
Regierungsvertreter in Washington haben mehrere amerikanische Medien darüber informiert, dass Israel die Trump-Regierung über nachrichtendienstliche Erkenntnisse unterrichtet habe, wonach Iran versuche, den US-Präsidenten zu töten. Pläne für ein Mordkomplott seien kürzlich erst überarbeitet worden, hieß es danach.
Ein Regierungsvertreter soll berichtet haben, die Warnung aus Israel sei in dieser Woche gekommen. Eine andere Quelle habe darauf hingewiesen, dass die amerikanischen Dienste in den vergangenen Wochen selbst immer wieder Informationen über mögliche Attentatspläne abgeschöpft hätten. Die Informationen aus Israel aber seien aktueller Natur gewesen und hätten einen konkreten Plan umfasst.
Trump hatte am Mittwoch den NATO-Gipfel in Ankara überraschend nicht mit seiner neuen Air Force One verlassen, die der amerikanischen Regierung von Qatar geschenkt worden war, sondern mit dem bisherigen Präsidentenflugzeug. Schon da hatte es Berichte gegeben, der Secret Service, der für den Personenschutz des Präsidenten zuständig ist, habe Sicherheitsbedenken geäußert. Die alte Air Force One brachte Trump zum britischen Luftwaffenstützpunkt Mildenhall. Dort wechselte er in seine neue Maschine, eine Boeing 747-8.
Ist das Flugzeug ausreichend nachgerüstet?
Trump, der sich lange über seine in die Jahre gekommene Air Force One beklagt hatte, die im Vergleich zu den Flugzeugen anderer Machthaber kümmerlich aussehe, hatte Druck ausgeübt, dass die neue Maschine möglichst schnell zur Verfügung stehe. Der Umbau ist eine aufwendige Prozedur. Das Flugzeug musste entkernt werden, auch um sicherzustellen, dass ausländische Dienste keine Abhörinstrumente angebracht hatten.
Sodann musste es mit einer modernen Kommunikations- und Sicherheitstechnik ausgestattet werden. Letztere umfasst etwa ein System, um ausländische Radarsysteme zu stören. Nun stellt sich die Frage, ob man das Flugzeug ausreichend nachgerüstet hatte. Die „New York Times“ berichtete, das neue Flugzeug verfüge nicht über alle Eigenschaften, die die bisherige Air Force One habe.
„Ich bin die Nummer eins auf der Todesliste“
Trump selbst äußerte sich nicht dazu, ob er wegen Drohungen aus Iran die Maschine gewechselt habe. Wohl aber sagte er, das Regime in Teheran trachte ihm nach dem Leben: „Ich bin die Nummer eins auf der Todesliste.“ Er habe am Mittwochmorgen gesehen, dass er auf „jeder einzelnen ihrer Listen“ sei, bemerkte Trump offenbar mit Bezug auf seine morgendliche Unterrichtung durch die Nachrichtendienste. Bisher habe er offenbar Glück gehabt. Mit Bezug auf das Regime sprach er von einem „Krebs“, den es herauszureißen gelte.
Nachrichtendienstliche Erkenntnisse über iranische Mordpläne gegen Trump liegen den Diensten seit 2020 vor, nachdem der Präsident in seiner ersten Amtszeit den Befehl gegeben hatte, Qassem Soleimani bei einem Besuch in Bagdad durch eine Drohne töten zu lassen. Soleimani war Kommandeur der Quds-Einheit der Revolutionsgarde – zuständig für „Spezialeinsätze“ außerhalb Irans.
Zu Beginn des Irankriegs im Februar war es zudem zu einem Enthauptungsschlag gekommen, bei dem die Israelis mit amerikanischer Unterstützung den Obersten Führer Ali Khamenei töteten. Während der Begräbnisfeierlichkeiten für das Staatsoberhaupt in dessen Heimatstadt Maschhad trugen Teilnehmer nun Plakate mit der Aufschrift: „Tötet Trump“.
Diplomatische Bemühungen gehen weiter
Es gibt aber auch eine andere Lesart der jüngsten israelischen Erkenntnisse. Einige Regierungsvertreter äußerten die Vermutung, Israels Warnung könne ein Versuch sein, den amerikanischen Präsidenten mit Blick auf sein weiteres Vorgehen im Konflikt mit Iran zu beeinflussen. Während Trump, der zwar nach der jüngsten militärischen Eskalation am Persischen Golf das „Memorandum of Understanding“ zwischen beiden Seiten infrage gestellt hatte, die Gefahr einer Rückkehr zu einem vollumfänglichen Krieg herunterzuspielen sucht, plädiert Ministerpräsident Benjamin Netanjahu für einen deutlich härteren Kurs gegenüber Teheran. Darüber war es zuletzt immer wieder zu Konflikten zwischen beiden gekommen. Beide hatten sich am Donnerstag telefonisch über die Lage in Iran ausgetauscht.
Von amerikanischer Seite heißt es, trotz der jüngsten Eskalation gingen die diplomatischen Bemühungen weiter. Auch Pakistan und Qatar setzen ihre Vermittlung fort. Am Donnerstag flogen amerikanische Streitkräfte wieder Angriffe auf Ziele in Iran. Teheran reagierte mit dem Beschuss auf amerikanische Verbündete in der Region. Am Freitag bekräftigte Trump das Ende der Waffenruhe im Irankrieg, ließ aber zugleich in seinem Post auf der Plattform Truth Social die Tür für Gespräche offen.
