Plattformen wie Kalshi oder Polymarket wird Geld auf den Ausgang realer Ereignisse gesetzt. Von Sportereignissen über Wahlen bis hin zur Frage, ob US-Präsident Donald Trump in diesem Monat einen Post auf X absetzt. Auf Polymarket war zu Beginn des Irankriegs gar eine Zeit lang eine Wette auf die Explosion einer Atombombe platziert. Immer wieder gibt es Kritik, dass die Wetten sich durch Insiderhandel oder Manipulation der Ereignisse gewinnen lassen.
„Verrückt“ nennt der Chef des US-Luftfahrtverbandes Airlines for America, Chris Sununu, dass Kalshi es erlaubt, auf Flugverspätungen zu wetten. In einem Fernsehinterview sagte er, die Sicherheit der Luftfahrt sollte nie Grundlage für Wetten sein, und warnt vor Manipulation: „Es braucht nicht viel, damit ein Flug storniert wird.“
Spotify löscht Streams eines Liedes wegen Wetten auf Kalshi

In Deutschland sind Wetten auf Weltereignisse verboten, und auch in den USA strebt unter anderem der Bundesstaat New York ein Verbot an. Die Behörde für Future- und Optionsmärkte (CFTC) wies Kalshi jedoch erst am Dienstag an, Kunden in New York weiterhin zu bedienen, und machte dafür von ihren Notfallbefugnissen Gebrauch. Die CFTC möchte sich damit als alleinige Regulierungsinstanz für Prognosemärkte etablieren. Mehrere Bundesstaaten verklagen Kalshi und ähnliche Anbieter und werfen ihnen vor, nicht lizenzierte Glücksspielgeschäfte zu betreiben. Prognosemärkte sind insbesondere nach der US-Präsidentschaftswahl 2024 populärer geworden, als sie Trumps Sieg genauer vorhersagt hatten als die Meinungsforschungsinstitute.
Die Kritik am Insiderhandel der Wetten mehrt sich. Der Musikstreaminganbieter Spotify hatte Ende Juni eine halbe Million Streams des Liedes „Earrings“ von Malcolm Todd entfernt. Die Streams waren binnen eines Tages um 70 Prozent gestiegen, der Song schoss auf Platz eins der täglichen US-Charts – und Spotify entdeckte Wetten auf Kalshi, dass Todd Ende Juni einen Nummer-eins-Hit landen würde. Spotify ging davon aus, dass Bots das Lied auf Dauerschleife hörten.
