
Nach dem Abzug der strategischen Bomber der amerikanischen Luftwaffe vom britischen Stützpunkt Fairford hat die britische Regierung Sicherheitsbedenken zu zerstreuen versucht. Ende September war möglicherweise ein Anschlag in unmittelbarer Nachbarschaft des Fliegerhorsts in Gloucestershire vereitelt worden. Seither ermittelt die Anti-Terror-Einheit der britischen Polizei in der Sache. Zuletzt ließ sich Premierminister Andrew Burnham mit der Einschätzung vernehmen, mutmaßlich habe Iran bei der Planung des Anschlags „eine Rolle gespielt“.
Der Stützpunkt der Royal Air Force wird traditionell auch von amerikanischen Streitkräften genutzt. London erlaubte Washington nach diplomatischen Verstimmungen zu Beginn des Irankriegs schließlich auch, die Basis für Angriffe gegen Teheran zu nutzen. Seither operierten amerikanische Langstreckenbomber von Fairford aus gegen Ziele in Iran. Ihr Abzug wurde von der britischen Regierung am Montag nicht kommentiert. Ein Sprecher sagte, „es ist nicht an uns, die militärischen Operationen fremder Mächte zu kommentieren“. Die Regierung beharrte darauf, der Stützpunkt sei sicher. Es gebe „bewährte und getestete Verfahren“, um die Sicherheit britischer Militäreinrichtungen in Großbritannien und anderenorts in der Welt zu gewährleisten.
Warum die Amerikaner ihre Bomber zurückbeordern
Das Pentagon hatte zuvor erklärt: „Wir können nun bestätigen, dass alle amerikanischen Bomber, die auf dem Stützpunkt RAF Fairford stationiert waren, wieder an ihre Heimatstützpunkte in den Vereinigten Staaten zurückgekehrt sind.“ Laut der „New York Times“ waren neue Drohungen der Grund für den Abzug, der ein höchst ungewöhnlicher Schritt ist. So gebe es Informationen über einen von Iran unterstützten Anschlag auf den Stützpunkt, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Regierungsvertreter.
Wie die Zeitung weiter berichtete, wurde die Notwendigkeit der Verlegung als so dringlich eingestuft, dass einige Maschinen samt Besatzungen bereits starteten, während die benötigten Tankflugzeuge erst noch für die Unterstützung über dem Atlantik vorbereitet werden mussten. Ein Regierungsvertreter habe gesagt, die Informationen seien zwar Teil jener Warnungen von vor drei Wochen. Die Lage habe sich in den vergangenen 24 Stunden allerdings aufgrund konkreter Details zugespitzt. Zuletzt sollen ein Dutzend B-1-Bomber in Großbritannien stationiert gewesen sein.
Ende September waren fünf Männer in der Nähe des Stützpunkts aufgegriffen worden. Sie werden der Vorbereitung einer terroristischen Tat verdächtigt. Gegen sie wird auch wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt. Inzwischen sind sie unter strengen Auflagen wieder freigelassen worden. Ein sechster Verdächtiger mit iranisch-britischer Staatsbürgerschaft wurde in den folgenden Tagen ebenfalls zwischenzeitlich festgenommen und dann unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt.
Sind US-Stützpunkte in Deutschland in Gefahr?
Offenbar besteht auch für amerikanische Stützpunkte in Deutschland eine mögliche Gefahr. Das berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter. Demnach hat Israel Deutschland gewarnt, dass die dortigen amerikanischen Stützpunkte einem erhöhten Risiko ausgesetzt seien – insbesondere die Luftwaffenstützpunkte Ramstein und Spangdahlem. Beide Militärstandorte liegen in Rheinland-Pfalz und sind kurz vor dem Irankrieg und währenddessen zu einem Drehkreuz für die Amerikaner geworden. Der iranische Botschafter in Deutschland forderte im März eine „Klarstellung“ der Bundesregierung zur Nutzung der Ramstein-Basis durch die USA.
Flugdaten zeigten damals einen Anstieg des Verkehrs. In Ramstein waren es insbesondere amerikanische Transportflugzeuge, die auf dem Stützpunkt landeten und Richtung Naher Osten abhoben. Von der Air Base Spangdahlem wurden laut amerikanischen Medien und Fachportalen mehrere F-16-Kampfflugzeuge in die Region verlegt, um die iranische Luftverteidigung zu bekämpfen. Am Montag waren in Ramstein und Spangdahlem unter anderem mehrere Boeing C-17 Globemaster III stationiert, wie die Daten von „Flightradar24“ zeigten. Die großen Transportflugzeuge können bis zu 77,5 Tonnen tragen.
Anders als zuletzt auf dem britischen Stützpunkt Fairford, sind in Ramstein und Spangdahlem allerdings in der Regel keine strategischen US-Bomber stationiert. Gelegentlich weichen sie jedoch kurzfristig auch auf diese Standorte aus. So landeten im März nach einem Kampfeinsatz gegen Iran drei B-1-Bomber in Ramstein – der Nebel über dem eigentlichen Zielstützpunkt Fairford war zu dicht.
