
Es war nicht zu erwarten, dass es am Golf militärisch ruhig bleiben würde. Die Strategie des wirtschaftlichen Drucks, die nun sowohl Amerika als auch Iran verfolgen, setzt voraus, dass die Straße von Hormus für die Gegenseite unpassierbar bleibt. Die Iraner hatten offenbar vor, neue Seeminen in der Meerenge zu verlegen, was die Amerikaner mit Beschuss zu verhindern suchten.
In der verfahrenen Lage, in die Trump die Region und die Weltwirtschaft gebracht hat, fällt ein Unterschied zwischen der Weltmacht und ihrem Gegner auf. Iran kann auf seine Verbündeten zählen: China unterstützt Trump bisher nicht bei seinen verschärften Sanktionen, und Russland hilft den Iranern offenbar militärisch. Der iranische Präsident nimmt gerade am Gipfel der Shanghaier Organisation teil, die sich zu einem Gegengewicht zum Westen entwickelt hat.
Eine langfristige Lösung ist unklar
Amerikas Partner dagegen bleiben vor allem Opfer des Krieges, der mittlerweile ein halbes Jahr währt, obwohl Trump ein paar Wochen versprochen hatte. Der neuerliche Schlagabtausch traf auch wieder US-Stützpunkte in Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Oman hat der Präsident sogar mit amerikanischen Militärschlägen gedroht.
Und die Europäer stehen weiter abseits, obwohl der Ausgang des Krieges sie nicht weniger betrifft als Amerika. Trump hat also weiter nur Netanjahu auf seiner Seite, und mit dem ist er über das Vorgehen uneins. Wie eine langfristige Lösung aussehen könnte, ist unklar.
