
„Ich würde meiner Mutter die Hände und Füße küssen und mich bei ihr entschuldigen“, antwortet der Angeklagte auf die Frage des Vorsitzenden Richters, was er in Zukunft vorhabe, wenn das Verfahren vorbei sei. Der Siebenundzwanzigjährige muss sich von diesem Dienstagvormittag an vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und einem weiteren Mann vor, einen Terroranschlag vorbereitet zu haben.
Seine Mutter sitzt hinter einer Glasscheibe im Zuschauerraum. Ihr Kopf ruht auf der Schulter des Mannes neben ihr. Mit ihren Händen fährt sie sich über die Augen. Sie weint bitterlich. Ihre langen Haare fallen auf das Hemd des Mannes. Ein Kopftuch trägt sie nicht.
Der Angeklagte sagt, er habe mit seiner Familie über seine islamistische Ideologie gestritten: „Ich bin meiner Familie auf die Nerven gegangen. Ich war sehr enthusiastisch und dachte, ich hätte etwas gefunden, das auch die anderen bräuchten.“ Heute habe er erkannt, dass er sich in diese Ideologie hineingesteigert habe.
Wie sich die jungen Männer radikalisierten
Eine Reihe hinter ihm sitzt der zweite Angeklagte. Er ist 19 Jahre alt. Beide Männer wurden am 15. Januar an den Flughäfen Hannover und Stuttgart festgenommen. Sie sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher: Sie waren kurz davor, nach Syrien zu reisen. Dort, so die Anklage, hätten sie sich von der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) zu Kämpfern ausbilden lassen und für sie kämpfen wollen. Laut den Ermittlern hatten die beiden von November 2025 an die Ausreise geplant. Die Polizei observierte sie währenddessen.
Kennengelernt haben die beiden Verdächtigen sich 2024 in einer Moschee in Kassel. Dort seien auch zwei Männer ein und aus gegangen, die die Ideologie des IS unterstützt hätten. Der Siebenundzwanzigjährige sagt, sie seien sehr freundlich zu ihm gewesen. „Sie hatten für alle meine Fragen eine Erklärung.“ Er trat einer Telegram-Gruppe bei und fing dort an, Predigten von IS-Unterstützern zu hören. Auch der Neunzehnjährige kennt die zwei Männer. Er nennt sie vor Gericht „Königsbrüder“.
Vor seiner Festnahme war der Siebenundzwanzigjährige im Jahr 2025 bereits zweimal ins Ausland gereist. Zuerst flog er nach Pakistan. „Ich wollte dort ein islamisches – damals dachte ich, ein besseres – Leben führen“, sagt er. Doch er habe keine Arbeit gefunden und habe keinen legalen Aufenthaltstitel erhalten. Die pakistanischen Behörden nahmen ihn fest, und er flog zurück nach Deutschland. Im selben Jahr reiste er auch mit seiner Familie nach Afghanistan, wie er berichtet. Dort habe er sich mit einem IS-Kämpfer treffen wollen. Seine Familie habe davon nichts gewusst, sagt er. Der Kämpfer sei gestorben, bevor es zu dem Treffen kommen konnte. Laut Anklageschrift war der Verdächtige enttäuscht, nicht mit ihm als Märtyrer gestorben zu sein.
Die beiden Angeklagten sind geständig und geben zu, dass sie den IS unterstützen wollten. Sie sollen aber auch mögliche Anschlagsszenarien in Deutschland diskutiert haben, wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor. Dem widersprechen sie vor Gericht: „Es gab keinen Sprengstoff, kein Fahrzeug und keine konkreten Anschlagspläne“, sagt der ältere der beiden Angeklagten.
Die Ermittler hatten vor der Festnahme unter anderem Telefonate der Angeklagten abgehört. Sie hätten sich in ihren Gesprächen lediglich „gegenseitig hochgeschaukelt“, sagt der Angeklagte. Der Prozess wird fortgesetzt.
