
Offiziell bestätigt wurde die Reise zunächst weder aus dem Weißen Haus noch vom Kreml. Doch amerikanische Medien gaben dem ominösen amerikanischen Besucher in Moskau, über den das Internet zuvor spekuliert hatte, im Laufe des Dienstags einen Namen: Es war offenbar CIA-Direktor John Ratcliffe, der in der russischen Hauptstadt zu Gast war. Zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt vor sechseinhalb Jahren und als ranghöchster amerikanischer Regierungsbeamter seit diesem Januar.
Über die Gründe wurde spekuliert. Der Besuch fiel in eine Zeit, in der Präsident Donald Trump versucht, den russischen Krieg in der Ukraine und den eigenen Krieg gegen Iran zu einem Ende zu bringen. Wie der Sender CBS schrieb, lassen jüngste Informationen der amerikanischen Geheimdienste darauf schließen, dass der russische Präsident Wladimir Putin zunehmend zu einem Angriff auf NATO-Mitgliedsländer bereit ist. Dieser könnte demnach auch in Form „hybrider Operationen“ stattfinden oder andere Attacken umfassen, die nicht konventionellen Militäraktionen entsprechen und die sich leugnen ließen. Als möglich gilt, dass Ratcliffe mit einer Warnung nach Moskau geschickt wurde.
Oder geht es doch um Iran?
Es könnte aber auch um einen Waffenstillstand im Nahen Osten und die Unterstützung des Kremls für die am Montag angekündigten weitreichenden Sanktionen Washingtons gegen Iran und Geschäftspartner Teherans gegangen sein, die auch Moskau selbst treffen könnten. Ratcliffe gilt als enger Vertrauter Präsident Trumps. Kurz nach dessen Amtseinführung im vergangenen Jahr soll er nach Angaben des „Wall Street Journal“ mit Sergej Naryschkin, dem Leiter des russischen Aufklärungsdienstes SWR, telefoniert und über „Gebiete gemeinsamer Interessen“ diskutiert haben. Mit ihm könnte er sich in Moskau auch getroffen haben.
Der CIA-Direktor war außerdem federführend an jüngeren Gefangenenaustauschen mit Russland beteiligt, unter anderem dem einer Frau mit russischer und amerikanischer Staatsbürgerschaft im April vergangenen Jahres. Wie die „New York Times“ berichtete, laufen dieser Tage weitere Verhandlungen über die Freilassung von Amerikanern in russischer Haft. Unter ihnen ist der 74 Jahre alte frühere Lehrer Stephen Hubbard, der seit April 2022 unter dem Vorwurf festgehalten wird, sich den ukrainischen Streitkräften angeschlossen zu haben. Hubbard wurde 2024 zu sechs Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.
Laut Informationen des Senders CBS hatte Ratcliffe die amerikanische Hauptstadt am Sonntag mit einer Air Force Boeing C-17A verlassen und war zunächst nach Lettland geflogen. Am Dienstag soll er dann von Riga aus mit demselben Militärflugzeug zum Flughafen Wnukowo südlich von Moskau geflogen sein, wie auf den Daten einer Trackingwebsite zu sehen war. Demnach befand er sich etwa acht Stunden auf russischem Boden. Auf Bildern in den sozialen Medien war eine Autokolonne mit amerikanischen Diplomatenkennzeichen zu sehen. Wie amerikanische Medien berichteten, hatte Washington Kiew vor der Reise informiert und darum gebeten, Angriffe auf die Gegend um Moskau bis zu Ratcliffes Abreise auszusetzen.
Der letzte bekannte Besuch eines CIA-Direktors in der russischen Hauptstadt war Ratcliffes Vorgänger William Burns, der die russische Regierung vor den Folgen eines Einmarschs in die Ukraine warnte. Er traf im November 2021 mehrere Regierungsvertreter und sprach von Moskau aus am Telefon mit Putin.
Burns flog damals jedoch in geheimer Mission in einem militärischen Frachtflugzeug aus Riga nach Moskau. Der letzte offizielle Flug einer amerikanischen Maschine nach Moskau fand im Januar statt. Damals waren Donald Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner für ein Gespräch mit Putin über den Ukrainekrieg nach Russland geflogen.
