Das digitale Thermometer am Schrankenhaus des Stuttgarter Großmarkts zeigt am Samstagmittag 30 Grad. Etwa 800 Meter weiter steigt immer noch Rauch aus einer Halle mit blau gestrichener Blechfassade auf. Da liegt der Ausbruch des Großfeuers schon 14 Stunden zurück. Die Polizei hat das Marktgelände im Stadtteil Wangen im Osten der Stadt abgeriegelt.
Mitarbeiter der Kriminalpolizei Stuttgart vernehmen einige Großmarktarbeiter, ob und was sie am Freitagabend beobachtet haben, als der Brand in der Halle ausbrach. Ein Lkw-Fahrer aus der Pfalz will Gemüse anliefern, ein Mann mit einem Kleinlaster Halal-Fleisch. Sie sind irritiert. Können Sie ihre Waren überhaupt entladen?

„Um 22.45 Uhr ging bei uns der Notruf ein. Wir ermitteln jetzt in alle Richtungen. Federführend ist das Dezernat 11 für Kapital und Branddelikte. Sicher wird auch das Landeskriminalamt in die Ermittlungen einbezogen“, sagt Daniela Treude, Sprecherin der Polizei am Einsatzort. „Wir haben das Feuer seit 12:30 Uhr unter Kontrolle. Es gibt in einigen Bereichen noch Glutnester, die wir noch löschen“, sagt Daniel Anand von der Stuttgarter Feuerwehr.
„Die Brandintensität war sehr hoch“
Dann führt er über die Unglücksstelle, vorbei an den Lagerhallen für Gemüse, Backwaren, Blumen und Gastronomiebedarf. Der Stuttgarter Großmarkt versorgt die Region mit frischen Lebensmitteln. Es ist der drittgrößte Handelsplatz für Frischware in Deutschland. 2024 wurden dort mehr als 395.000 Tonnen Waren umgeschlagen.
Die abgebrannte Halle gehört zur Firma „Yegin Food“, Importeur und Lebensmittelgroßhändler. „Die Brandintensität war sehr hoch. Wir mussten fünf Wasserwerfer und sechs handgeführte Löschrohre einsetzen“, sagt Anand. Allein mit dem Wasser aus Tanklastzügen wären die Löscharbeiten schwer zu bewältigen gewesen. Die Feuerwehr musste ein A-Rohr mit einer Pumpe legen, um aus dem nahe gelegenen Neckar Wasser zum Löschen bringen zu können. A-Rohre sind die stärksten Schläuche, die die Feuerwehr überhaupt verlegen kann. Anand sagt, man habe „sehr, sehr große Wassermengen“ benötigt, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen.

An der Westseite der Halle sind Büroräume, aus einem Fenster im Obergeschoss kommt weiterhin Rauch. Zwei Feuerwehrleute stehen auf einer Hubleiter und löschen. Der eigentliche Brandherd liegt auf der Ostseite der Halle – das Dach ist eingestürzt, ein Gabelstapler ist unter den Trümmern kaum noch zu entdecken. Der Brandgeruch ist auch am Samstagmittag immer noch beißend. „Wir haben über die gesamte Zeit die Schadstoffwerte der Luft gemessen, für die Bevölkerung bestand keine Gefahr“, sagt Anand.

Ein einstmals weißer Transporter ist völlig ausgebrannt. Zwei Bagger des Technischen Hilfswerks (THW) versuchen, den Brandschutt aus der Halle zu räumen. Falls die Ermittler den Schutt oder die verkohlten Geräte zur Aufklärung der Brandursache untersuchen wollen, können sie das tun, weil sie auf die Container noch Zugriff haben. Die Ermittlungen sind nicht einfach zu führen, weil die Decke der Halle einsturzgefährdet ist.
Insgesamt 350 Einsatzkräfte
Die Stuttgarter Feuerwehr spricht von einem „sehr außergewöhnlichen Ereignis“, es habe sich um einen Brand der „Alarmstufe 4“ gehandelt. Insgesamt waren 350 Einsatzkräfte auf dem Großmarktgelände. Etwa 230 waren permanent im Einsatz. Beteiligt waren alle 24 Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr und alle fünf Feuerwachen der Berufsfeuerwehr. Zusätzlich halfen die Werksfeuerwehren von Bosch und Daimler – das Stuttgarter Werk jenseits des Neckars liegt nicht weit entfernt vom Markt.
Beschädigt wurden zwei Hallen und ein Bürogebäude. „Die Lebensmittelversorgung ist laut Polizei nicht gefährdet, auch wenn einige Wochenmarktbesucher vor leeren Auslagen standen. Denn der Großmarkt konnte am Samstag bis 10:30 Uhr nicht betreten werden – viel zu spät für die Obst- und Gemüsehändler, die sich dort mit Waren eindecken wollten.
Der Schaden geht in die Millionen. Über die Brandursache gibt es noch keine Hypothese.
