
Die japanische Regierung hat offenbar versucht, die zuletzt immer schwächere Währung zu stützen. Gemeinsam mit der Bank von Japan habe sie am Donnerstag durch den Kauf von Yen und den Verkauf von Dollar am Devisenmarkt interveniert, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ und berief sich auf einen Regierungsbeamten. Offiziell bestätigt werden solche Eingriffe in der Regel nicht. Es fiel aber auf, dass sich der Yen am Donnerstagabend rasch in den Bereich von 155 Yen je Dollar verteuerte. Am selben Tag war er zu rund 160 Yen je Dollar gehandelt worden, was der schwächste Stand seit dem Sommer 2024 gewesen war.
Finanzministerin Satsuki Katayama und Vertreter der Notenbank hatten in den vergangenen Tagen schon Warnungen vor einer übermäßigen Yen-Abwertung ausgesprochen. Katayama hatte angesichts des starken Rückgangs der japanischen Währung gegenüber Reportern gesagt: „Die Zeit für entschlossenes Handeln rückt näher.“ Mit Blick auf die „Golden Week“, die wegen mehrerer aufeinanderfolgender Feiertage eine beliebte Urlaubswoche der Japaner ist, hatte Katayama den Reportern gesagt: „Halten Sie Ihr Smartphone griffbereit, egal ob Sie ausgehen oder sich freinehmen.“
Von den wichtigsten Energielieferanten abgeschnitten
Zuletzt hatten die Behörden im Juli 2024 eingegriffen, um den Yen zu stärken, als er mit 161,96 seinen schwächsten Stand seit rund 38 Jahren erreicht hatte. Damals hatten die Regierung und die Notenbank den Angaben zufolge über zwei Tage 5,53 Billionen Yen am Devisenmarkt gekauft. Zum aktuellen Wechselkurs würde das rund 30 Milliarden Euro entsprechen. Das Finanzministerium entscheidet über Interventionen am Devisenmarkt und nutzt die Bank von Japan als Beauftragte für den Handel mit dem Yen.
Der fortdauernde Konflikt in Iran setzt die Energieversorgung Japans unter Druck. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt erhält fast ihre gesamten Ölimporte aus der Golfregion und ist durch die Blockade der Straße von Hormus von ihren wichtigsten Energielieferanten abgeschnitten. Das nährt an den Finanzmärkten die Sorge vor einem steigenden Handelsdefizit und höherer Inflation. In der Folge hat sich der ohnehin schon seit einigen Jahren ungewohnt günstige Yen seit dem Kriegsbeginn noch weiter abgeschwächt.
Über viele Jahre hatte ein Dollar in der Regel zwischen 100 und 110 Yen gekostet. Seit dem Jahr 2021 schwächt sich der Wert der japanischen Währung aber merklich ab. Für die japanische Wirtschaft hat das Vor- und Nachteile. Zum einen können die großen exportorientierten Konzerne wie Toyota Motor und Panasonic ihre Waren durch den günstigen Yen billiger in aller Welt verkaufen und verbuchen dadurch seit einigen Jahren Zusatzgewinne. Doch die Importe wichtiger in Dollar gehandelter Waren wie Öl und Gas sind durch den schwachen Wechselkurs teurer geworden. Auch gegenüber dem Euro steht der Yen derzeit so günstig wie zuletzt einmal kurz nach dem Platzen der Japan-Blase 1990. Das macht nicht zuletzt Urlaubsreisen dorthin ungewöhnlich billig. Am Freitag notierte der Euro bei 184 Yen.
Höchste Anleiherenditen seit fast 30 Jahren
Die Inflationsängste haben auch die Renditen an den Anleihemärkten steigen lassen. Die zehnjährige Benchmark-Anleihe rentierte zwischenzeitlich mit 2,535 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit Juni 1997. Anleiherenditen laufen entgegengesetzt zu den Kursen der Papiere. Hohe Renditen sprechen also für ein geringes Interesse der Anleger.
Dabei hatte die Bank von Japan am Dienstag angedeutet, dass sie offen für eine Zinserhöhung in naher Zukunft sei. Gouverneur Kazuo Ueda signalisierte, die Bank könne die Zinsen möglicherweise anheben, um steigende Inflationsrisiken anzugehen. Solche Aussichten lassen Anleihen in der Regel attraktiver werden.
„Die Bank von Japan hat derzeit keine guten Optionen, sondern nur schwierige Abwägungen“, schrieb Stefan Angrick von Moody’s Analytics in dieser Woche in einem Kurzreport. Japan stehe „vor einer unerfreulichen Mischung aus hoher Inflation und schwächerem Wachstum, die die Entscheidungsträger in die Enge treibt“. Eine straffere Politik könne zwar helfen, den Yen zu stabilisieren und die importierte Inflation einzudämmen. Kleine und mittelgroße Unternehmen, die stark von Bankkrediten abhingen, sowie private Haushalte würde sie aber zusätzlich belasten. „Im Gegensatz dazu birgt eine zu lockere Politik das Risiko einer erneuten Yen-Schwäche und eines neuen Inflationsdrucks“, schreibt der Japan-Fachmann.
