
Der Generalinspekteur des Pentagons hat in einem ersten Bericht über die Folgen des Irankriegs einen Munitionsmangel von strategischer Dimension, erhebliche Verluste an militärischem Gerät und Schäden auf US-Militärstützpunkten am Golf bestätigt. So habe ihm das für die „Operation Epic Fury“ zuständige Militärkommando Centcom mitgeteilt, dass es durch iranische Angriffe zu Schäden und Zerstörungen an Hunderten Gebäuden „auf US-Basen in Kuwait, Bahrain, Qatar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, im Irak, Oman und Jordanien“ kam.
Laut dem am Montag veröffentlichten Bericht zerstörte oder beschädigte Iran außerdem ein F-15-Kampfflugzeug, ein F-35-Kampfflugzeug, fünf KC-135-Tankflugzeuge, einen E-3-Luftaufklärer, einen Kampfhubschrauber vom Typ AH-64 und bis zu 30 MQ-9-Drohnen. Das US-Außenministerium meldete dem Generalinspekteur zudem Schäden an diplomatischen Vertretungen in Kuwait, Saudi-Arabien, im Irak und den Vereinigten Arabischen Emiraten in Höhe von 184 Millionen Dollar.
Die iranischen Angriffe auf amerikanische Militärstützpunkte nötigten Centcom demnach, Personal, Waffensysteme und Lager an andere Orte zu verlegen. So seien Nachschubkapazitäten der Marine nach iranischen Raketen- und Drohnenangriffen auf das bis dahin wichtigste Logistikzentrum in Bahrain teilweise bis nach Diego Garcia ausgelagert worden. Ein „Logistikzyklus“ zu dem Atoll im Indischen Ozean betrage 14 bis 18 Tage. In Bahrain hatte die Fünfte Flotte der US-Marine bislang ihr Hauptquartier.
Der Generalinspekteur widerspricht dem Präsidenten
Der Bericht spricht von „erheblichen Herausforderungen, angemessene Marinebasen und Unterstützungshäfen zu etablieren“. Ein Grund dafür sei die Zurückhaltung der jeweiligen Länder, der amerikanischen Marine Zugang zu gewähren. Die iranischen Angriffe hätten auch Auswirkungen auf die medizinische Versorgung der amerikanischen Truppen gehabt, heißt es in dem Bericht weiter. So seien Kapazitäten für medizinische Hubschrauberflüge aus Gründen des Truppenschutzes aus Kuwait und dem Irak abgezogen worden.
Ein Großteil der genannten Schäden war schon aus früheren Medienberichten bekannt, die sich auf ungenannte Regierungsquellen bezogen. Der Bericht des Generalinspekteurs an den Kongress ist jedoch die erste umfassende Bestandsaufnahme der Kriegskosten. Mit Blick auf Liefer- und Bestandsengpässe an Munition bestätigt der Generalinspekteur frühere Einschätzungen von Rüstungsexperten – und widerspricht Verteidigungsminister Pete Hegseth und Präsident Donald Trump.
Es gebe „Engpässe in der Industrie für den Munitionsnachschub“, schreibt der Inspekteur. Das Verteidigungsministerium arbeite nach eigenen Angaben daran, Beschaffungsprozesse und Produktionszeiten zu optimieren und Vorräte an kritischen Materialien und Komponenten anzulegen. Hegseth hatte zuvor Berichte über zur Neige gehende Munitionsbestände als falsch zurückgewiesen. Trump hatte vor zwei Wochen behauptet, das Land verfüge über „unbegrenzte“ Munitionsbestände.
Der Bericht schürt die Debatte, inwieweit das US-Militär alle Schäden an den bislang genutzten Stützpunkten in der Region beheben wird – oder einige Standorte aufgeben könnte. Letzteres könnte Iran als Erfolg verbuchen. Das Land verfolgt seit Jahrzehnten das Ziel, die amerikanischen Truppen aus der Region zurückzudrängen. Der kommissarische Marinestaatssekretär, Hung Cao, sagte vergangene Woche in einem Interview, er habe eine Arbeitsgruppe beauftragt zu evaluieren, was mit dem Hauptquartier in Bahrain geschehen solle und ob die Marine die Schäden reparieren solle. „Sie haben (den Stützpunkt in) Bahrain völlig zerbombt“, sagte er der „Epoch Times“.
