Musialas Zusammenbrüche :
Was sind Absencen?

dpa
Zweimal brach Jamal Musiala auf dem Fußballplatz zusammen. Nun liefert der Bayern-Star eine Erklärung. Die F.A.Z. erklärt, was Absencen sind – und warum Neurologen darin kein Hindernis für Leistungssportler sehen.
Nach seinem abermaligen Zusammenbruch im Testspiel in Heidenheim hat Jamal Musiala via Instagram erklärt, bei ihm seien „temporär kurz auftretende, aber gut behandelbare Absencen“ festgestellt worden. Diese seien auf „eine neurologische Dysfunktion“ zurückzuführen. In seinem Statement hat der Nationalspieler keine Angaben zu der genauen neurologischen Diagnose gemacht.
Es ist daher nicht bekannt, welche Form der Absence bei ihm vorliegt und welche Auswirkungen das auf seinen Alltag und seine Karriere hat. Uli Hoeneß, der Ehrenpräsident des FC Bayern München, sagte am Mittwoch in einem Interview mit RTL, die Musiala behandelnden Neurologen hätten schriftlich erklärt, es gebe „keine Bedenken gegen einen Hochleistungssport“.
Was sind Absencen?
Absencen sind Bewusstseinsstörungen, auch Abwesenheitsepisoden genannt, auf Basis von kurzen epileptischen Anfällen. Damit sind Absencen eine milde Form der Epilepsie. Man spricht von einer generalisierten Epilepsie, die nicht nur einzelne Bereiche des Gehirns betrifft. Absence-Epilepsien sind gutartig und sehr gut behandelbar. In der Regel treten Absencen im Kindes- und Jugendalter erstmals auf. Es gibt aber auch spätere Manifestationen im jungen Erwachsenenalter. Mit steigendem Alter nimmt die Anfallshäufigkeit ab.
Welche Symptome treten auf?
Betroffene sind während einer Absence einige Sekunden abwesend und unterbrechen ihre Aktivität. Dabei haben sie in der Regel die Augen offen und schauen ins Leere oder nach oben. Manchmal flattern auch die Lider. Stürze gibt es bei einer typischen Absence nicht.
Was passiert im Gehirn?
Bei einer Absence-Epilepsie gibt es im Gehirn synchronisierte Entladungen der Gehirnzellen, die die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Das kann man sich wie ein Kammerflimmern im Gehirn vorstellen. Die synchronisierten Entladungen kreisen zwischen dem Zwischenhirn und der Großhirnrinde hin und her. Die Entladungen beginnen an einer Stelle im Gehirn und greifen auf andere Stellen über. Typischerweise dauert das nur wenige Sekunden. Nur betroffene Hirnregionen sind auch funktionsgestört. Bei einer „normalen“ Epilepsie sind auch motorische Hirnareale betroffen, die dann das in diesen Fällen typische Krampfen auslösen.
Wie entsteht eine Absence-Epilepsie?
Absence-Epilepsie ist eine genetisch bedingte Epilepsie. Nicht ein einzelnes Gen ist für die Manifestation der Erkrankung relevant, sondern es liegen mehrere verschiedene Genvarianten vor, die diese Anfälle auslösen. Dementsprechend können Absence-Epilepsien gehäuft in Familien vorkommen, das muss aber nicht der Fall sein. Auch bei nur einer betroffenen Person innerhalb einer Familie geht man von einer genetisch generalisierten Epilepsie aus. Ein genetischer Test ist für die Diagnose nicht nötig.
Was kann die Anfälle auslösen?
Die Auslöser sind sehr individuell. Generell sind Schlafmangel, Alkohol- und Drogenkonsum bekannte Triggerfaktoren. Aber auch Stress kann einen Anfall auslösen.
Welche Einschränkungen gibt es mit Absence-Epilepsie im Alltag?
Betroffenen, die noch nicht medikamentös eingestellt sind, wird empfohlen, Tätigkeiten zu vermeiden, bei denen ein kurzzeitiger Bewusstseinsverlust zu einer erhöhten Verletzungsgefahr für sich oder andere führt. Das betrifft zum Beispiel: Autofahren, das Arbeiten mit schwerem Gerät, aber auch unbeobachtetes Baden oder Klettern.
Wie sieht die Behandlung aus?
Absence-Epilepsien werden in der Regel medikamentös mit Anfallsuppressiva behandelt. Bei der typischen Absence können das die Wirkstoffe Valproinsäure und Lamotrigin sein. Die Behandlung hängt immer davon ab, welche konkrete Form vorliegt.
Kann man mit dieser Erkrankung Fußball spielen?
Aus ärztlicher Sicht gibt es in der Regel keine Einschränkungen das Fußballspielen betreffend. Auch von einer Verschlimmerung oder Häufung der Absencen ist nicht auszugehen. Allerdings können viele Reisen und der damit verbundene Stress für einen Fußballspieler problematisch sein. Auch kann es zu Aussetzern auf dem Platz kommen.
