Die ehemalige italienische Außenministerin und EU-Kommissarin Emma Bonino ist tot. Die Politikerin starb im Alter von 78 Jahren in Rom, wie ihre Partei Più Europa mitteilte. »Heute verlieren wir nicht nur unsere Vorsitzende, wir verlieren eine der klarsten, mutigsten und freiesten Persönlichkeiten in der politischen Geschichte unseres Landes und der freien Welt«, teilte die Partei mit.
Italiens rechte Regierungschefin Giorgia Meloni bezeichnete Bonino auf der Nachrichtenplattform X als »starke und unverwechselbare Stimme der italienischen Politik«. Ihre politischen Ansichten seien zwar sehr unterschiedlich gewesen, dennoch erkenne sie Boninos Bedeutung und Rolle im öffentlichen Leben Italiens an.
Bonino war seit langer Zeit gesundheitlich angeschlagen. Anfang der Woche musste sie wegen Atemnot in ein Krankenhaus in Rom eingeliefert werden. Dort wurde sie zunächst auf der Intensivstation behandelt und danach in eine private Einrichtung verlegt.
Nach ihrer Lungenkrebsdiagnose im Jahr 2015 zeigte sich Bonino in der Öffentlichkeit fast immer mit farbenfrohen Kopftüchern. Mehrere Jahre nach der Diagnose und Therapien erklärte sie, vollständig geheilt zu sein. Ab 2024 musste sie jedoch immer wieder wegen Atemproblemen behandelt werden.
Bonino wollte erste italienische Staatspräsidentin werden
Die Politikerin war von 1995 bis 1999 innerhalb der EU-Kommission für Verbraucherschutz zuständig. Später wurde Bonino in ihrem Heimatland Europa-Ministerin und danach auch Außenministerin. Bekanntheit erlangte Bonino in den 1970er-Jahren als prominente Vertreterin der Partei Partito Radicale (Radikale Partei), die vor allem radikal-liberale Positionen vertrat. Im stark katholisch geprägten Italien der 1970er-Jahre kämpfte sie erfolgreich für die Legalisierung der Abtreibung.
Ihr Ansehen in Italien war bis zuletzt hoch. 2013 hatte sich Bonino darum bemüht, als erste Frau italienische Staatspräsidentin zu werden. In den Umfragen lag sie sogar lange Zeit vorn. Schließlich wurde jedoch der damalige Amtsinhaber Giorgio Napolitano wiedergewählt.
