In Rom wächst die Sorge vor russischer Einflussnahme auf die Wahlen im kommenden Jahr. Am Rande des EU-Außenministertreffens in Irland sprach der italienische Amtsträger Antonio Tajani am Mittwoch ausdrücklich von „Versuchen der Russischen Föderation, sich in die freien Wahlen und das demokratische Leben von EU-Staaten einzumischen“. Bereits im Juli hatte Verteidigungsminister Guido Crosetto beim NATO-Gipfel in Ankara die russische Infiltration in Militärstrukturen Italiens und anderer NATO-Partner als „allgegenwärtig“ bezeichnet.
Und auch das von italienischen Behörden ausgestellte Schengenvisum für den mutmaßlichen Verantwortlichen des Drohnenangriffs in Leipzig scheint für Unruhe zu sorgen. Das italienische Außenministerium hat Aufklärung versprochen.
Es gebe nicht den „geringsten Beweis“
Nun hat die Debatte über russische Einflussnahme durch den rasanten Aufstieg der rechtsextremen Partei Nationale Zukunft (FN) des pensionierten Heeresgenerals Roberto Vannacci einen neuen Schub bekommen. Vannacci setzt sich aktuell gegen den Vorwurf zur Wehr, seine Partei sei das „Trojanische Pferd für russischen Einfluss in Italien“. Den Begriff hatten zwei Mitarbeiter der italienischen Niederlassung der Denkfabrik European Council on Foreign Relations (ECFR) im Juli geprägt. Eine Mitarbeiterin des italienischen Thinktanks Istituto Affari Internazionali (IAI) bezeichnete die FN gegenüber der „Financial Times“ jüngst rundweg als „russisches Projekt“.
Vannacci warf der Zeitung vor, sich in ihrer Berichterstattung über ihn und die FN auf „bekanntermaßen russophobe“ Einrichtungen wie den ECFR und das IAI zu stützen. Kritik an den Institutionen und der Politik der EU könne man nicht mit „Illoyalität gegenüber dem Westen“ gleichsetzen, sagte Vannacci. Für russische Einflussnahme gebe es nicht den „geringsten Beweis“.
Die Etikettierung als Trojanisches Pferd Russlands sei Ausdruck „panischer Angst“ vor ihm und seiner Partei. Vannacci bedankte sich bei der „Financial Times“ für die „kostenlose Werbung“ und postete in den sozialen Medien ein mittels KI erstelltes Foto, das ihn in russischer Uniform und Pelzmütze zeigt, während er ein Wodkaglas zum Prosit erhebt.
Vannacci war während seiner Laufbahn beim italienischen Heer an zahlreichen Auslandseinsätzen im Rahmen internationaler Friedensmissionen im Einsatz. Von Dezember 2020 bis Mai 2022 war er als Militärattaché an der italienischen Botschaft in Moskau tätig. Er wurde vom russischen Außenministerium als Persona non grata des Landes verwiesen, nachdem die italienischen Behörden als Reaktion auf die Invasion Moskaus in der Ukraine mehrere russische Diplomaten ausgewiesen hatten.
Am Donnerstag teilte das Verteidigungsministerium in Rom mit, man habe Ermittlungen gegen zwei aktive Militärangehörige eingeleitet, die sich an der Parteiarbeit der FN beteiligt haben sollen.
