
Nach dem Willen von Donald Trump soll die Straße von Hormus von Freitag an wieder vollständig befahrbar sein. Man sei gerade dabei, „ein paar Minen zu jagen“, die bereits entdeckt worden seien, erklärte der amerikanische Präsident. Die USA und Iran hatten sich am Sonntag auf eine Rahmenvereinbarung zur Beendigung des Irankriegs verständigt, die unter anderem die Entfernung von Seeminen aus der wichtigen Meerenge vorsieht.
Nach Trumps Angaben hätten die ersten Schiffe am Montag begonnen, aus der Straße von Hormus herauszufahren. Sie würden dabei die südliche Route nehmen, die „absolut sicher“ sei. Er bezog sich damit vermutlich auf den nahe Oman gelegenen Teil der Meerenge. Es gebe auch noch andere Routen, erklärte der US-Präsident auf seiner Plattform Truth Social, ohne dies näher auszuführen.
Schiffsverfolgungsdaten von Montag zeigten allerdings, dass weiterhin nur wenige Schiffe die Straße von Hormus passierten. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf westliche maritime Sicherheitskreise, dass eine Operation zur Minenräumung 40 bis 50 Tage dauern könnte, bevor viele Versicherungs- oder Schifffahrtsunternehmen genug Vertrauen für die Durchfahrt hätten.
„Die Gefahr durch Minen in diesem Gebiet gibt sowohl unmittelbar als auch auf längere Sicht Anlass zur Sorge, weshalb minenfreie Wege eingerichtet werden müssen“, sagte der Sicherheitschef der internationalen Schifffahrtsorganisation BIMCO, Jakob Larsen. Auch andere Reedereien zeigten sich skeptisch, ob die vollständige Schifffahrt durch die Meerenge schnell wieder aufgenommen werden kann.
Schätzungen über Tausende iranische Seeminen
Es ist nicht öffentlich bekannt, wie viele Minen Iran ausgelegt hat und wo diese positioniert sein könnten. Dazu gibt es unterschiedliche Angaben. Omans staatliches Maritime Security Centre meldete Ende Mai die Sichtung eines Objekts vor der omanischen Küste, bei dem es sich vermutlich um eine schwimmende Mine handele.
Laut Angaben der „Washington Post“ von April habe Iran in der Straße von Hormus 20 oder mehr Seeminen ausgelegt. Ein amerikanischer Regierungsvertreter sagte CNN am Montag, dass die USA wüssten, „wo alle Minen“ in der Straße von Hormus lokalisiert seien. Die „New York Times“ berichtete dagegen am Dienstag, dass nicht sicher sei, ob Iran überhaupt Minen eingesetzt habe.
Das amerikanische Militär hat nach eigenen Angaben mehrere größere iranische Minenleger zerstört. Die Revolutionsgarde verfügt aber wohl noch über eine größere Zahl an Schnellbooten, von denen die Sprengladungen ebenfalls platziert werden können. Schätzungen gingen vor Kriegsbeginn von Tausenden iranischen Seeminen aus.
Trump erklärte, dass die USA nicht „viel Hilfe“ bei der Sicherung der Meerenge brauchten. Die amerikanischen Fähigkeiten zur Minenräumung gelten allerdings als begrenzt; die USA haben ihre letzten vier klassischen Minensuchboote der Avenger-Klasse im Nahen Osten im Januar aus der Region abgezogen. Das Militär setzt nun auf die neuen sogenannten Littoral Combat Ships, die mit Überwasser- und Unterwasserdrohnen Minen bekämpfen sollen. Fachleute kritisieren jedoch, dass es den Schiffen an Kampferfahrung fehle und sie zu groß und zu anfällig gegenüber Seeminen seien. Auch bei den unbemannten Waffensystemen soll es Defizite geben.
Es sei keine schlechte Idee, erklärte Trump, „ein oder zwei Schiffe aus einigen Ländern“ nahe der Straße von Hormus zu haben. Mehrere europäische Staaten bereiten sich derzeit auf eine mögliche Minenräumung vor, darunter Deutschland. Das Minenjagdboot Fulda und der Tender Mosel wurden vorsorglich ins östliche Mittelmeer verlegt. Vor einem deutschen Einsatz braucht es allerdings ein Bundestagsmandat.
Außenminister Johann Wadephul (CDU) bekräftigte zwar die grundsätzliche Bereitschaft der Bundesregierung, einen Beitrag zur Minenräumung zu leisten. Zuvor müssten jedoch Details zu dem Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran bekannt sein, sagte er. „Wir müssen wissen, was steht in dem Abkommen drin? Wir müssen wissen: Gibt es ein allgemeines Einverständnis, dass dieses Minenräumen dort stattfindet?“
