
Vor der Europameisterschaft 2025 hat sich der Basketballnationalspieler Johannes Voigtmann im Interview mit der F.A.Z. selbst eine Frage gestellt: Welches Spiel in meiner Karriere würde ich noch mal spielen, wenn ich könnte? Es gab damals schon viele Spiele, die er gewonnen hatte und die dieses Glücksgefühl ausgelöst hatten, das Sportler süchtig macht – allen voran das Finale der Weltmeisterschaft 2023. Aber es sagte und sagt so viel über diesen Sportler, dass seine Antwort auf seine Frage ein Spiel war, das er verloren hat: das Halbfinale der Olympischen Spiele 2024.
Für den Olympia-Fan wäre eine Olympiamedaille das Größte gewesen. Mit einem Sieg im Halbfinale gegen Frankreich hätte er das Größte erreicht gehabt. Und dass er das nicht erreicht hat, beschäftigte ihn so, dass er auch einen Sommer später noch davon erzählte: „Ich habe damals vor dem Turnier gesagt: Du brauchst deine besten Spiele zum richtigen Zeitpunkt, und du brauchst deine schlechtesten Spiele zum richtigen Zeitpunkt. Wir hatten unser schlechtestes Spiel zum falschen Zeitpunkt. […] Das ist ein richtig, richtig bitteres Ding gewesen. Wenn es die Möglichkeit gäbe, das noch mal zu spielen, würde ich es sofort machen.“
Er hat das auch deswegen erzählt, weil es schon damals wahrscheinlich war, dass er in seiner Karriere kein Olympia-Spiel mehr erleben wird.
Voigtmann war der Grund, warum Schröder der große Zampano sein konnte
Jetzt hat Johannes Voigtmann, 33 Jahre alt, im Interview mit dem „Münchner Merkur“ verkündet, dass er nach 128 Spielen nicht mehr für die Nationalmannschaft antreten wird. Er hört nicht nur als Weltmeister (2023) auf, sondern auch als Europameister (2025), auch wenn er sich dabei im Vorrundenspiel gegen Litauen verletzt hat, sodass dieses Länderspiel bis heute sein letztes geblieben ist.
Als er im Sommer 2014 sein erstes Spiel für die Nationalmannschaft machte, war es eigentlich unvorstellbar, dass sich ein deutscher Basketballspieler über ein verlorenes Olympia-Halbfinale ärgern könnte, weil es unvorstellbar war, dass ein deutscher Basketballspieler ein Olympia-Halbfinale spielen würde. Mit den Spielern seiner Generation hat Voigtmann das geändert.
In dieser Generation war Voigtmann vielleicht der schlaueste, aber nie der wichtigste Spieler. Das war Dennis Schröder, der Spielmacher, der große Zampano. Doch man kann vermutlich sagen, dass das, was Schröder vollendete, ohne Voigtmann nicht möglich gewesen wäre. Weil er anders als Schröder auf und neben dem Feld erkannte, was seine Mannschaft am meisten brauchte. Während Schröder eine Sonderbehandlung beansprucht hat, hat Voigtmann dazu beigetragen, dass die anderen Spieler diese Sonderbehandlung bis zu einem gewissen Grad akzeptieren.
Am Donnerstag wird Voigtmann, der seine Karriere als Klubspieler beim FC Bayern fortsetzen wird, vor dem WM-Qualifikationsspiel in Köln als Nationalspieler verabschiedet. Und wenn man seine früheren Mitspieler fragen würde, welches Spiel sie noch mal spielen würden, wenn sie könnten, dürften sich die meisten wohl auf diese Antwort einigen: eines mit Johannes Voigtmann.
