
Der rheinland-pfälzische Justizminister Helmut Martin versteht die Entscheidung des ZDF, den Rapper Danger Dan aus der Satiresendung „Die Anstalt“ auszuladen. Dass einige deswegen die Kunstfreiheit in Gefahr sehen, hält der CDU-Politiker für übertrieben, wie er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Mainz sagte.
„Gleich die Kunstfreiheit in Gefahr zu sehen, wenn man im öffentlich-rechtlichen Rundfunk mal ein Stoppschild hinstellt, da sage ich: Eher andersherum.“ Weiter sagte Martin: „Die Kunstfreiheit ist dann gefährdet, wenn wir Situationen generieren, die den Konsens an der Notwendigkeit, Kunst zu schützen und auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu schützen, gefährden.“ Man müsse einen Schritt weiter denken.
Womit ist der Kunstfreiheit gedient?
Im schlimmsten Fall könne der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit so umstrittenen Auftritten den Ast absägen, auf dem er sitze. Mit Blick auf radikale Kritiker des öffentlich-rechtlichen, gebührenfinanzierten Systems fragte Martin: „Glauben Sie ernsthaft, wenn die über die Auslegung der Kunstfreiheit mal die Mehrheitsentscheidung treffen können, wäre der Kunstfreiheit gedient? Ich glaube das wirklich nicht.“
Der Musiker Daniel Pongratz alias Danger Dan sollte in der 100. Ausgabe der „Anstalt“, die sich mit Rechtsextremismus und der AfD beschäftigte, mit dem Pianisten Igor Levit seinen neuen Song „Keine Angst“ präsentieren. Am Ende des Liedes fordert der Text leicht verklausuliert zu Gewalt gegen „Faschisten“ auf. Kurz vor der Aufzeichnung entschied die Geschäftsleitung des ZDF, den Auftritt zu streichen.
Der Musiker und die Macher der Sendung kritisierten die Absage. Im Fernsehrat des ZDF stößt der Schritt bislang auf ein geteiltes Echo, acht Fernsehräte übten in einem offenen Brief Kritik, der NRW-Medienminister Nathanael Liminski verteidigte das ZDF im Gespräch mit der F.A.Z. Der ZDF-Intendant Norbert Himmler sagte der „Süddeutschen Zeitung“, die Kurzfristigkeit der Ausladung müsse man sich vorwerfen lassen, inhaltlich liege man richtig. „Wir hätten früher die Grundsatzfrage stellen müssen, am besten schon vor der eigentlichen Einladung.“ Inhaltlich sei die Entscheidung richtig, sagte Himmler: „Wir haben es hier meiner Ansicht nach unzweifelhaft mit einer Gebrauchsanweisung zum linken, gewaltbereiten Widerstand zu tun, der in ‚freundliche Grüße‘ an linksextreme, zum Teil rechtskräftig verurteilte Gewalttäter mündet.“
