Solomon Birhane bahnt sich geschickt den Weg durch die Straßenhändler im Zentrum von Johannesburg: Im Zickzack um die Decken am Boden herum, an den Passanten vorbei, stets auf die Hände gieriger Taschendiebe bedacht, von unten, links und rechts. „Pass auf“, ruft er über die Schulter nach hinten, aber er ist kaum zu hören. Ohrenbetäubende Beats pumpen aus mannshohen Lautsprechern an den Verkaufsständen entlang der Straße. Den Grund des Lärms versteht man mit einem Blick auf das Sortiment: Jeder verkauft so gut wie alles, was vor allem aus China nach Afrika gelangt. Und damit verkauft jeder irgendwie dasselbe. Wer also Aufmerksamkeit erregen will, der zieht den Lautsprecherregler hoch.

Johannesburg entstand vor 140 Jahren, als ein Australier an der Stelle einen Goldbrocken gefunden hatte. Tausende Glücksritter von Nah und Fern folgten und bauten eine riesige Zeltstadt auf dem trockenen Hochplateau, dem Highveld. Schon drei Jahre später war Johannesburg die größte Stadt des Landes.
Die auf dem Reißbrett gezogenen Straßen existieren heute noch: geradlinig, im rechten Winkel zueinander, wie auf einem Schachbrett. Eine der Straßen, wo sich heute der Markt befindet, hieß bis vor wenigen Jahren Jeppe Street, benannt nach einem britischen Bergbaumagnaten. Die Straße wurde inzwischen umbenannt. Der Name für den Markt blieb im Volksmund.
Im verwitterten Zentrum erwacht neues Leben
Doch im Verlauf der vergangenen 30 Jahre zogen Banken und die Börse in moderne Glaspaläste im Vorort Sandton, die Unternehmenszentralen der Rohstoffförderer folgten. Das Zentrum der „Stadt des Goldes“ blieb zurück. Es verwitterte, zerfiel und geriet – von wenigen Aufbruchsphasen an einigen Stellen abgesehen – immer mehr in Verruf. Selbst viele Johannesburger in den Vororten empfinden heute einen Ausflug in den „CBD“, den Central Business District, als Abenteuer – trotz historischer Sehenswürdigkeiten an jeder Ecke und einer zunehmenden Zahl von Cafés und Restaurants.
Das Wirtschaftsleben aber pulsiert im Zentrum immer noch. Nur sind die Treiber nicht mehr große Unternehmen. Es sind Kleinstbetriebe, engagierte Bürger, Unternehmer, kreative Köpfe. Sie sehen in ihrer Stadt „Jozi“ ein Potential, das vielen entgeht. Da ist in dieser Geschichte ein Buchhändler, der die literarischen Schätze in Kellergewölben tief unter der Stadt kennt, ein Modedesigner mit einer Leidenschaft für luftige Höhen, weil er dort eine gigantische Kulisse für seine Kreationen findet, und ein früherer DJ und Amateurkoch. [PK2] Mehrfach in der Woche schwingt er den Kochlöffel, um Menschen aus aller Herren Länder an einen Tisch zu bringen. Die drei knüpfen an Johannesburgs Vergangenheit an. Und dann gibt es das Neue, beispielsweise diesen Markt mit den Zigtausenden Kleinhändlern wie Solomon Birhane.

Der Äthiopier kam nach Johannesburg, weil ihn eine Filmproduktionsfirma als Dolmetscher engagiert hatte. Als der Job beendet war, habe er wie viele hier als „Broker“ angefangen, erzählt er während einer Verschnaufpause in einem winzigen Café mit Hockern. Diese Leute kaufen Waren in den weiter entfernten China-Malls und verkaufen sie im Zentrum an die Zwischenhändler, die sie wiederum an weitere Händler verkaufen. Birhane zieht zur Illustration der Lieferketten mit dem Finger lange unsichtbare Linien auf den Cafétisch. „Und so weiter bis zum Endkunden, manchmal bis in die Nachbarländer.“
Der Umsatz hier ist höher als im exklusiven Einkaufszentrum
Berücksichtigt man die vielen Helfer und Familienmitglieder im Hintergrund und Unternehmer wie den Cafébetreiber, dann ergibt sich eine große Menschenmenge, die von diesem Handel lebt. Die Stadtplanerin und Buchautorin Tanya Zack vergleicht den Markt daher mit einem Hafen. Nach Recherchen vor einigen Jahren schätzte sie, dass allein die Händler im „Jeppe“ das Doppelte des Umsatzes von Sandton City erzielen, einem der exklusivsten und größten Einkaufszentren des Landes.
Birhanes Besichtigungstour ist noch nicht zu Ende. Die Straßenhändler und die Verkaufsbuden mit den Lautsprechern bildeten nur einen kleinen Teil des Geschehens, sagt er nach einem starken schwarzen Kaffee. In einigen der altehrwürdigen Geschäftshäuser setzt sich das Marktgeschehen fort. Die Marmorböden, die holzgetäfelten Türen der Aufzüge, die Fenster aus buntem Glas sind noch da, aber sie sind versteckt unter und hinter Schaufensterpuppen, Trennwänden und kistenartigen Verkaufsräumen. Die meisten Boxen sind nur ein paar Quadratmeter groß, aber zum Bersten gefüllt mit Waren aller Art.

Stadtplanerin Zack beschreibt das „Jeppe“ als einen Ort ungebremsten Unternehmertums. Ein großes wirtschaftliches Potential könne dort realisiert werden, wenn man die richtigen Rahmenbedingungen schaffe, fügt sie hinzu. Nicht alle sehen das Viertel durch so eine Brille. Ein Mitglied der Kommunalregierung nannte es einmal verächtlich den „Chaos-Bezirk“, in dem sich keine Investitionen lohnten. Heute finden dort regelmäßig Razzien der Polizei statt, um nach Produktpiraten und illegalen Einwanderern zu fahnden.
Die gewalttätige Protestbewegung zeigt Vorbehalte gegen Migration
Seit eine neue fremdenfeindliche Organisation namens „March and March“ martialisch mit Speeren und Stöcken an zahlreichen Orten in Südafrika auf die Straßen zieht und zur Jagd auf irreguläre Einwanderer aufruft, hat sich die Lage in der Wirtschaftsmetropole zugespitzt. Die meisten Händler im „Jeppe“ stammen aus anderen afrikanischen Ländern, vor allem aus Äthiopien. Aus Angst kämen viele Händler und Kunden gar nicht mehr in die Innenstadt, erzählt Birhane.

Eine Stadt der Einwanderer ist Johannesburg schon seit dem Goldrausch. Ein hartes Pflaster mit einem Imageproblem ist sie auch immer gewesen. Als sich ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung vor etlichen Jahren den Werbespruch „A World-Class African City“ ausdachte, lieferte er den Kabarettisten schon damals Stoff für Witze. Wann sich der Verfall beschleunigte, ist umstritten. Manche sagen, nach der Corona-Pandemie ging es bergab, andere sehen die Fußball-WM 2010 als Wendepunkt. Zack beschrieb am Telefon eine „Entwicklung in Wellen“, wie sie typisch sei für Metropolen in Schwellenländern.
Bleibt man in diesem Bild, dann befindet sich Johannesburg gerade in einem tiefen Wellental. Kein Tag vergeht ohne neue Meldungen über Misswirtschaft und Korruption. Der Bürgermeister Dada Morero, der siebte Bürgermeister seit 2020, steht unter Druck, weil die Stadt Strom- und Wasserrechnungen an die Versorgungsbetriebe nicht bezahlte, viele Haushalte deswegen und wegen maroder Infrastruktur keinen Strom und kein Wasser haben. Im April drohte sogar der sonst zurückhaltende südafrikanische Finanzminister, kein Geld mehr aus dem nationalen Etat zu überweisen wegen der „Verschlechterung der Regierungsführung und der Finanzlage der Stadt“. Unter Morero ist Johannesburgs ohnehin hoher Schuldenberg noch kräftig gewachsen.
Vernachlässigte Infrastruktur ist zu einem Problem geworden
Die Einwohner der Wirtschaftsmetropole mit knapp fünf Millionen Einwohnern hoffen jetzt auf eine Besserung nach der Kommunalwahl Ende des Jahres. Für viel Rummel sorgt die Kandidatur der früheren Kapstädter Bürgermeisterin Helen Zille für das Amt in Johannesburg. Manche nennen sie die „Eiserne Lady“ der langjährigen nationalen Oppositionspartei Democratic Alliance.

Eine bröckelnde Infrastruktur ist vielerorts in Südafrika ein Problem. Doch in Johannesburg potenzieren sich die Missstände. Schlaglöcher in den Straßen haben hier auch mal die Größe von Gartenteichen, Ampeln an großen Kreuzungen funktionieren teils monatelang nicht. Das ist eine Stadt, in der 2023 ein ganzer Straßenabschnitt absackte, weil es eine Explosion in einem unterirdischen Kanal gegeben hatte, wegen Methangas, das durch Müll und Abwasser in dem Kanal entstand, wie vermutet wird. Nur einen Monat danach stand ein besetztes Wohnhaus in Flammen, mehr als 70 Menschen – überwiegend Einwanderer – kamen ums Leben. Birhane erzählt, sein Stadtteil sei vor zehn Jahren noch sauber und sicher gewesen. Aber jetzt zapften viele Bewohner illegal Strom ab, Häuser seien von kriminellen Banden besetzt, und mit einem Auto solle man lieber nicht dorthin fahren.
Dass die Stadt bisher nicht völlig kollabiert ist, ist privatem Engagement geschuldet. „Jozi my Jozi“, die bekannteste und größte Initiative von Bürgern und Unternehmen, kümmert sich um vieles, wofür die Stadtverwaltung zuständig wäre, wie die Beleuchtung der Nelson-Mandela-Brücke oder Obdachlosenheime. Eine Fahrzeugversicherung und eine Autovermietung finanzieren eine „Pothole-Brigade“. Sie ist nahezu täglich irgendwo im Einsatz, um Schlaglöcher zu füllen. Die gleiche Versicherung schickt Helfer in Leuchtwesten, um den Verkehr zu regeln, wenn die Ampeln ausfallen.
Die Haltung der jungen Leute ist sehr anders als die der älteren
„Als ich vor 18 Jahren hier ankam, erwartete man, dass die Regierung Dinge erledigte, und wenn sie es nicht tat, konnte man sie letztlich davon überzeugen“, sagt der Buchhändler Griffin Shea. „Heute herrscht insbesondere bei den unter Dreißigjährigen eine andere Einstellung. Sie erwarten nicht mehr, dass die Regierung etwas unternimmt, sie handeln aus eigener Kraft, und sie sind hochmotiviert, all das zu tun, was die Regierung tun sollte.“


Für den Amerikaner, einen Journalisten, ist die Aufwertung des historischen Kerns der Innenstadt eine Herzensangelegenheit. Vor zehn Jahren eröffnete er im Stadtteil Marshalltown den Buchladen „Bridge Books“ mit einer Konzentration auf afrikanische Autoren. Es dauerte nicht lange, da bemerkte er, dass die „Stadt des Goldes“ ohnehin schon eine „Stadt der Bücher“ ist.
Die 1935 gebaute City Library habe einen Bestand von 1,5 Millionen Büchern, erzählt Shea bei einem entspannten Spaziergang durch das Viertel. Die meisten Bücher befänden sich in Lagerstätten unter der Erde über drei Stockwerke hinweg. Raritäten wie eine Bibel aus dem 17. Jahrhundert seien dort zu finden, oder Zeitungen, die bis zurück in die Zeit des Goldrauschs reichten. Seit der Corona-Pandemie war die Bibliothek jedoch geschlossen. Shea setzte sich mit einer erfolgreichen Kampagne für ihre Wiedereröffnung ein.
Durch Kontakte hat sich ein Literatur-Distrikt gebildet
Auf Spaziergängen wie diesem knüpfte er außerdem Kontakt zu den vielen Händlern, die ebenfalls Bücher verkauften, aber auf den Straßen. In einem Radius von einem Kilometer um seinen eigenen Buchladen herum fand er mindestens 70 Buchhändler, die vor allem gebrauchte Bücher verkaufen, von Schulbüchern, Ratgebern bis zu Klassikern wie Nelson Mandelas „Long Walk to Freedom“. Manche, sogar solche mit einem Stand am Straßenrand, hätten ein so großes Sortiment, dass sie Lagerräume anmieteten, sagt Shea. Einige seien hoch spezialisiert wie der Familienbetrieb, der schon seit Generationen Bibeln und Gesangbücher in afrikanischen Sprachen verkauft.
Die Kontakte führten zur Gründung eines „Literatur-Distrikts“. Shea vernetzte die Händler untereinander und druckte Straßenkarten mit ihren Standorten. „Einschließlich der Stadtbibliothek befinden sich wahrscheinlich drei Millionen Bücher in einem Radius von einem Kilometer von uns entfernt“, schätzt er, „ist es nicht eine gute Geschichte, dass diese Stadt voller Bücher ist, und voller Menschen, die sie lesen wollen?“ Sein Buchladen bietet Touristen ab und an Rundgänge durch den Literatur-Distrikt an.

Sebo Marobela ist auf einer ähnlichen Mission. Der Südafrikaner will die Menschen nicht mit Büchern, sondern mit Mode wieder in die Innenstadt locken, wo es einst eine florierende Textilwirtschaft gab, bevor Billigware aus China den Markt überschwemmte. Marobela, ein Zugereister aus der Provinz Limpopo, arbeitete erst für eine Bank in Johannesburg, dann machte er seine Leidenschaft für Kleidung mit großen bunten Mustern zu seinem Geschäft. Heute schneidert der Modedesigner Jacken und Kimonos nach Maß für Kunden, wobei er ihnen gleichzeitig ein Stadterlebnis bietet. Morgens kauft er mit ihnen gemeinsam die Stoffe ein und zeigt ihnen später die Stadt, während Schneider in seinem Atelier die Kleidungsstücke nähen. Ein Fotoshoot auf dem Dach des Hochhauses bildet dann den krönenden Abschluss.
Viele Betriebe mit Bezug zur Modebranche sind entstanden
Die Dachterrasse ist denn auch der Ort, zu dem er uns als Erstes führt. „Von oben ist diese Stadt am schönsten“, sagt er begeistert. Der Ausblick ist atemberaubend. In der Ferne lassen sich im Dunst die gelblichen Minenschutthalden erahnen. Vorn glänzt die Abendsonne in den Fassaden von Hochhäusern, unten sind im Schatten einige historische Gebäude zu sehen. Aus dieser Entfernung ist nicht zu erkennen, ob ihre Eingänge verbarrikadiert sind, ob Fenster fehlen und nur noch die Fassade übrig ist.

Marobela ist überzeugt, dass Johannesburgs Zukunft von kleinen und mittelständischen Unternehmen bestimmt sein wird. Das mehrstöckige Gebäude, in dem sein Atelier zu finden ist, sei das beste Beispiel. Dort befinden sich mittlerweile auf allen Stockwerken kleine Betriebe mit Bezug zur Modebranche. „Wir erleben hier eine Gentrifizierung, aber im positiven Sinne. Wir brauchen diese Gentrifizierung.“ Vor allem Südafrikas neue schwarze Mittelschicht könne diese Entwicklung vorantreiben. Wenn die Bedingungen besser seien, werde sie in die Stadt zurückkehren, ist er überzeugt.
Dann posiert er selbst vor der Skyline und erzählt, dass viele seiner Kunden nie zuvor einen Fuß in die Innenstadt gesetzt hätten. „Selbst Einheimische aus den Vororten trauen sich nicht hierher. Sie fragen mich immer, ob diese Stadt ‚scary‘ sei, ob sie Angst haben müssten. Ich antworte darauf immer, jede Stadt sei ‚scary‘, solange man sich nicht auskennt.“
Die Energie könnte für einen Wiederaufstieg genutzt werden
Wie also wird die Zukunft der „Stadt des Goldes“ aussehen? Wird es gelingen, die Energie, die im „Jeppe“, unter den vielen informellen Buchhändlern oder hier unter den Modeschaffenden, zu spüren ist, für den Wiederaufstieg der Stadt zu nutzen? In einigen anderen Städten auf der Welt ist das gelungen. Schon jetzt gibt es Teile der Johannesburger Innenstadt wie das Universitätsviertel Braamfontein, wo schicke Coffee-Shops und Rooftop-Bars eröffneten. Aber wird eine breite Bevölkerung davon profitieren?

Unbestritten ist der Weg zu einem Zentrum, in dem sich alle so unbeschwert wie Shea und Marobela bewegen, noch weit. Als der Uber-Fahrer ein paar Stunden später auf unsere Frage antworten soll, ob die Stadt „scary“ sei, antwortet er nicht sofort. Stattdessen prüft er noch einmal die Adresse: „Yeoville? Rockey Street? Seid ihr sicher?“
Natürlich sind wir sicher. Die Straße ist legendär. Ältere Südafrikaner können von durchtanzten Nächten dort in den Achtziger- und Neunzigerjahren erzählen. Alle seien dort zusammengekommen, weiße und schwarze Südafrikaner, die Rückkehrer aus dem Exil und Menschen aus anderen afrikanischen Staaten, erzählt Sanza Sandile später. „Es war der Ort, wo man die Bücher fand, die vom Apartheid-Regime verboten waren, wo Künstler, Aktivisten, Theaterschaffende debattierten und ein neues Südafrika entwarfen.“
Beim zehngängigen Dinner soll ein Dialog entstehen
Diese Zeit – oder die vernebelte Erinnerung daran – will Sandile, ein früherer DJ, mit seinem „Yeoville Dinner-Club“ wieder aufleben lassen. In einer Küche im ersten Stock einer Einkaufszeile brutzelt es in Töpfen und Pfannen. Würziger Jollof-Reis aus Ghana, Hühnchen in einer säuerlichen Soße aus Kamerun, ein Gericht aus Bohnen aus dem Kongo und einiges mehr. Im Esszimmer ist eine große Tafel gedeckt. Auf dem Regal steht Geschirr wie aus Großmutters Zeiten neben Büchern über die Black-Consciousness-Bewegung und Schwarz-Weiß-Bildern der jungen Winnie Mandela.

Jede Woche kocht Sandile an mehreren Tagen ein zehngängiges Menü afrikanischer Gerichte. „Ich will einen Ort schaffen, wo es einen großen Tisch und gutes Essen gibt, wo sich Gespräche entfalten, wo die Leute mich und meine Gerichte kennenlernen und ich sie kennenlerne“, sagt er und kredenzt schnell noch ein paar orangefarbene Cocktails mit Rum.
Yeoville sei der Ort gewesen, „wo wir uns damals alle getroffen habe, bevor die Leute in die langweiligen Vororte zogen. Ich erinnere sie jetzt an diese Zeit: Hey Guys, kommt her, ich koche hier und erzähle, wie dieses Viertel aussehen könnte, wenn wir es richtig angepackt hätten.“ Ja, der Niedergang von Yeoville und anderen Teilen der Innenstadt sei nicht zu leugnen, sagt er. Die Frage, ob man mit dem Uber überhaupt dorthin fahren könne, hört er häufig. „Aber ich bin kein Typ, der davonrennt, ich bleibe hier und räume diese Gegend auf, denn ich weiß, dass es hier schon einmal bessere Zeiten gab.“

Der Abend wird ein Erfolg. Die Gäste aus Südafrika, Norwegen und Deutschland vergessen angesichts der vielen Geschichten, die Sandile erzählt, zwischendurch das Essen. Draußen sind nach dem Sonnenuntergang die Neonröhren in den Läden und Kneipen erleuchtet. Der Straßenlärm mischt sich mit Beats aus altersschwachen Lautsprechern, jeder scheint auf der Straße zu sein. Als die Gläser leer sind und Sandile die beschwingten Besucher sicher zu den wartenden Taxis am Straßenrand geleitet, bleibt ein Gedanke im Kopf hängen: „Vielleicht klappt es ja tatsächlich.“
